Kapitel 53

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"Ina, wir, also wir müssen zurück. Es wird langsam kalt!", höre ich Sebastians wohltönende Stimme. "Du bist immernoch angeschlagen. Ich bekomme sonst wirklich Stress mit meinen Brüdern!" Er legt
mir einen Arm um die Schultern. Durch den weitläufigen Garten lasse ich mich von ihm zurück ins Haus führen. Ich bin in meinen Gedanken ganz weit weg. Er dirigiert mich in mein Zimmer und setzt mich auf mein Bett.

"Lass uns dir noch etwas anderes anziehen!", sagt er leise und geht zu meiner Kommode. Dort nimmt er frische Kleidung heraus und legt diese neben mich aufs Bett. "Arme hoch, Ina!", kommandiert er liebevoll. Ich folge. Mein Kopf versucht immer noch die Vorkommnisse zu verarbeiten. Sebastian reicht mir ein T-Shirt, welches ich einfach überziehe. "Ich glaube ein frisches Höschen wäre auch nicht schlecht!", merkt er an. Sanft drückt er mich an den Schultern zurück. Ich schaue an die Decke und lasse ihn einfach machen. Kurz darauf bin ich angezogen. Sebastian legt die Decke über mich.

"Ich bin gleich wieder da!", kündigt er an. Ich nicke nur und drehe mich auf die Seite. Was genau ist da draußen eigentlich passiert? Wieso habe ich das Wasser in diesem Brunnen zum Laufen gebracht? Ich verstehe es einfach nicht? Auch Ruth und eine andere Präsenz schienen mir in dem Augenblick so unglaublich nah. War das Rosalie? Warum kann ich zu solchen, faktisch unbekannten Menschen, eine Verbindung aufbauen und nicht zu meinen eigenen Eltern? Das ist doch unfair und gemein. Was würde ich nur dafür tun nur noch einmal in ihren Armen zu liegen? Von ihnen gekuschelt zu werden? Tränen steigen in meine Augen und rinnen an meinen Wangen entlang. Ein leises Klopfen verrät, dass wieder jemand meine Ruhe stören will. Ich lasse die Tränen einfach laufen. Sebastian setzt sich erneut neben mich. "Ina? Ich gebe dir jetzt etwas zur Beruhigung. Du wirst dann gut schlafen können und dein Kopf kommt etwas zur Ruhe!" Ich nicke. Er reicht mir einen kleine Becher mit einem ziemlich widerlich schmeckenden Saft. Sebastian hält sanft meinen Nacken fest, bis ich auch den letzten Tropfen zu mir genommen habe. Dankbar nehme ich das Glas zum Nachtrinken an. Meine Zunge fühlt sich etwas pelzig an. Ich schließe die Augen und lasse mich fallen. Nicht denken! Nicht funktionieren müssen! Das ist alles, was ich möchte!

Währenddessen im Besprechungsraum der Herren

"Leute, wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, dann würde ich es doch auch nicht glauben. Ina hat, wie auch immer, diese Brunnen zum Laufen gebracht!", sagt Sebastian. Er rauft sich die Haare.

"Sie ist schon irgendwie creepy!", teilt Justus seine Meinung kund.

"Nein! Sie ist ein Segen für dieses Haus!", schreitet Jakob nun entschieden ein. "Aber ein Segen mit Baustellen!", ergänzt er dann.

"Ich denke, wir müssen Ina nun erstmal gesundheitlich wieder auf Vordermann bringen! Sie braucht die Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel. Dabei muss sie begleitet werden,  damit so etwas wie mit dem Antifungizid, nicht mehr passiert!", sagt Christian mit Nachdruck.

"Da gebe ich dir vollends recht. Trotzdem brauchen wir eine Perspektive! Es ist für mich sehr schwer in Ina nur eine Patientin und nur ein Kindermädchen zu sehen. Sie triggert mich massiv! Die Situation in unserem Dungeon spielt sich wieder und wieder vor meinem inneren Auge ab. Ich fühle, dass sie dem auch nicht abgeneigt ist. Sie ist mein fucking Gegenüber!", spricht Jakob nun aus, was eigentlich alle seit dem ersten Moment wussten und nur er nicht wahrhaben wollte.

"Was ist daran so schlimm!", merkt nun Justus an. "Du findest sie heiß, sie findet dich heiß! - probiert es doch einfach aus!"

"Denkst du auch mal weiter als bis zu deiner nächsten Mahlzeit!", fährt ihn daraufhin Jakob ab. "Ina ist das Ein- und Alles für Salma. Wir haben die klare Regel, dass wir nichts mit Angestellten und Patientinnen anfangen und sind damit mehr als gut gefahren! Und diese Regel ist auch DIR bekannt, lieber Justus!", sagt Jakob mühsam beherrscht.

"Also. Ich fasse jetzt mal zusammen. Jakob, du entwickelst Gefühle für Ina. Gleichzeitig hast du Bedenken, was passiert, wenn die Gefühle einseitig sind, oder wenn es nicht zwischen euch funktioniert und sie dann das Haus - und damit auch Salma verlässt!", sagt Sebastian.

  "Ey, Ina ist Wachs in deinen Händen. Sie zerfließt unter deiner Berührung. Sie HAT schon Gefühle für dich. Du wirst dich dem nicht entziehen können! Aber ich habe hier ja nichts zu melden. Ich löse mal die Köchin in der Betreuung mit Salma ab!", sagt Justus und verlässt den Raum.

"Fuck!", flucht Jakob und schlägt auf den Tisch. "Fuck! Fuck! Fuck!" Er geht zum Fenster und öffnet  die eine Seite des Flügelfensters. Aus dieser Perspektive sieht man den Brunnen. Jakob schaut zum Himmel und flüstert leise: "Mama! Was hast du dir nur dabei gedacht?" Dann birgt er sein Gesicht in seinen Händen. "Was hast du dir nur dabei gedacht!", sagt er erneut. Sebastian und Christian stehen auf und treten zu ihm. Sie nehmen sich zu dritt fest in den Arm und lehnen ihre Köpfe aneinander. Wie von Zauberhand öffnet sich der andere Flügel und ein warmer Windhauch umhüllt die drei Männer.

Cinderella in ChucksGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt