Kapitel 70

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Als sich die Tür hinter Jakob geschlossen hat, atme ich auf. Puh! Ich weiß zwar nicht wie regelmäßig die Herren nach mir schauen wollen aber trotzdem freue ich mich jetzt über etwas Ruhe und Abstand. Das Zimmer ist sehr geschmackvoll eingerichtet. Ich drücke mich nach oben und gehe zum Tisch, an dem ein leckerer Obstkorb und einige andere Leckereien aufgetischt worden sind. In der Klinik habe ich in den letzten Wochen nur Schonkost bekommen und davor war ich ja auf Zuckerentzug. Umso mehr juckt es mich jetzt in den Fingern. Ich entdecke sogar eine Kaffeemaschine. Schnell schalte ich diese an und bin voller Vorfreude! Salma spielt währenddessen mit dem Spielzeug auf den Boden. Kurz darauf zieht köstlicher Kaffeegeruch durchs Zimmer. Ich nehme mir die Tasse und setze mich vorsichtig an den Tisch. Dazu suche ich mir einen der wunderschön gestalteten Kekse mit verschiedenen medizinischen Mustern darauf aus und genieße beides sehr. Das ist ja fast wie ein Kurzurlaub. Danach stelle ich die Tasse auf die Anrichte und wende mich Salma zu.

"Soll ich dir ein Buch vorlesen?", frage ich sie und lächle sie an. Sie schüttelt den Kopf und grinst zurück. Dann springt sie auf und geht in den Nebenraum. Ich höre es rumpeln und hoffe, dass nichts passiert ist. "Salma? Alles okay?", rufe ich zu ihr.

"Jaaa! Alles gut!", sagt sie. Ich höre kleine Schritte, dann betritt sie wieder den Bereich der Suite. Ich muss mir ein Lachen verbeißen, als ich sie sehe. Sie hat eines der weißen Hemden der Herren angezogen, dazu hat sie versucht ihre Haare in einen strengen Pferdeschwanz zu binden und in der Hand hält sie eine Miniaturausgabe einer Arzttasche. "Würdest du dich bitte aufs Bett legen? Ich muss dich jetzt untersuchen!", kündigt sie an. Ihr Blick ist dabei streng und unnachgiebig. Woher sie diesen wohl hat? Da klopft es an der Tür. Puh gerettet!

"Herein!", ruft Salma. Timon streckt den Kopf durch die Tür. Das ist ja eine Überraschung.  Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass er auch da sein wird. Auch er unterdrückt ein Lächeln, als er Salma sieht.

"Hallo Timon. Gut dass du kommst! Ich könnte Hilfe gebrauchen!", sagt Salma mit wichtigem Tonfall. Timon hat fast die gleiche Tasche in der Hand.

"Na dann. Vielleicht kann ich Ihnen assistieren, Dr. Salma?", fragt er nun und zwinkert mir zu.

"Auf jeden Fall!", sagt sie und deutet ungeduldig auf das Bett. Ich seufze und stehe vorsichtig auf. Langsam gehe ich zum Bett und lege mich hin, während Salma und Timon sich die Hände waschen.

"Wir starten mit dem Abhören!", sagt Salma und öffnet ihre Tasche. Sie holt ein Stethoskop heraus und klettert zu mir aufs Bett. Mit wichtigem Gesichtsausdruck steckt sie sich die Oliven in die Ohren und schiebt den Kopf des Stethoskops unter mein Oberteil. Sie hört konzentriert.

"Und was hören wir?", fragt Timon warm.

"Einen schönen Herzschlag!", sagt Salma und legt zufrieden nickend das Stethoskop um ihrem Hals. Sie hat da anscheinend in meiner Zeit in der Klinik einige Skills dazu gelernt. "Gibst du mir mal das Blutdruckdingsgerät!", wird Timon aufgefordert. Mit einem Lächeln reicht er es ihr. Sie schiebt etwas umständlich mein Oberteil zur Seite und befestigt die Manschette. Das Gerät ist etwas kleiner als ein Übliches. "Kannst du hören Timon? Pumpen und hören kann ich nicht zusammen!", delegiert sie die Aufgaben. Timon lächelt ihr zu und holt sein Stethoskop aus der Tasche. Kurze Zeit später messen die beiden konzentriert meinen Blutdruck. Es ist ein schönes Bild.

"Der ist noch etwas niedrig!", sagt Timon. "Pass bitte auf bei schnellen Lagerungswechseln und achte darauf viel zu trinken!"

"Genau!", pflichtet Dr. Salma ihm zu. Ich nicke. "Gut. Dann Fieber messen!", kündigt Salma an. Sie zieht das Ohrthermometer heraus, drückt mir ihren kleinen warmen Händchen meinen Kopf zur Seite und führt das Gerät vorsichtig in mein Ohr ein. Ich halte ganz still. "Es ist grün! Also kein Fieber! Prima!", sagt sie. "Du bist wieder ganz gesund!" Ich lächle ihr zu und rapple mich auf.

"Vielen Dank für Ihren Hausbesuch, Dr. Salma!", sage ich und lächle ihr zu.

"Gern geschehen!", sagt sie pflichtbewusst und packt ihre Sachen wieder ein.

"Dr. Salma, würden Sie mir noch kurz beim Begutachten der Operationsnarbe helfen?", fragt Timon und zieht Handschuhe an.

"Natürlich!", sagt diese und grinst mir zu. Sie holt aus ihrer Tasche nun ebenfalls Handschuhe. Timon schiebt mein Oberteil etwas nach oben und den Bund meiner bequemen Hose nach unten. Dann händigt er Salma ein Spray aus und weißt sie dazu an, damit das Pflaster zu lösen. Sie tut dies mit großem Pflichtbewusstsein. Vorsichtig zieht er dann das Pflaster beiseite.

"Das sieht soweit ganz gut aus. Die Fäden beginnen sich zu lösen! Entzündung ist keine zu sehen!", sagt er und tastet sanft um die Narbe herum. Hast du sonst noch Beschwerden?"

"Es zwickt und zieht manchmal und ich fühle mich eben noch ein bisschen schwach!", erkläre ich.

"Ja. Das kann sich auch noch eine Weile ziehen, Ina. Da musst du geduldig sein! Die Wunde ist zu, die Narbe sieht gut aus, so dass du auch beruhigt wieder baden kannst! Danach die Narben vorsichtig mit einer Kompresse abtupfen. Ich lege dir welche ins Badezimmer.

"Oh das klingt gut!", sage ich und freue mich schon darauf heute Abend, wenn Salma schläft und die Herren bei ihrer Abendveranstaltung sind, in Ruhe ein Vollbad zu nehmen.

"Prima. Möchtest du noch ein Pflaster haben, als Schutz vor der Hose?", fragt er freundlich.

"Ich möchte es erstmal ohne probieren. Könntest du mir auch eines dalassen?", frage ich Timon.

"Klar!" Er legt mir einen kleinen Stapel auf den Nachttisch. Dann zieht er sich die Handschuhe aus und wäscht erneut seine Hände.  Ich bleibe auf dem Bett liegen - es ist einfach himmlisch bequem.

"Dann vielen Dank für die tolle Zusammenarbeit, Dr. Salma!", sagt Timon und lächelt mir nochmal zu.

"Der Spaß ist ganz meinerseits!", gibt sie zurück und schließt die Tür hinter ihm. Dann kuschelt sie sich zu mir aufs Bett und schmiegt sich an mich. Ich genieße die Wärme und den Duft den dieses besondere Mädchen ausstrahlt und schließe, gemeinsam mit ihr, die Augen. Ein kleines Nickerchen kann nie schaden!

Cinderella in ChucksGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt