Einen wunderschönen märchenhaften Guten Morgen wünsche ich dir!
Ich bin so in meiner Gedankenspirale gefangen, dass ich gar nicht merke, wie Jakob das Zimmer verlässt.
"Na komm, Ina!", sagt Justus einfühlsam und dirigiert mich zur Umkleide. Ich folge wie ferngesteuert. "Mit der Infektion ist nicht zu spaßen und Jakob ist wirklich vorsichtig. Die Patientinnen lieben ihn!", beginnt auch er zu schwärmen. Er zeigt auf das zusammengefaltete Patientinnenkleid. "Ich lasse dir etwas Privatsphäre!", kündigt er an. Ich seufze kurz und versuche die Anspannung loszulassen. Langsam entkleide ich mich und schlüpfe in das Kleid. Meinen Slip lasse ich allerdings an. Es ist eine kleine, aber doch wichtige Barriere! Langsam trete ich wieder hervor und betrachte Justus, wie er die verschiedenen Geräte vorbereitet. Bei dem Anblick der blitzenden, metallischen Instrumente, brennt bei mir eine Sicherung durch. Meine nackten Füße sind wie auf Autopilot und rennen aus dem Zimmer. Ich nehme nur das satte Klatschen meiner Füße auf dem Holzboden und meinen gehetzten Atem wahr. Gott sei Dank ist kein normaler Klinikbetrieb! Im Affekt führt mich mein Weg nach draußen in den Park. Erst hinter einem liebevoll angelegten Rosenbogen komme ich zum Stehen. Ich lasse mich auf einer weißen, verschnörkelten Bank nieder. Ich winkle meine Knie an und lasse meinen Kopf darauf sinken. Mein Hals brennt, mein Herz rast und mein Kopf brummt. Es ist mir, als würde sich eine warme, etwas faltige Hand, auf meine Schulter legen. Ich gebe mich einfach dieser Illusion hin und werde etwas ruhiger. Mein Atem geht weniger gehetzt. Ich höre Schritte durch den Kies kommen, das warme Gefühl auf meiner Schulter verstärkt sich für einen Augenblick, bevor es wieder verschwindet. Ich schaue auf und sehe Jakob, wie er auf mich zukommt. Soll ich jetzt nochmal wegrennen? Bringt das etwas? Ruhig schaut er zu mir und setzt sich mit etwas Abstand neben mich. Ich warte darauf, dass er etwas sagt, doch es kommt nichts! Unruhig rutsche ich hin und her und fühle mich einerseits seltsam nackt aber auch bekleidet mit dem Untersuchungskleid. Schließlich setze ich an zu sprechen. Auch wenn die Worte noch nicht so richtig in meinem Kopf vorformuliert worden sind.
"Ich. Also ich habe Angst!", sage ich leise. Dabei spüre ich erneut einen warmen Druck auf der Schulter. Ich lächle gefühlt ins Leere. Es ist schön Ruths Präsenz zu spüren.
"Das war ihr Lieblingsplatz!", gibt Jakob zurück. "Sie hat die Ruhe so geliebt. Immer wenn sie etwas ausgefressen hatte und Mama böse mit ihr war ist sie hierher geflohen!" Er schaut mich nun direkt an.
"Ich bin noch Jungfrau!", flüstere ich leise.
"Timeas war ihr erster Freund. Sie wollte so sehr, dass ich ihr die Pille verschreibe und ich habe mich geweigert!", sagt Jakob leise.
"Warum bist du so gemein zu mir?" Auch wenn wir gerade über zwei verschiedene Dinge sprechen ist es doch so, als würden wir uns das erste Mal auf Augenhöhe begegnen.
"Ich habe mir geschworen, nie wieder eine Frau im Stich zu lassen! Ich bin ein guter Gynäkologe! Meine Patientinnen kommen gerne zu mir, auch wenn in mir drin alles kalt und abgestorben ist.
"Was kann ich tun, damit du mich auch so behandelst?", frage ich nun direkt.
"Du bist nicht so wie die anderen Patientinnen. Bei dir fühle ich mich lebendig! Und das ist gefährlich! Was, wenn ich wieder eine falsche Entscheidung treffe? Du kommst mir zu nahe, Ina!", sagt er laut und rauft sich die Haare. Erstaunt und etwas geschockt schaue ich diesen sonst so beherrschten Mann an. Was da durch diese Maske schimmert, ist so ganz anders, als das Bild von dem kalten, abweisenden Mann, das ich bisher von ihm habe.
In gemeinsamen Schweigen verharren wir auf der Bank. Mir wird langsam kalt. Trotzdem bleibe ich sitzen - unsere Seelen sind im stummen Austausch.
DU LIEST GERADE
Cinderella in Chucks
RomanceDiese Geschichte steht für sich alleine und hat (bisher) keinen Querbezug zu meinen anderen Geschichten. Ina ist frisch gebackene Erzieherin und hat gerade ihre Abschlussfeier überstanden. Wenige Tage später erhält sie eine rätselhafte E-mail der Ge...
