Kapitel 88

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Jakobs Atemzüge werden schnell regelmäßiger, während ich an die Decke schaue. Ich spüre Jakobs Körperwärme und es fühlt sich richtig und gut an. Trotzdem hallen seine Worte in mir nach - was soll ich nur tun? Wie soll ich mich entscheiden? Schließlich halte ich es nicht mehr im Bett aus und stehe auf. Ich trete an das Fenster. Das breite Fensterbrett ist mit einem Polster versehen. Leise öffne ich das Fenster und setze mich auf das Polster. Man hat am Tag einen wunderschönen Blick in den Garten. Langsam gewöhnen sich meine Augen an die Dunkelheit und ich erkenne schemenhaft den Brunnen. Das Plätschern dringt leise zu mir nach oben. Ich lächle in mich hinein. Wie würde sich Ruth wohl entscheiden? Ich habe nicht das Gefühl, dass ich sie gerade befragen kann. Schließlich geht es um ihren Sohn. Wollen Mütter über das Sexleben ihrer Kinder bescheid wissen? Vielleicht wäre Rosalie der richtige Ansprechpartner. Ich schließe die Augen und versuche mir ihr Bild vor Augen zu holen. Dabei denke ich intensiv an den Brunnen und das fließende Wasser. Währenddessen wiederhole ich meine Frage. Nach einer kleine Weile gebe ich gefrustet auf. Ich zucke zusammen, als mich warme Hände an meinen Schultern umfassen.

"Was ist los?", fragt mich Jakob, der wohl bemerkt hat, dass ich nicht mehr neben ihm liege.

"Sie antwortet nicht!", sage ich nach einem kurzem Stocken. Jakob lacht leise. Dann legt er eine dünne Decke um meine Schultern und setzt sich zu mir. Er trägt nur eine edle Boxershorts und wirkt in der fahlen Dunkelheit extrem männlich.

"Rosalie oder Mama?", fragt er schließlich.

"Rosalie!", gebe ich zerknirscht zurück.

"Sie hatte schon immer einen eigenen Willen. Ich meine, ich, Sebastian und Christian waren schon harte Nüsse, aber Rosalie hat das wirklich nochmal getoppt. Unsere Hauslehrerin ist an ihr verzweifelt. Ihre unbändige Energie hätte für drei gereicht. Manchmal denke ich..." Ich bemerke wie Jakob schluckt und nehme seine warme Hand in meine. "...dass sie zur falschen Zeit am falschen Ort geboren ist. Und das tröstet mich auch ein Stück weit, weil ich darauf hoffe, dass sie eines Tages wieder die Welt betreten wird. Auch wenn ich da sicher nicht mehr auf dieser Welt sein werde. " Ich drücke Jakobs Hand fest. Er atmet tief durch und gibt den Druck sanft zurück. Dann schaut er mich an. Ich rutsche auf ihn zu und kuschle mich an seinen warmen Körper. Es fühlt sich an, wie nach Hause kommen. An meinem Rücken nehme ich seinen stetigen Herzschlag wahr, der mich in den Schlaf begleitet. 

Cinderella in ChucksGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt