Kapitel 90

1.4K 73 2
                                        

Mein Herz schlägt etwas schneller. Irgendwie verändert sich Jakobs Ausstrahlung, wenn er hier in seinem Wirkungsfeld ist. Und ich weiß noch nicht so richtig ob mir das total gefällt, oder ob ich wegrennen will. Oder eine Mischung aus beidem? Jakob sieht mich nachdenklich an und scheint zu versuchen, mich zu lesen. Schließlich ergreift er das Wort.

"Wie fühlst du dich?" Hm. Ganz schön medizinisch. Aber was habe ich auch anders erwartet? Er will sich nur ein Bild davon machen, wie es mir geht damit ich morgen (hoffentlich) wieder arbeiten kann.

"Gut!", sage ich im Brustton der Überzeugung.

"Prima!", Jakob lächelt mich väterlich an, während ich am Liebsten blank ziehen würde, um ihm meine Unterwäsche zu zeigen. "Wir werden dir gleich noch Blut abnehmen, um deine Werte zu checken. Hoffentlich haben sich diese durch die Supplemente verbessert. Wenn nicht werden wir durch Infusionen nachhelfen!", sagt er mit ruhigem Blick. Ich tue mir schwer damit, nicht die Augen zu verdrehen. "Dann schauen wir auf die Wunde an der Stirn und auch deinen Bauch möchte sich Christian gerne noch einmal ansehen. Wenn soweit alles in Ordnung ist, kannst du morgen mit begrenzter Stundenanzahl beginnen zu arbeiten!" Na toll. Und ich habe schon auch darauf gehofft, dass Jakob Hand anlegt. Irgendwie fühle ich mich ein bisschen um mein Kopfkino betrogen. Jakob lächelt mich süffisant an. Er scheint meine Gedanken genau zu lesen und sich daran zu weiden. Mistkerl. Da klopft es auch schon an der Tür. Christian betritt das Zimmer. Auch ihm steht das Stethoskop um den Hals außerordentlich gut. Er lächelt mir zu und klopft dann auf die Liege.

"Dann schauen wir doch mal!", sagt er ruhig und stellt sich vor mich. Sanft tastet er meinen Kopf ab, während mein Blick immer wieder zu Jakob schwankt. "Die Schwellung ist stark zurückgegangen. Ich schaue mal unters Pflaster von deiner Kopfwunde!" Nachdem er Handschuhe angezogen hat, entfernt er das Pflaster. Es ziept fast gar nicht.

"Na da hat Primus ja ganze Arbeit geleistet!", sagt er und lächelt mir zu. Ich wittere meine Chance.

"Du Christian? Hast du mir eigentlich die Handynummer von Blanche? Salma hat sich doch so gut mit ihr verstanden und vielleicht können die beiden sich mal eine Sprachi oder so schicken!", sage ich unschuldig.

"Eine was?", fragt Christian irritiert. Ich kann nun nicht anders und verdrehe wirklich die Augen. Christian nimmt dies zur Kenntnis und wendet sich an Jakob. "Mach noch einen Strich dazu auf der Liste!" Mein Mund wird trocken. Wie viele sich da wohl schon tummeln? "Also was willst du und Salma Blanche schicken?"

"Eine Sprachnachricht. Noch kann Salma ja schließlich nicht schreiben!"

"Ach so. Dann rede doch Deutsch mit mir!", rügt Christian und klebt ein frisches Pflaster über die Stelle. "Das passt soweit! Aber nach wie vor trocken halten!", sagt er mit einem strengen Blick. "Ich sende dir nachher den Kontakt. Blut nehmen wir erst morgen früh nüchtern ab. Und einen Urin will ich da auch gleich haben!", kündigt er an. Ich muss meine Augenmotorik schon sehr unter Kontrolle halten. 

Cinderella in ChucksGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt