Kapitel 108

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Einige Monate später

Es ist Herbst geworden auf Schwannstett und heute ist der große Tag der Tage: Meine Hochzeit. Die letzten Wochen hatten es in sich. Mit kleinen Hochzeiten haben es die Von Schwannstetts nicht so. Aber nun noch einmal kurz zurück zum Tag meiner Verlobung.

Als Jakob und ich am nächsten Morgen aus dem roten Zimmer kamen und uns zum Frühstück mit den restlichen Gästen trafen wurde mein Ring natürlich gleich bemerkt. Die ehrliche Freude seiner Brüder tat so unendlich gut! Wieder stiegen mir die Tränen in die Augen. Ich hatte endlich eine Familie! Blanche umarmte mich herzlich und Salma sprang auf und ab vor Freude. Ihre erste Frage war natürlich, ob sie Blumenmädchen sein durfte. Natürlich! Kurz darauf begannen die Planungen. Auf einmal sollte ich so Dinge entscheiden wie das Farbkonzept, Motto und Co. Glücklicherweise hatte Susi mega Spaß an diesem ganzen Kram und so konnte ich das abgeben und ihr - mit ein paar Einschränkungen freie Hand erteilen.

Und nun stand ich hier an diesem Brunnen. In wenigen Stunden sollte die festliche Trauung stattfinden. Ich sollte mich eigentlich dringend in meinem Apartment, welches ich so gut wie nicht mehr nutzte, einfinden um mich dort in eine Braut zu verwandeln. Susi und ein ganzes Team standen bereit. Bin ich davor geflohen? Vielleicht! Mein Brautkleid, für welches ich mich nach viel hin- und her entschieden habe, hing frisch gesteamt auf einem Bügel. Mein Make up wurde mehr als einmal vorher ausprobiert und auch wie meine Haare hochgesteckt werden würden, stand schon eine Weile fest. Ich würde wunderschön aussehen! Aber war das wirklich ich? Irgendwie zweifelte ich gerade das ganze Brimborium an. Brauchte ich diese riesige Bühne? Ich wollte doch nur mit Jakob glücklich sein. Ich ließ mich auf die Bank sinken. Das Wasser plätscherte leise vor sich hin. Gerade jetzt, wo ich die Präsenz von Ruth und Rosalie brauchen könnte, waren sie nicht da. Ich schlug die Hände vor die Augen und spürte, wie Tränen und Wut in mir aufstiegen. Jetzt hatte ich doch alles, was ich wollte! Eine Familie, einen Beruf der mich glücklich machte und ich musste mir keine Sorgen um nichts mehr machen. Ich ließ meinen Tränen freien Lauf, bis ich eine sanfte Hand auf meiner Schulter spürte. Das war keiner von den Herren! Ich schaute nach oben und entdeckte Blanche - ich hatte sie als meine Trauzeugin auserkoren. Es war aber bis zuletzt nicht klar, ob sie tatsächlich kommen konnte. Da keiner ihrer Brüder Zeit hatte. Umso froher war ich, dass sie nun wirklich vor mir stand. Sie trug ein wunderschönes gelbes Kleid und hatte die Haare in einer kunstvoller Hochsteckflechtfrisur gebändigt. Sie trat neben mich und nahm mich fest in den Arm.

"Das macht Angst, nicht wahr?"

"Ja! So richtig!", schniefte ich.

"Aber das ist nicht alles?", fragte sie freundlich.

"Ich, ich fühle mich so verkleidet. Das bin nicht ich. Und jetzt muss ich da hoch und das fühlt sich nicht nach mir an, verstehst du?"

"Das glaube ich dir. Ich gebe kurz den Mädels oben Bescheid und dann machen wir diese Hochzeit zu deiner Party, okay?", sagte Blanche und lächelte. Ich schaute sie irritiert an. Blanche warf ihren Kopf in den Nacken und klatschte 3 Mal in die Hände. Sofort hörte ich die altbekannte Melodie und nahm das Glitzern im Wasser wahr. Sie waren hier! "Na also! Und jetzt gebt alles, Mädels!", sagte Blanche streng. Sie klatschte erneut in die Hände. Erst tat sich gar nichts, dann hörte ich ein Rauschen. Um mich herum flirrte und schwirrte es. Mir wurde es schwindelig und auch kurz schwarz vor Augen. Ich bekam es mit der Angst zu tun. Ich konnte doch an meinem Hochzeitstag doch jetzt nicht einfach kollabieren. Nicht mit so vielen Medizinern um mich herum! Ich hörte es erneut drei Mal klatschen und sah wieder klar. Blanche stand vor mir und lächelte zufrieden.

"Sehr gut!", sagte sie. Jetzt siehst du wie Ina aus und nicht wie die zukünftige Frau von Jakob von Schwannstett!" Ich schaute an mir herunter. Ich trug ein Kleid, welches mir vage bekannt vorkam. Es war zwar bodenlang, aber raffiniert in einer A - Linie geschnitten. Ich konnte darin atmen, mich bewegen und tanzen. Meine Schultern lagen frei, meine schmale Taille wurde betont, bevor das Kleid locker zu Boden fiel. Blanche zückte ihr Handy und machte ein Bild von mir. Mit einem Lächeln zeigte sie es mir. Ich hatte ein Blumenkränzchen mit zarten blauen Blümchen in den gewellten und teils geflochtenen Haaren. Ein zartes Make - up verzierte mein Gesicht und das Kleid war wirklich wie für mich gemacht. Blanche betrachtete mich andächtig. "Ich glaube, dass ist eine geänderte Version von Rosalies Kleid, welches sie durch ihren plötzlichen Tod nie tragen konnte...", sagte Blanche leise. Nun fiel es mir wieder wie Schuppen von den Augen. Ein verwackeltes Foto von Rosalie in einem ganz ähnlichen Kleid stand in Jakobs Zimmer in einem Bilderrahmen. Ich betrachte erneut das Foto. Und ja! Das war ich! Ich strahlte Blanche an, die fröhlich zurück lächelte.

"Also. Ich würde sagen, du bist fast komplett. Du hast etwas Altes, etwas Blaues und etwas Geliehenes. Nun fehlt noch etwas Neues!" Sie holte einen kleinen Karton hervor und reichte sie mir. Ich öffnete diesen und lachte laut. Es waren nagelneue, blitzweiße Chucks! Blanche lächelte mir zu.

"Hilfst du mir beim Anziehen?", fragte ich. Blanche ließ sich zu Boden sinken und kurz darauf trug ich meine Brautschuhe der besonderen Art gut versteckt unter meinem Kleid.

"Können wir?", fragte Blanche und reichte mir die Hand.

"Wir können!", gab ich zurück. Gemeinsam liefen wir zu der Kapelle auf dem Gelände, wo sich die Gäste, die bei der Trauung dabei waren, schon eingefunden hatten. Meine Hände schwitzten, als Blanche mir den Brautstrauß reichte.

"Bereit?", fragte Blanche.

"Bereit!", sagte ich im Brustton der Überzeugung. Ich würde das Ding jetzt rocken! Ich hörte, wie die ersten Klänge der Orgel ertönten. Jedoch nicht mit dem klassischen Lied, welches wir ausgesucht haben, sondern mit einer sehr rockigen Version von Rosalies Lied. Ich grinste und schaute in den Himmel. Es war an der Zeit ein Stoßgebet an all die Menschen da oben zu schicken, die mich auf meinem Weg bis hierhin begleitet und beschützt hatten. Dann ging ich meinen ersten Schritt in ein neues Leben. Möge all der Zauber und die Magie nie zuende gehen,

Ende

Cinderella in ChucksGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt