„Kommst du?", hörte ich die Stimme meines Bruders, die aus der Küche kam.
"Jaha!", schrie ich genervt und torkelte die Treppe hinunter, wobei ich meinem Dad direkt in die Arme lief:
"Wo geht ihr hin?
Ich räusperte mich:
"Zu einer Party!"
"Dann wünsche ich euch viel Spaß!", erlaubte er uns das komischerweise und ich lächelte ihn dankbar an.
Wir fuhren mit dem Auto meines Bruders zu Connors Haus. Ich meine wir hätten ja auch laufen können, aber dazu waren wir beide zu faul. Der Umweltschutz spielte da auch irgendwie keine Rolle. Schon als wir ausstiegen, hörte ich die laute Musik, die in meinen Ohren dröhnte.
"Benimm dich bitte heute!", bat mich Jakob und ich schnaubte.
Dann zog er mich Richtung des Kastenhauses. Dieser Connor, der mir bestimmt schon auf dem Flur begegnet war, stand an der Tür.
"Hallo!", begrüßte er meinen Bruder und klatschte ihn ab.
Dann sah er mich an.
"Deine kleine Schlampenschwester ist also heute auch mal dabei.", stellte er fest und lachte böse.
Wieso wurde ich eigentlich immer von jedem beleidigt? Ich war zwar nicht die netteste Person, aber trotzdem rechtfertigte das nichts.
"Lass meine Schwester in Ruhe, wenn du keinen Stress willst und denk bloß nicht, dass du sie anfassen wirst! Ich habe dich im Auge.", schnautzte Jakob ihn an und schien ihm damit tatsächlich Angst zu machen.
"Hallo, Annabelle!", begrüßte Connor mich, ließ mich durch und glotzte komisch.
Ich verzog das Gesicht. Es hatte doch Vorteile einen großen Bruder zu haben. Dann ersparte ich mir den ganzen Ärger.
Im Inneren waren mehrere Tische mit Getränken aufgestellt und an der Decke hing eine Discokugel. In der Mitte war eine Tanzfläche und in der einen Ecke standen Sofas zum hinsetzen. Die Bude war bereits rammelvoll und der Geruch von ziemlich vielen schwitzenden Teenagern lag in der Luft.
Ew.
Ich nahm mir einfach einen der Becher und füllte den Inhalt einer Flasche hinein. Was auf dem Etikett stand, konnte ich aufgrund des Lichtes nicht erkennen. So schlimm konnte es ja wirklich nicht sein.
Ich hatte meinen Bruder schon jetzt komplett aus den Augen verloren, obwohl wir erst seit ein paar Minuten hier waren. Genervt quetschte ich mich durch die Menge, im Sinn mich auf einen der Sofas am Ende des Raumes zu setzen. Dort war zum Großteil allerdings schon belegt.
"Garcia!", hörte ich eine Stimme nach mir rufen und drehte mich instinktiv zu dem hintersten Sofa um.
Dort saß Wes mit mindestens ein dutzend Mädchen auf dem Schoss. Eigentlich hatte ich vor mich von ihm fernzuhalten, aber er rief solange nach mir, bis ich aufgab. Wütend marschierte ich zu seinem Sofa und setzte mich auf das gegenüberstehende, welches noch komplett frei war.
"Scott!", lachte ich gequält zur Begrüßung.
Die Mädels schauten mich tierisch eifersüchtig an. Hatte ich sie etwa gestört? Juckt mich nicht!
"Du amüsierst dich ja richtig.", grinste er.
Die Ironie war nicht zu überhören...
"Was willst du?", wollte ich wissen.
"Ich muss auf dich aufpassen, schon vergessen? Bleib einfach hier und rühre dich nicht. Das wäre mir am liebsten.", gestand Wesley mir und wandte sich dann wieder zu den drei Weibern, die um ihn herum schwirrten.
"Ich tue und lasse, was ich will.", knurrte ich und sah ihm tief in die Augen.
"Dein Rock steht dir.", bemerkte er und nickte anerkennend mit dem Kopf.
"Hör auf dich wie ein Idiot zu verhalten!", zischte ich schon wieder auf 180 und überhörte absichtlich das Kompliment, das wahrscheinlich nichtmal ernst gemeint war.
"Gehen wir davon aus ich wäre nicht dein Babysitter! Trinkst du dann was mit mir oder verträgst du das Zeugs nicht?", forderte er mich heraus.
"Ich wette ich vertrage viel mehr.", provozierte ich ihn und lächelte herausfordernd.
"Die Wette gilt.", lachte Wes und schubste die Mädchen von sich weg, die dann zum Glück endlich zischend verschwanden.
Dann packte er einen der Jungen, die gerade vorbeiliefen am Kragen und befahl ihm uns eine Flasche Wodka und zwei Shotgläser zu holen. Wenig später kam der Blonde mit den Sachen zurück und stellte sie auf den Tisch zwischen uns. Wes öffnete die Flasche und schenkte in beide Gläser ein, bevor er mir dann eines auf die andere Tischseite rüberschob.
"Prost!", presste Wes heraus und hob das Glas, bevor er den Inhalt in sich hineinkippte.
Ich tat es ihm gleich.
"Das ist echt geiler Scheiß!", bemerkte er und schenkte sofort nach.
Meine Kehle brannte, aber ich stoppte nicht. Als würde ich ihm einfach so den Sieg überlassen!
Wir tranken und tranken. Irgendwann schaffte ich das Brennen komplett zu ignorieren. Ein paar andere Leute hatten sich zu uns gesellt und feuerten uns an. Ich hatte heute Abend nichts gegessen. Das bedeutete wohl, dass ich schneller dicht war. Es dauerte auch nicht mehr lange, bis ich die Hand vor meinem Gesicht nicht mehr erkennen konnte. Alles war komplett verschwommen. Ich laberte irgendeinen Dreck vor mich hin.
Schlussendlich musste ich dann doch aufgeben, weil ich das starke Gefühl hatte jeden Moment umzukippen oder mich übergeben zu müssen. Wesley schien es besser zu gehen als mir. Jedoch hatte er auch ziemlich eine Fahne.
"Du bist echt schlescht.", nuschelte er und trank noch einen ohne mich, um zu zeigen wie toll und stark er doch war.
Mein Kopf lag mit dem Gesicht nach vorne auf der Tischplatte und ich versuchte vergeblich wieder hochzukommen. Irgendwann hoben mich dann zwei muskulöse Arme hoch. Von wem die waren, wusste ich in dem Moment nicht. Ich schlang meine Hände um den Hals des Unbekannten, als er sich wieder aufs Sofa mit mir setzte, von dem ich gefallen war. Vom Geruch her war es Wes. Er roch toll.
Fuck!
"Wir spielen jetzt ein Spiel.", hörte ich eine Mädchenstimme sagen, die von dem gegenüberliegenden Sofa kam.
"Wahrheit oder Pflicht.", schlug jemand anderes vor.
Ich merkte jetzt erst, dass wir ziemlich viel Gesellschaft und Aufmerksamkeit hatten.
"Wahrheit oder Pflicht, Wes!", fing ein anderes Mädchen an, deren Stimme mir irgendwie bekannt vorkam.
"Wahrheit!", gähnte der.
Wieso war er noch so gut erhalten nach dem ganzen Alkohol?
"Stimmt es, dass du mit Selena Sex in der Toilette hattest und ihr dann von Melinda erwischt wurdet?", informierte die Stimme sich.
"Jaa!", stöhnte Wesley genervt und sah mich an.
Ich musste echt komisch aussehen, so wie ich von ihm betrachtet wurde. Eigentlich musste Wes jetzt jemanden fragen, aber die Mädchenstimme übersprang das einfach.
"Wahrheit oder Pflicht, Belle?", fragte sie mich einfach.
"Wahrheit!", lallte ich, weil ich für eine Pflichtaufgabe zu faul war um aufzustehen beziehungsweise das gar nicht mehr konnte.
DU LIEST GERADE
One day you'll understand why
RomanceWes trug mich zurück zum Steg und bekam dadurch die Aufmerksamkeit von den meisten. "Fick dich!", schrie ich und schlug ihm auf den Rücken. Keine Chance! "Temperamentvoll ist die Kleine ja schon.", hörte ich eine mir unbekannte Stimme sagen. "Babe...
