Der Vormittag zieht sich sehr zäh in die Länge. Salma hat nicht so wirklich Lust etwas zu spielen, aber auch beim Buch vorlesen schweift sie ständig ab. Schließlich schläft sie auf meinem Schoß ein. Nervös fühle ich ihre Stirn, zum Glück ist diese kühl. Ich habe ein bisschen Respekt davor, was passiert, wenn Salma in meiner Obhut krank wird. Ich beschließe, auf jeden Fall, den Arbeitsvertrag nochmal intensiv durchzulesen.
Kurz bevor es zum Mittagessen läutet, wecke ich Salma wieder auf. Sie jammert leise und möchte gar nicht richtig aufwachen. Verdammt! Ich überlege hin und her. Dann beschließe ich jedoch, den Herren Bescheid zu geben. Allerdings glaube ich wirklich nicht, dass das von heute Morgen kommt. So schnell kann das doch nicht gehen! Ich schnappe mir mein Diensthandy und wähle die eingespeicherte Nummer der Praxisklinik. Eine angenehm männliche Stimme erwartet mich am Telefon. Wie diese männliche Sprechstundenhilfe wohl aussieht? Ich schildere kurz die Situation und er versichert mir, dass er gleich jemanden schicken wird. Salma ist wieder eingeschlafen, ich breite die Decke über sie und fühle ihre Stirn. Nun ist sie doch ganz schön warm.
Es klopft an der Tür. Sebastian steht in der Tür. Leise betritt er das Zimmer und setzt sich neben sie.
„Sie war den Vormittag etwas schlapp. Jetzt nach dem Schlafen ist sie warm und sie möchte gar nicht mehr wachwerden!", erkläre ich.
„Alles gut. Ich kümmere mich! Geh nach unten zum Essen!", verweist er mich förmlich des Raumes. Wie ein geprügelter Hund verlasse ich das Zimmer.
Appetit habe ich nun überhaupt keinen mehr. Ich mache mir Sorgen. Hätte ich doch schon früher reagieren müssen? Ich atme etwas auf, als ich sehe, dass nur Christian am Tisch sitzt. Er lächelt mir kurz zu.
„Jakob hat noch einen Notfall und kommt daher später. Setz dich!", sagt er im leisen Kommandoton. Er tut sich etwas von dem Eintopf auf und nimmt sich etwas Brot. Ich lasse mich ihm gegenüber sinken und starre vor mich hin.
„Brütest du etwa auch etwas aus?" Sein Blick durchbohrt mich förmlich.
„Nein!", gebe ich bockig zurück. „Habt ihr nicht genug Patientinnen den Tag über!" Christian zieht leise die Luft durch die Zähne.
„Und wieder einen Punkt auf der Liste!", murmelt er leise vor sich hin.
„Was?"
„Nichts! Iss jetzt!" Ich verdrehe die Augen.
„Mahlzeit!", höre ich da mit einer dunklen Stimme hinter mir. Sebastian betritt den Raum. Ein Schauer überläuft meinen ganzen Körper. Ich spüre seine Präsenz tatsächlich körperlich. Er lässt sich neben mich auf den Stuhl sinken.
„Wie geht es ihr?", fragt Christian.
„Ein grippaler Infekt. Sie hat etwas gegen das Fieber bekommen. Ihr wird es bestimmt bald besser gehen!", gibt er zurück und nimmt sich dann auch zu essen.
„Das ist gut zu hören!", sage ich erleichtert.
„Keine Sorge, das hat Salma bestimmt schon vorher gehabt! Der kleine Ausflug heute morgen hat das nicht begünstigt", nimmt mir Sebastian etwas die Sorge.
Widerwillig nehme ich einen kleinen Schöpflöffel des Eintopfes, der zugegebenermaßen wirklich sehr lecker duftet. Erst langsam, dann mit etwas mehr Enthusiasmus, leere ich meinen Teller.
DU LIEST GERADE
Cinderella in Chucks
RomansaDiese Geschichte steht für sich alleine und hat (bisher) keinen Querbezug zu meinen anderen Geschichten. Ina ist frisch gebackene Erzieherin und hat gerade ihre Abschlussfeier überstanden. Wenige Tage später erhält sie eine rätselhafte E-mail der Ge...
