Ich spüre, wie die Müdigkeit überhand nimmt und damit auch die Lust, zu diskutieren.
"Können wir das nicht einfach morgen besprechen?"
"Nein!", gibt er entschieden zurück. "Streptokokken übertragen sich durch Schmierinfektionen, wie Sie ja sicher wissen. "Ich finde es, schon im Sinne der Hausgemeinschaft, nur fair, wenn Sie jetzt zeitnah das Antibiotikum einnehmen könnten. Die Darreichungsform ist mir völlig egal!", sagt er mühsam beherrscht. Na toll. Jetzt kommt er mir mit der Moralkeule. Ich könnte kotzen!
"Gibt es keine Alternative?", frage ich ein letztes Mal.
"Natürlich gibt es Alternativen. Die Frage ist nur, warum Sie sich gegen das, was am Zügigsten und Besten wirkt, so sträuben?!" Soll ich ihm jetzt wirklich auf die Nase binden, dass ich davon in den letztem Jahren ausnahmslos eine Infektion an einer Stelle bekommen habe, wo die Sonne nicht hinscheint? "Ich erwarte eine Antwort!", schiebt er nach.
"Weil ich mit den Nebenwirkungen nicht klarkommen!", sage ich schließlich und schließe die Augen. Ich bin einfach nur fix und fertig. Anscheinend geht ihm ein Licht auf und er sieht mich etwas freundlicher an.
"Mein Fachgebiet?", fragt er leise. Ich nicke erschöpft. "Dagegen kann man ja etwas tun!", führt er aus.
"Ach ja? Und was?", flüstere ich nur noch.
"Lassen Sie das mal meine Sorge sein! Ich kümmere mich darum. Möchten Sie lieber einmalig eine Injektion oder Tabletten als Antibiotikum?"
"Bääh - Saft?", frage ich ironisch - hoffnungsvoll. Ein kurzes Lächeln überzieht sein Gesicht und ändert damit seine ganze Mimik. Ich versuche den Gedanken, um was er sich da genau kümmern möchte, ganz weit fortzuschieben.
"Da müssten Sie schon mehr als eine Flasche von trinken!", erklärt er.
"Dann Tabletten!", sage ich entschieden.
"Das habe ich mir schon fast gedacht!", sagt er und holt eine kleine Schachtel heraus. Er öffnet das Blister und drückt eine Tablette aus der Verpackung. In meiner kleinen Küchenzeile holt er ein Glas aus dem Schrank und lässt kaltes Wasser in ein Glas laufen. Schließlich reicht er mir beides und wartet ab, bis ich die Tablette genommen habe. Ich verziehe das Gesicht beim Schlucken. Jakob betrachtet mich genau. "Darf ich?", fragt er leise und legt seine Hände an meinen Hals. Ich schlucke trocken und nicke schließlich. Das fühlt sich so gut und vertraut an -obwohl das doch gar nicht sein kann. Sanft tastet er erneut die Lymphknoten. "Das fühlt sich so an, als wäre es ziemlich schmerzhaft. Mögen Sie Eis?", fragt er schließlich und dirigiert mich im Bett zurück in eine liegende Position.
"Wer mag kein Eis, krächze ich!" Jakob grinst für einen Moment spitzbübisch.
"Ich bin gleich wieder da!" Damit steht er auf, packt sorgfältig seine Tasche und verschwindet aus dem Zimmer. Mein Blick schweift zur Uhr. Es ist mittlerweile fast 4 Uhr morgens. Kurze Zeit später betritt er erneut das Zimmer. Er setzt sich auf mein Bett. "Mund auf!", kommandiert er leise.
"Ich kann selbst essen!", sage ich etwas motzig. Er verdreht nur die Augen. "Es scheint fast so, als würde mein Einfluss auf noch mehr Menschen in diesem Haushalt Auswirkungen haben!", sage ich leise lachend.
"Ich sehe schon. Das Schmerzmittel wirkt langsam!", sagt Jakob vielsagend und hält mir einen Löffel, mit köstlich aussehendem Eis an meine Lippen. Ich kann nicht anders als nachzugeben und lasse mich von diesem Mann füttern. Eine wahre Geschmacksexplosion durchdringt meinen Mund. Ich stöhne leise.
"Das ist echt gut!", entschuldige ich mich halbherzig.
"Schnabel auf!", kommt das erneute Kommando. Nach kurzer Zeit ist das Schälchen leer und meine Augen schwer. Ich lasse mich unter meine Decke sinken und fühle mich wohlig, entspannt. "Schlaf gut, Ina!", höre ich es leise neben mir. Dann ist es mir, als würden mich sanfte Lippen auf die Stirn küssen. Aber das war bestimmt nur ein Traum.
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Cinderella in Chucks
RomantikDiese Geschichte steht für sich alleine und hat (bisher) keinen Querbezug zu meinen anderen Geschichten. Ina ist frisch gebackene Erzieherin und hat gerade ihre Abschlussfeier überstanden. Wenige Tage später erhält sie eine rätselhafte E-mail der Ge...
