Kapitel 61

1.7K 82 10
                                        




Sebastian wartet mit Salma an der Hand vor meiner Tür. Sein Blick scannt mich. Ich schaue betont abgelenkt auf den Boden.

"Bereiten wir jetzt den Abend vor?", fragt Salma mich aufgeregt. Ich nicke ihr zu.

"Das machen wir!"

"Wenn ich mir dich so ansehe, zweifle ich, dass es die richtige Entscheidung war, dass Jakob die medizinische Versorgung an eine andere Gynäkologin abgegeben hat. Aber wir haben uns gegenseitig geschworen, da nicht reinzureden!", sagt er schließlich.

"Ach Sebi!", sagt Salma nun ernsthaft. "Die Ina hat doch nur Menschuationsprobleme. Das bekommt man eben, wenn man eine Frau ist. Das ist nicht schlimm!" Mir wird kurz siedend heiß, als Salma hier beginnt loszuplappern. "Und Justus hat außerdem gesagt, dass Ina kurze Beine hat. Aber das stimmt doch gar nicht!", sagt sie nun entrüstet. Sebastian bückt sich zu ihr herunter.

"Na das ist ja interessant! Ich glaube,  dass Justus da etwas anderes gemeint hat! Aber ich finde es richtig und gut, dass du so auf Ina aufpasst!", sagt Sebastian ernsthaft.

"Ja. Ich habe sie vorher durchgecheckt!",  antwortet Salma lächelnd.

"Na dann brauchen wir uns ja keine Gedanken machen. Nicht wahr, Ina?", fragt Sebastian vielsagend.

"Ganz genau!", sage ich aufatmend, nachdem die Tablette glücklicherweise beginnt langsam zu wirken. "Salma, dann lass uns mal mit den Vorbereitungen starten!" Ich lächle Sebastian nochmal kurz zu, bevor ich mit Salma in ihren Bereich gehe.

Aufatmend schließe ich wenig später die Tür.

"Ist wirklich alles gut, Ina?", fragt Salma und sieht mich durchdringend an. Das Erbe ihrer Familie scheint auch bei ihr ganz schön durchzuschlagen.

"Ja. Alles in Ordnung!", sage ich und lächle ihr zu. "Wollen wir zuerst die Dinge für das Kino bereitlegen?"

"Jaaa!", ruft Salma und so machen wir uns mit Feuereifer ans Werk.

Salma ist mit Feuereifer dabei und so verfliegt unser Nachmittag ziemlich schnell. Dann ist es an der Zeit für den Mädels - Abend. Nach Salmas Bad schmeißen wir uns in gemütliche Kleider und beginnen den Film zu schauen. Die Pizza wurde unten angeliefert und uns von der Köchin nach oben gebracht. Wir dürfen ja schließlich den Flügel nicht verlassen. Ich habe nach wie vor einen sehr flauen Magen und habe mich daher bei  der Pizza stark zurückgehalten.  Salma ist sehr glücklich mit der Abendgestaltung und chillt auf dem Sofa, während ich uns einen Film einstelle. Mittlerweile zähle ich ein bisschen die Stunden bis zu dem Arzttermin, dennoch hoffe ich, dass da nichts Schlimmes bei  rauskommt! Die Schmerzen werden leider nicht wirklich besser, sondern eher schlimmer. Ich rolle mich auf die Seite in der Embryonalhaltung und versuche dem Film zu folgen. Die Hauptdarstellerin und der Hauptdarsteller sind gerade bei einem Ball und beginnen mit dem Debuttanz.

"Wie meine Jungs!", seufzt sie.  Manchmal frage ich mich, wie viel sie wirklich mitbekommt...Dann scheint ihr etwas einzufallen. "Ich wollte dir noch was zeigen!", sie springt auf. Wenig später kommt sie ins Zimmer gelaufen. In ihrer Hand ist eine schwarze Halbmaske. Diese ist aufwendig verziert mit kleinen, funkelnden Steinchen. Sind diese etwa echt?

"Salma? Woher hast du die Maske?", frage ich sie alarmiert.

"In der Mittagspause hat mich Mama zu sich gerufen. Ich höre dann immer diese Melodie" Sie summt leise die Töne vor sich hin, die auch ich schon vernommen habe. Eine Gänsehaut überkommt mich. "Und dort habe ich diese Maske gefunden. Ist sie nicht wunderschön? Ich glaube, Mama wollte, dass ich sie dir schenke!" Sie lächelt mich mit ihren großen Augen an und übergibt mir das kostbare Stück. Vorsichtig nehme ich sie in meine Hand und streiche über den samtigen Stoff.

"Bist du dir sicher?", frage ich Salma.

"Ja. Sehr sicher. Mama mag dich!", sagt sie lächelnd. Dann nimmt sie sich noch ein Pizzastück und konzentriert sich wieder auf den Film. Wenig später ist sie auf dem Sofa eingeschlafen. Ich warte darauf, dass sie wirklich tief und fest schläft. Dann stelle ich den Fernseher aus. Auf Zehenspitzen decke ich ihr Bett auf, bevor ich das  kleine Bündel Mensch anhebe. Ein scharfer Schmerz durchzieht meinen Unterbauch. Ich stöhne auf und kann gerade noch verhindern, dass ich Salma auf den Boden fallen lasse. Mit Müh und Not schaffe ich es, sie ins Bett zu manövrieren. Mir ist schwindelig und ich sehe Blitze vor meinen Augen.  Verdammt! Was ist das für ein mieser Infekt? Ich lege mich flach auf den Boden und versuche einfach nur bei Bewusstsein zu bleiben. Schließlich wird der Schmerz weniger - er ist sogar wie verschwunden! Sonderbar. Ich rapple mich auf und stelle Salmas Babyphone ein. Dann wanke ich in mein  Zimmer. Aufgeräumt wird morgen!

Cinderella in ChucksGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt