Kapitel 101

2.8K 66 4
                                        

Das Essen zieht und zieht sich. Endlich wird das Dessert aufgetragen. Ich atme auf. Blanche sitzt zwar neben mir, jedoch scheint sie nur Augen für Sebastian zu haben. Das freut mich sehr. Ich hoffe wirklich, dass die beiden die Möglichkeit finden werden, sich Öfters zu sehen. Allerdings sehe ich auch die Mienen von Secundo und Primus, diese scheinen gar nicht davon angetan zu sein. Dabei kann ihnen doch eigentlich gar nichts besseres als Sebastian passieren! Aber das ist ihnen wohl noch nicht bewusst. Vielleicht bin ich ja eines Tages mutig genug, um es den beiden ins Gesicht zu sagen.
"Blanche? Bringst du mich heute ins Bett?", fragt eine schon ziemlich müde aussehende Salma. Ich lächle ihr zu, bevor ich dazu ansetze ihr zu entgegnen. Jedoch werde ich von Secundo unterbrochen.
"Das halte ich für eine ganz hervorragende Idee!", sagt er und nickt Blanche zu. Man sieht, wie Blanche mit sich kämpft. Dann nickt sie und senkt die Augen.
"Du musst das nicht machen, Blanche!", flüstere ich zu.
"Doch! Es ist wahrscheinlich sogar besser so!" Sie lächelt mir zu und reicht Salma die Hand. Diese nimmt sie strahlend entgegen. Ich schaue den beiden hinterher, wie sie gemeinsam aus dem Esszimmer gehen. Mir wird bewusst, dass ich jetzt keine weibliche, vertraute Person mehr bei mir am Tisch habe. Die anderen Frauen sehen zwar auch nett aus, aber ich habe zu ihnen jetzt keine persönliche Beziehung. Ich schaue zu Jakob auf, der aufsteht und mit einem Dessertlöffelchen gegen sein leeres Glas klopft. Sofort verstummt das Stimmengewirr und mir wird abwechselnd heiß und kalt. Mir wird bewusst, dass ich nun nicht mehr als Kindermädchen, sondern als  Frau an Jakobs Seite hier bin.
"Ich danke euch für eure Gesellschaft beim Dinner. Die Räume sind nun geöffnet. Ich habe mir erlaubt den roten Raum für mich selbst zu reservieren. Genießt die Zeit!" Er wirft einen intensiven Blick in die Runde, dann reicht er mir die Hand und zieht mich nach oben. "Bereit?" Er sieht mich fragend an. Mein Herz schlägt bis zum Hals.
"Bereit!", gebe ich zurück. Sanft aber bestimmt legt er mir eine Hand in den unteren Rücken und schiebt mich vorwärts. Gehen wir jetzt in den Folterkeller? Jakobs Hand fühlt sich warm und vertraut an. Der Park ist wieder erleuchtet. Warmes Licht scheint vom Keller nach oben. Es ist so, wie das letzte Mal. Ich schlucke trocken und meine Herzfrequenz legt nochmal einen Zahn zu. Jetzt bloß nicht ohnmächtig werden! Das wäre so peinlich. Langsam und mit Bedacht führt Jakob mich die Stufen herunter. Ich vernehme eine leise Melodie, die ich nur allzu gut kenne. Rosalie! Sie will mir wohl Mut machen? "Hörst du das auch?", frage ich Jakob leise. Er lächelt mir zu und schüttelt den Kopf. Die prägnantesten Teile des Lieds wiederholen sich mantraartig in meinem Kopf und machen mich tatsächlich ruhiger. Wir laufen an dem hell erleuchteten Keller vorbei. Hui! Anscheinend wird es doch nicht soo schlimm.

Cinderella in ChucksGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt