Kapitel 43

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Die Gedanken kreisen in meinem Kopf. Morgen muss ich also auf diesen verdammten Stuhl?! Ich meine ich war, pflichtschuldig, schon einmal bei einer Gynäkologin gewesen. Aber dadurch, dass ich bisher nicht den richtigen gefunden habe und daher auch noch nicht die sexuellen Erfahrungen gemacht habe, die vielleicht andere Mädels in meinem Alter haben, sah ich auch nicht so die Notwendigkeit - bisher! Und jetzt sollte ich auf diesen verdammten Stuhl vor Jakob die Beine breit machen? Mir wird es abwechselnd heiß und kalt! Ich drehe mich hin und her und versuche krampfhaft an etwas anderes zu denken. Doch ich kann nicht. Immer wieder tauchen Bilder in meinem Kopf auf, die da nicht hingehören und das schlimmste ist, dass diese in mir etwas auslösen, was mir einerseits ein Grummeln in der Magengrube beschehrt, andererseite aber durchaus auch den ein- oder anderen Schmetterling durch meinen Unterbauch jagen. Genervt strample ich meine Decke weg und setze mich auf.  Mein Blick fällt auf den Eimer mit der Farbe, die ich bestellt habe und den Utensilien wie Malerkrepp, eine Abdeckfolie, Walze und Gitter. Ich grinse in mich hinein. Kann ich das bringen? Aus purem Trotz würde ich schon sagen : Ja!  Ich hüpfe aus dem Bett und überlege, welche Kleidung ich nun am Besten dazu anziehen kann. Schließlich schnappe ich mir eine kurze Jeanshotpants und ein kurzes bauchfreies Oberteil. Umso weniger ich anhabe, umso besser. Ich schnappe mir das Malerkrepp und klebe den Bereich, den ich gerne haben möchte ab. Das habe ich schon öfters gemacht und geht daher schnell. Mein Blick fällt auf mein Fenster und damit den stimmungsvoll, beleuchteten Garten, den ich von hier aus sehen kann. Wunderschön gekleidete Menschen laufen dort umher. Die Männer tragen ausnahmslos Smoking, die Frauen sind ganz schön freizügig bekleidet. Die meisten tragen eine Art Korsage und einen Rock, andere haben einen fast durchsichtigen Catsuit an. Sie tragen ausnahmslos Masken. Fasziniert schaue ich den flanierenden Menschen zu. Es scheint eine gelöste Stimmung zu herrschen. Dies unterbreche ich, als mich ein Blick der Herren im Smoking trifft. Auch ohne, dass diese Person die Maske abnimmt weiß ich, wer daruntersteckt. Mit einer klaren Kopfbewegung verdeutlicht er mir, wo ich hingehöre. Pff. Ich lehne mich weit aus dem Fenster und schließe entschlossen die schweren, hölzernen Fensterläden. Was ihr könnt, kann ich schon lange!

Ich nehme noch einen großen Schluck Cola, bevor ich mich daran mache das Bett abzudecken und den Bodenschutz anzubringen. Daraufhin öffne ich den Farbtopf und beginne diesen umzurühren. Die Farbe sieht super aus. Genau so wie ich sie mir vorgestellt habe. Schließlich stelle ich das Gitter hinein und beginne mit der Rolle die erste Schicht aufzutragen. Es wird wohl mehr als eine benötigen. Allerdings spüre ich recht bald schon die Erschöpfung. Das anvisierte Ergebnis bringt mich jedoch dazu, durchzuhalten. Ein Klopfen an der Tür bringt mich dazu, fast die Rolle auf mein Bett fallen zu lassen.

"Ina? Dein Essen!", höre ich die Stimme der Köchin.

"Shit!",fluche ich leise. Ich meine ich mag sie, aber was, wenn sie petzt? Das gibt bestimmt Stress. "Ich ziehe mich gerade um. Stell es kurz in die Sitzgruppe. Ich hole es mir gleich!", gebe ich zurück.

"Ina?", höre ich ihren skeptischen Ton.

"Vielen Dank!", rufe ich hinterher. Dabei halte ich die Luft an. Nach einer kurzen Pause und einem weiteren Schluck Cola trage ich die zweite Schicht auf und bin einfach nur fix und fertig. Jetzt "nur" noch aufräumen. Wieder klopft es an der Tür. Warum können die mich nicht einfach alleine lassen? Allerdings wartet Justus, der nun mein Apartment betritt, nicht so wie die anderen ab, sondern kommt unaufgefordert an.

"What the fuck!", kommt es ungefiltert aus seinem Mund, als er sich ungläubig umschaut. "Shhhisch! Alter! Dein Ernst, Ina?", fragt er und fällt voll in die Jugendsprache zurück. Ich muss kurz lachen, allerdings kommen mir kurz darauf die Tränen vor Erschöpfung. "Hey! Nicht weinen! Ich habe nur gesehen, dass dein Essen vor der Tür gestanden hat!", sagt er und kniet sich zu mir.

"Ich habe keinen Hunger!", sage ich und ziehe die Nase hoch.

"Die werden dich umbringen, wenn sie das sehen, Ina!", sagt er und zeigt auf die Wand. "Also das sieht echt gut aus, aber trotzdem. Was hast du dir dabei gedacht?"

"Na ja. So oft kommen die hier ja nicht rein!", sage ich und winde mich unter seinem Blick.

"Du bist krank und die mögen dich. Die sind also eigentlich ständig hier. Die Herren haben da auch eigentlich nichts gegen. Aber du hast einfach fucking Bettruhe!", sagt er bestimmt.

"Ich weiß!", sage ich leise. "Ich räume jetzt auf und hoffe einfach, dass sie nichts davon merken!" Justus schaut mich vielsagend an.

"Mädel! Also die sind schon manchmal in ihrem ganz eigenen Kosmos, aber blind sind sie nicht! Einen Teufel wirst du tun. Du ziehst dir jetzt wieder etwas Bequemes an, isst und ich räume auf. Klar?"

"Salma?", frage ich leise. Er zeigt auf das Babyphone in seiner Hosentasche. "Okay. Wenn es für dich in Ordnung ist."

"Zieh ab,  jetzt!" Ich trolle mich ins Bad, werfe die vollgeklecksten Kleider in die Ecke, wasche mir kurz die Hände und schlüpfe wieder in bequeme Kleidung. Ich fühle mich einfach nur völlig fertig. Allerdings steht das Tablett mit dem Essen auf meinem kleinen Esstisch. Justus ist solange dabei, mein Chaos aufzuräumen. Er macht das mit einer Ruhe und Effizienz, die wirklich bewundernswert ist. Lustlos würge ich das gekochte Gemüse herunter und spüle mit Cola nach. Ich erkenne zu spät, dass Christian in der Tür steht. Im Affekt lasse ich die Colaflasche fallen.

"Was ist denn hier los?", fragt er und sieht mich sehr ernst an. Mein Herz fällt in die Hose und ich sehe mich schon unten in dem Folterkeller an dieses komische Kreuz gebunden.

"Ach. Mir war langweilig. Deshalb habe ich kurz dieses kleine Renovierungsprojekt durchgezogen!", sagt Justus. Christian sieht mich dabei ungläubig an.

"Das glaube ich jetzt nicht! Du sollst im Bett liegen!", sagt er. "Ich hätte es vorher nicht bei dem Klaps belassen sollen!", murmelt er vor sich hin. Justus sieht mich mit hochgezogenen Augenbrauen an und räumt den letzten Rest der Folie weg.

"So Bettchen wieder frei!", sagt er mit Leichtigkeit in der Stimme."Ich geh dann auch mal schlafen!"

"Gute Nacht!", sage ich leise und schaue ihm hinterher. Er hat mir wirklich den Hintern gerettet. Christian schaut mich nochmal kopfschüttelnd an.

"Die Frage ist wirklich wer von euch beiden ein Babyphone braucht du oder Salma!" Damit dreht auch er sich um und verlässt das Zimmer.

Cinderella in ChucksGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt