Als ich aufwache muss ich mich erstmal orientieren. Ich liege in einem Krankenhauszimmer. Von der Art der Überwachung her schließe ich auf die Intensivstation oder Überwachungsstation. Immerhin ist das Piepen leise geschalten. Ich schaue zu dem kleinen Fenster, aus dem mich eine Schwester freundlich anlächelt. Ich lächle schwach zurück. Meine Arme fühlen sich schwer an. Vor allem mein linker. Ich drehe meinen Kopf und muss lächeln. Jakob liegt dort und schläft tief und fest. Vorsichtig, ohne mich groß zu bewegen ziehe ich meinen Arm hervor und streichle ihm sanft über die Haare. Das hätte ich mir gestern noch nicht getraut. Er bewegt sich nur kurz und schläft dann weiter. Ich schaue auf die Uhr und staune. Es ist bereits 22 Uhr. Wie lange habe ich bitte geschlafen? Jakob trägt immer noch seinen Smoking, also war er wohl die ganze Zeit bei mir. Ich höre in mich hinein. Die Panik, die wohl ihren Ursprung in dem traumatischen Autounfall von meinen Eltern und mir hat ist nicht mehr vorhanden. Sie wurde durch eine gewisse Traurigkeit und Melancholie ersetzt. Ob das so viel besser ist? Wahrscheinlich schon. Ich schaue an die Decke und rekapituliere die letzten Wochen. Schon verrückt, was alles passiert ist. Es klopft kurz und energisch an der Tür. Einer der beiden Zwillinge betritt den Raum. Ich kann auf den ersten Blick nicht sagen, wer wer ist. Er lächelt mir zu und tritt näher.
"Na, ausgeschlafen?", fragt er und desinfiziert sich die Hände. Ich nicke, etwas schüchtern. Er tritt zu meinem Bett. "Wie fühlst du dich?"
"Ganz gut, eigentlich. Also ich habe keine Schmerzen!", gebe ich leise zurück um Jakob nicht zu wecken. Nun sehe ich an der Augenfarbe, dass Timon vor mir sitzt.
"Du bekommst auch starke Schmerzmittel!", erklärt Timon. "Hör zu. Das war Rettung in der letzten Minute! Auch wenn es sehr unanständig war unerlaubterweise auf den Ball zu gehen, hat dir das doch das Leben gerettet." Er sieht mich eindringlich an. Ich senke den Blick. "Wie auch immer du das geschafft hast!", schiebt er nach. "Also. Der Appendix ist raus. Dein Bauchraum gespült. Wir haben Drainagen gelegt, damit die Flüssigkeit austritt. Du wirst hier weiterhin engmaschig überwacht. Ich sage es dir ungern, Ina. Doch du bist noch nicht über den Berg!" schließt er seine Ausführungen." Ich schlucke. Dabei habe ich doch gefühlt gerade eben angefangen zu leben. Sein Blick wird sanfter. Er drückt vorsichtig meine Hand. "Wir tun alles dafür, damit es weiterhin bergauf geht!" Da kommt Leben in Jakob. Ich lächle einen Moment, da er schon ziemlich zerknautscht aussieht. Er schaut kurz zu mir, dann geht sein Blick direkt auf die Monitore.
"Jakob!", spricht Timon ihn nun direkt an. "Du gehst jetzt nach Hause und ruhst dich aus!"
"Auf gar keinen Fall!", gibt dieser zurück.
"Das war eine Anweisung!", sagt Timon beherrscht. "Ina braucht dich ausgeschlafen und erholt! Du würdest es bei mir genauso machen!"
"Gib mir noch fünf Minuten!", sagt Jakob nun. Timon nickt.
"Ich sage der Schwester Bescheid!" Mit einem warmen Blick mir gegenüber verabschiedet sich Timon. Ich knete etwas die Bettdecke und weiß nicht so richtig, was ich sagen soll.
"Ina! Du hast mir einen wahnsinnigen Schrecken eingejagt!" Er streichelt sanft meine Hand. "Allerdings hast du mich auch vor einer falschen Entscheidung bewahrt. Und dafür bin ich dir mehr als dankbar!"
Ich denke an die Interaktion zwischen Seraphine und Jakob zurück. Das heißt, er hat ihr nicht das Halsband angelegt? Leider habe ich davon nicht mehr viel mitbekommen. Jakobs Blick ist nun liebevoll und nicht mehr so distanziert.
"Ich habe, ehrlich gesagt, nicht so viele Erfahrungen mit "normalen" Beziehungen. Ich bin bisher meistens den Weg der Lust gegangen - was sicherlich auch eine Option ist. Allerdings habe ich das Gefühl - und ich glaube das Universum ist da mit uns einer Meinung - dass da mehr zwischen uns beiden ist." Für einen kurzen Moment wird es heller im Raum, so als hätte jemand kurz den Dimmschalter einer Lampe nach oben gedreht.
"Sieht ganz so aus!", sage ich. Langsam bin ich erschöpft.
"Dr. Schwanstett! Die Zeit ist um!", sagt die resolute Schwester. Sie schaut ihn streng an. "Die Patientin braucht Ruhe!"
"Da stimme ich völlig mit Ihnen überein!", sagt Jakob nun wieder ganz sein übliches selbst.
"Bis später, Ina!", sagt er nun leise und verlässt das Zimmer. Ich schaue ihm einen Moment hinterher, bevor ich müde die Augen schließe. Allerdings mit einem breiten Lächeln auf den Lippen.
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Cinderella in Chucks
RomanceDiese Geschichte steht für sich alleine und hat (bisher) keinen Querbezug zu meinen anderen Geschichten. Ina ist frisch gebackene Erzieherin und hat gerade ihre Abschlussfeier überstanden. Wenige Tage später erhält sie eine rätselhafte E-mail der Ge...
