Frustriert wälze ich mich im Bett hin und her. Es ist einfach viel zu warm und ich bin viel zu wach. Außerdem schmerzt mein Unterbauch wieder. Hat Jakob da bei der Untersuchung vorher etwas kaputt gemacht? Oder vielleicht vertrage ich einfach diese blöden Zäpfchen nicht!
Genervt strample ich die Decke weg und gehe zum Fenster. Ich öffne es und setze mich auf die breite Fensterbank. Ein laues Lüftchen dringt herein. Der Mond steht hoch über der Parkanlage und beleuchtet alles in seinem unwirklichen Licht. Ich komme langsam zur Ruhe und höre intensiv auf die Geräusche der Nacht. Ich stocke. Was ist das? Ist das eine Melodie? Ich versuche noch genauer hinzuhören. Tatsächlich! Es ist ein sehr eingängiges, schönes Lied! So wie ein Schlaflied. Wo kommt das nur her? Ich stelle mich auf die Zehenspitzen im offenen Fenster und lache leise in mich hinein. Wenn mich so die Herren sehen könnten? Das würde den Anschiss meines Lebens geben! Die Melodie kommt mir, komischerweise, ein Stück weit bekannt vor. In mir beginnt es zu kribbeln. Ich muss wissen, woher die Musik kommt. Ich schlüpfe in meine Chucks und schleiche mich aus dem Zimmer. Glücklicherweise ist niemand mehr wach. Überall ist es dunkel. Mittlerweile kenne ich mich zum Glück so gut aus, dass ich den Weg nach Draußen im Schlaf finden könnte. Die gut geölte Tür der Terrasse, von der aus die Treppe in den Garten führt, schwingt leise auf. Ich schaue an der weißen Fassade der Villa auf. Es sieht im fahlen Mondlicht fast wie verzaubert aus. Ich lächle und laufe dann immer der Musik nach. Die Melodie führt mich in den Parkbereich der Klinik. Umso näher ich dem Brunnen komme, umso weniger Respekt habe ich. Die Lautstärke nimmt aber komischerweise nicht zu. Es ist eher so, als hätte ich die Melodie deutlicher im Ohr. Ich erreiche den Rosenbogen und setze mich auf die Bank. Das Wasser plätschert nach wie vor. Meine Atmung beruhigt sich. Die Melodie ist nun, da ich diesen schon irgendwie verzauberten Ort betreten habe, fast verstummt. Immer wieder dringt eine Note, wie von einem entfernten Glockenspiel, in mein Ohr. Ich knete meine Hände. Kann es wirklich sein, dass ich hier der Präsenz von Salmas Mutter näher bin, als sonst wo? Es unterscheidet sich von der mütterliche Präsenz von Ruth. Rosalies Präsenz ist irgendwie leichter, sanfter und jünger. Es beschäftigen mich so viele Fragen, die ich ihr gerne stellen möchte. Wie war es seine erste große Liebe zu verlieren? Wie waren die Herren als Kinder und Teenager? Und war Jakob schon immer so melancholisch und unnahbar wie jetzt? Ich stehe auf und trete zu dem Brunnen. Wieder lege ich meine Hände auf die Punkte. Ich schließe die Augen und spüre in mich.
"Lass ihm Zeit!", höre ich eine leise, angenehm, freundliche Stimme. "Eure Zeit wird kommen. Gib nicht auf, Ina!", sagt diese erneut. Das Wort "Ina" ist schon fast nicht mehr hörbar. Ich verbleibe noch so einen Moment. Ist das gerade wirklich passiert? Oder wurden mir nur zu viele Märchen als Kind vorgelesen? Ich trete zurück und schüttle den Kopf. Eine tiefe Müdigkeit überkommt mich nun. Am liebsten würde ich mich an Ort und Stelle zusammenrollen und schlafen. Müde schleppe ich mich zurück in die Villa. Gefühlt bin ich in dem Moment eingeschlafen, als mein Körper das Bett berührt.
DU LIEST GERADE
Cinderella in Chucks
RomantikDiese Geschichte steht für sich alleine und hat (bisher) keinen Querbezug zu meinen anderen Geschichten. Ina ist frisch gebackene Erzieherin und hat gerade ihre Abschlussfeier überstanden. Wenige Tage später erhält sie eine rätselhafte E-mail der Ge...
