Kapitel 66

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Aus Justus Perspektive

Ich bin wirklich froh, dass der Eingriff bei Ina so gut verlaufen ist und Ina einigermaßen stabil ist. Trotzdem bin ich so mäßig begeistert davon, heute während der Praxiszeiten Salma und die Rezeption zu schaukeln. Der Satansbraten ist auch nicht so einfach zufrieden zu stellen. Seufzend schließe ich die ersten Vorbereitungen der Tagesklinik ab, so dass der Betrieb erstmal laufen kann. So gut ich unser innerfamiliäres System ja finde, dass man vor dem eigenen Medizinstudium erstmal ein Jahr in einer der anderen familiären Kliniken in verschiedenen Bereichen arbeitet, fuckt es mich auch manchmal ganz schön ab. Kindermädchen stand nämlich echt nicht in der Jobbeschreibung. Aber gut. Für Ina mache ich es ja gerne! Ich mache mich auf die Suche nach Salma. Allerdings ist sie nicht, wie verabredet, in ihrem Zimmer. Unterdrückt fluchend laufe ich durch den Flügel. Ich schaue sogar kurz, ob sie in Inas Apartment ist. Doch auch dort ist sie nicht zu finden. Ich schaue für einen Moment aus dem Fenster und erhasche einen Blondschopf am Brunnen. Das hätte ich mir ja denken können. Rasch gehe ich hinaus, bevor es sich das Mädel wieder anders überlegt. Als ich durch den Rosenbogen laufe, höre ich ein Schluchzen, welches von Salmas leiser Stimme unterbrochen wird.

"Weißt du Mama, ich will".. "Will immer klein bleiben."... " Ich will nicht groß werden!" Ich überlege schnell zu ihr zu eilen. Aber etwas hält mich zurück. "Wenn ich groß werde!"... "Dann werde ich ein Mensch und dann bekomme ich natürlich die Menschuation! Und das tut der Ina weh!"..."Ich hab die Ina auch ganz schön lieb. Also nicht so wie dich. Aber trotzdem ganz schön und jetzt ist die Ina im Krankenhaus, wegen ihrer Menschuation!" Sie schluchzt leise und all mein Fluchen kommt mir plötzlich niederträchtig und gemein vor. Das Mädchen hat schon echt ein Päckchen zu tragen. "Sie musste sogar repariert werden! Und vielleicht kommt sie dann  nicht mehr zurück, so wie Oma und Du!", schluchzt Salma. Ich trete näher. Salmas schmalen Schultern zucken, die blonden Locken hängen ihr wirr darüber.  Das Wasser glitzert, obwohl die Sonne an diesem trüben Tag nicht scheint.  Sanft lege ich ihr die Hände auf die Schultern. Sie lächelt mir unter Tränen zu und schmiegt sich an mich.

"Kannst du sie auch sehen?", fragt Salma leise.

"Leider nein!", sage ich. "Aber ich habe das Gefühl, dass sie dir gerade sehr nahe ist!", gebe ich zurück und muss den Kloß im Hals schon ziemlich entschlossen herunterschlucken. "Salma? Du weißt ja, dass ich auch Arzt werden möchte, nicht wahr?"

"Ja Dr. Justus!", sagt sie und kichert unter Tränen.

"Frechdachs!", sage ich und pieke ihr in die Seite. "Also... darf ich die das mit der Menstruation noch einmal erklären? Ich habe gehört, dass du dir da Sorgen machst!"

"Ich bleibe einfach immer klein!", sagt Salma entschlossen.

"Das wäre natürlich auch eine Option. Nur zur Sicherheit möchte ich es dir aber trotzdem erklären, okay?"

"Na guuuut!", sagt sie schließlich.

"Also. Es stimmt schon, dass ein Mädchen, wenn es älter wird, seine Menstruation bekommt. Allerdings ist diese Menstruation auch ein Stück weit eine Superkraft!"

"So wie die Fäden von Spiderman?", fragt sie schließlich aufmerksam.

"Ja. So ähnlich. Mit der Menstruation oder auch der Regel ist eine Frau schließlich in der Lage ein Baby zu bekommen. Das heißt in jedem Monat wird im Bauch des Mädchens oder der Frau ein kleines Nest in eine Höhle - die Gebärmutter, gebaut, wo das Baby drin groß werden darf. Während dieser Zeit fühlt man sich am Anfang noch ein bisschen müde. Dann allerdings beginnst du dich richtig stark zu fühlen. Du hast Lust auf Abenteuer. In der nächsten Phase wird dann, wenn kein Baby es sich in der Höhle bequem gemacht hat, dann wird das Nest in der Höhle wieder aufgeräumt. Und ja, dass kann ein bisschen wehtun. Allerdings sind weder deine Mama noch deine Oma daran gestorben, noch ist das der Grund dafür, dass Ina im Krankenhaus ist."

"Sicher?" Zweifelnd sieht Salma mich an.

"Ganz sicher! Aber du kannst ja auch nochmal Jakob fragen. Der kennst sich damit richtig gut aus!"

"Stimmt. Der ist ja Frauenarzt hat er mir mal  erklärt. Passt er dann auch gut auf meine Ina auf?", fragt Salma und betrachtet genau meine Reaktion.

"Mit Sicherheit!", sage ich leise und nehme Salma fester in den Arm. Das Funkeln ist nicht mehr zu sehen.

"Jetzt ist sie weg!", sagt Salma und seufzt leise.

"Wollen wir reingehen und du hilfst mir wieder beim Stempeln?", frage ich. Salma grinst mich an und nickt.

"Tschüss Mama!", ruft sie freudig und hüpft dann voraus.

Cinderella in ChucksGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt