Dieses Mal laufe ich in den Bereich, der eigentlich der Klinik vorbehalten ist. Aber da ja Wochenende ist, wird sich dort niemand aufhalten und ich dort hoffentlich meine Ruhe haben! Ich muss nachdenken!
Außer Atem komme ich in einem eher versteckt liegenden Teil zum Stehen. Durch einen verzierten, weißen Bogen erreiche ich eine kleine Laube. Wunderschöne Rosen sind um einen kleinen Springbrunnen angepflanzt. Leider führt dieser kein Wasser. Eine kleine Bank steht dort. Nach wie vor nach Luft schnappend lasse ich mich darauf sinken. Ich betrachte den Brunnen näher. Auf dem runden, kreisförmigen Becken aus Glas steht eine Statue von einer jungen Frau. Sie wird ungefähr in meinem Alter sein und ist jetzt nicht tyisch skulpturenhaft gekleidet, sondern eher modern. Ihre Gesichtszüge sind weich und mädchenhaft. Eine Hand liegt auf ihrem Bauch, die andere Hand ist nach außen geöffnet und zeigt in Richtung Himmel. Auf ihrem Daumen sitzt eine kleine Taube - wahrscheinlich ein Küken. Ich trete näher heran und betrachte die liebevoll gestalteten Details. Eine kleine Tafel fällt in mein Auge.
Die Hoffnung ist der Regenbogen, über dem herabstürzenden Bach des Lebens ~ in ewiger Liebe
Mir fällt es wie Schuppen von den Augen. Das muss ein Andenken an Salmas Mutter Rosalie sein. Wie magisch angezogen trete ich noch ein kleines Stückchen näher. Meine Finger kribbeln, als ich, wie ferngesteuert, das Taubenküken berühre. Es fühlt sich warm, fast lebendig an. Ich taste nach unten. Die Skulptur dagegen ist kalt - eiskalt. Ich lasse meine Hände ruhen und schließe die Augen. Auf einmal spüre ich Feuchtigkeit in meiner linken Hand. Regnet es etwa? Ich öffne die Augen wieder und schaue zur Skulptur. Wasser rinnt aus der geöffneten Hand. Erst einige Tropfen, dann ein kleiner Fluss. Ich bin wie paralysiert und lasse meine Hände an Ort und Stelle. Ganz langsam löse ich die Hände und gehe rückwärts zu der kleinen Bank. Das Wasser fließt weiter. Das Licht der plötzlich durchwärmenden Sonne bricht sich in den kristallklaren Tropfen, die wie ein Bach in die gläseren Schale gleiten. Kleine Regenbogen formieren sich auf der Marmorplatte des Bodens.
Wieder lasse ich mir die Worte auf der Tafel durch den Kopf gehen, als ich Schritte hinter mir höre. Hier kann man wohl nicht mal eine Minute alleine sein.
"Ina!", höre ich Sebastians Stimme. Dann zieht er scharf die Luft ein. "Wie, was, warum?", stottert er. Ich drehe mich zu ihm herum und schaue ihn fragend an. Sebastian sprachlos? Das habe ich bisher noch nicht erlebt und so oft kommt das mit Sicherheit auch nicht vor.
"Das Wasser? Seit wann fließt es?" Er lässt sich, völlig fassungslos, neben mir auf die Bank sinken und betrachtet das Becken.
"Warum? Ist die Zeitschaltuhr kaputt?", frage ich ihn irritiert.
"Nein. Es gibt keine Zeitschaltuhr. Recht bald nach dem Tod von Rosalie haben wir diesen Brunnen anfertigen lassen. Er wird gespeist von einer Quelle! Wir haben alles versucht, damit dieser Brunnen läuft!" Eine Gänsehaut überläuft meinen ganzen Körper. Ich trete wieder einen Schritt nach vorne und lege meine Hände erneut auf den Körper der Frau und die kleine Taube. Beides fühlt sich nun warm an - fast lebendig. Tiefe Ruhe überkommt mich und ein anderes, ganz neues Gefühl. Ich kann es noch nicht so richtig einordnen. Ich schaue nach oben und genieße die warmen Sonnenstrahlen in meinem Gesicht. Das Wort Hoffnung formiert sich in meinem Kopf. Kann das wirklich sein? Habe ich das verdient? Hatte alles in meinem bisherigen Leben tatsächlich einen Sinn?
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Cinderella in Chucks
RomanceDiese Geschichte steht für sich alleine und hat (bisher) keinen Querbezug zu meinen anderen Geschichten. Ina ist frisch gebackene Erzieherin und hat gerade ihre Abschlussfeier überstanden. Wenige Tage später erhält sie eine rätselhafte E-mail der Ge...
