Ich lausche kurz an der Tür. Ich höre die Stimme unserer Köchin und Salmas Stimme. Ich lächle kurz in mich hinein, bevor ich anklopfe und dann das Zimmer betrete.
"Zum Glück bist du da!", sagt sie leise zu mir.
"Du hast du in der Küche Äpfel und Birnen?", frage ich sie. "Ich möchte gerne mit Salma Obstmus kochen. Sie schaut mich an, als wäre ich geistesgestört.
"Ja klar." Salma hängt wie ein kleines, müdes Äffchen an mir.
"Dann ziehen wir dir kurz was über und dann gehen wir mit nach unten, ja?" Salma nickt schwach. Es wird Zeit, dass ich ihr die Medikamente verabreiche. Dazu brauchen wir allerdings das Obstmus. Ich erinnere mich nur zu gut daran, wie widerlich dieser Antibiotikasaft schmeckt. Meine Mutter hat ihn daher in Obstmus geschmuggelt. Ich lächle kurz wehmütig bei dieser Erinnerung. Ich helfe Salma dabei, eine bequeme Hose und dicke Socken anzuziehen. Ich nehme sie dann wieder auf meinen Arm. In der Küche angekommen suchen wir uns zwei Äpfel und eine Birne heraus und gehen dann in mein Apartment.
"Möchtest du mir helfen? Oder dich lieber hinlegen, Salma?", frage ich das kleine Mädchen.
"Helfen!", sagt sie im Brustton der Überzeugung und setzt sich an meinen kleinen Tisch. Während ich das Obst schäle, schneidet sie es konzentriert in kleine Stückchen. Währenddessen schmuggelt sich immer wieder ihre kleine Zunge zwischen die Lippen. Das sieht so goldig aus. Dann geben wir die Stückchen in einen Topf, bedecken sie mit Wasser und kochen sie auf kleiner Stufe mürbe. Während das Obst vor sich hin köchelt hat sich Salma auf meinen Sessel gekuschelt und ist schon wieder eingeschlafen. Armer, kleiner Schatz! Immer wieder rühre ich durch das weich gewordene Obst und streiche es schließlich, in Ermangelung an einem Pürierstab, durch ein Sieb. Ich stelle das Schälchen abgedeckt nach draußen, damit es schnell abkühlt. Dann klopft es energisch an meiner Tür. Ich öffne sie schnell, damit Salma nicht aufwacht. Jakob steht davor und sieht mich durchdringend an.
"Shh. Sie ist auf meinem Sessel eingeschlafen."
"Hat unsere Nichte das Antibiotikum bekommen?", fragt er distanziert.
"Ich bin dabei. Wir haben gerade einen Obstbrei gekocht. In diesen werde ich den Saft einrühren. Dann schmeckt er nicht so schrecklich!", erkläre ich mich.
"Sie muss das Antibiotikum JETZT bekommen!", sagt er bestimmt.
"Jetzt ist das Obstmus aber noch zu heiß. Geben Sie mir noch einen viertel Stunde. Das macht den Brei jetzt auch nicht mehr fett!", sage ich entschieden. Dabei kratzt mein Hals. Ich streiche mir kurz darüber, was er natürlich sofort registriert. Er dreht sich auf dem Absatz um und läuft den Flur entlang.
"Falls Ihre fragwürdigen Methoden nicht funktionieren, melden Sie mir das unverzüglich!", sagt er noch im Weggang. Ich würde am liebsten hinter ihm herrennen und ihm in den Hintern treten. Ich schließe die Tür und ertappe mich selbst dabei, dass ich beginne, ihn nachzuäffen. Salma schaut mich belustigt, verschlafen von meinem Sessel aus an.
"Du kannst das ganz schön gut!", sagt sie lächelnd. Ich mache es noch einmal, schon um sie zum Lachen zu bringen. Sie kringelt sich.
"Sollen wir schauen, ob der Obstbrei abgekühlt ist?", frage ich sie. Sie nickt. Ich öffne das Fenster und hole den lauwarmen Brei herein. Mit meinem Rücken schirme ich Salmas Blick ab und gebe die Antibiotikalösung zu einer kleinen Portion des Muses. Es ist schließlich wichtig, dass Salma alles davon isst. So gemischt hole ich noch einen Löffel aus der Schublade. Dann mache ich den Fernseher an, stelle ein Kindeprogramm ein und gebe Salma das Schälchen. Sie löffelt begeistert.
"Das ist das beste Obstmus mit Bäähsaft, dass ich jemals gegessen habe!", sagt sie grinsend. Ich erröte etwas. Mist! Erwischt. Dann lache ich gemeinsam mit ihr. Kurz darauf ertönt auch schon der Gong für das Abendessen. Was für ein Tag!
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Cinderella in Chucks
RomanceDiese Geschichte steht für sich alleine und hat (bisher) keinen Querbezug zu meinen anderen Geschichten. Ina ist frisch gebackene Erzieherin und hat gerade ihre Abschlussfeier überstanden. Wenige Tage später erhält sie eine rätselhafte E-mail der Ge...
