...but maybe we're dying

2.5K 70 0
                                        

Ich hatte es allerdings nicht gesehen. Das Auto, das kam. Vielleicht weil ich erst zu spät von dem Licht angestrahlt wurde, da hier gerade so eine dumme Kurve war. Es kam nunmal von hinten. Ich spürte nur den Aufprall, den es gab. Wie in Zeitlupe flog ich und landete hart mit dem Kopf auf dem Asphalt. Ich spürte rein gar nichts mehr und um mich herum war alles so schön dunkel.

P.O.V. Wesley:

Ich schaute alle zwanzig Sekunden auf mein Handy, aber sie rief mich nicht an. Ich sollte umdrehen und mich entschuldigen. Für alles! Mein Verhalten war wieder so dermaßen daneben wie immer. Ich konnte mich nichtmal selbst ertragen und deshalb machte ich sie immer schlecht. So etwas war überhaupt nicht angemessen! Ich hätte sie nicht so beleidigen sollen, denn selbstverständlich war sie keine Nutte. Ich fuhr rechts ran, als mir ein Krankenwagen und ein Notarzt entgegenfuhren.
Warte!
War Annabelle etwas passiert?
Ich durfte nicht soviel darüber nachdenken. Es würde ihr gut gehen.
Nein! Bestimmt war ihr etwas passiert und jetzt war es meine Schuld.
Schließlich wendete ich doch und fuhr den Weg wieder zurück. Wahrscheinlich würde ich sie sowieso nicht sehen, aber es war es trotzdem den Versuch wert. Ein paar Meter weiter war die Straße abgesperrt. Überall blaue Lichter! Was war denn hier passiert? Zwei normale Autos standen vor der Absperrung.
Ich hielt und stieg aus.
In den Krankenwagen wurde gerade eine Person eingeladen, die ich von Weitem nicht erkennen konnte. Ein Auto, dessen Motorhaube kaputt schien, stand mitten auf der Straße mit Warnblinker. Ich erkannte trotz des schwachen Tageslichtes dunkle Bremsspuren.
"Sir, Sie können da nicht durch.", erklärte mir einer der Officer, als ich unter dem Absperrband hindurch wollte.
"Was ist hier passiert?", fragte ich aufgebracht und starrte abwechselnd vom Auto zu dem Blut am Boden und wieder zum Krankenwagen.
"Bewahren Sie bitte Ruhe! Eine Frau wurde angefahren.", erklärte mir der Polizist ganze entspannt.
Nein!
"Das ist meine Freundin! Bitte! Fuck!"
Ich fuhr mir durch die Haare.
Die Sanitäter stiegen in den Krankenwagen und fuhren los.
"Ich muss zu meiner Freundin! Können Sie mir wenigstens sagen, wie es ihr geht?", fragte ich und umklammerte fester das Absperrband.
Kurz nachdem der Krankenwagen weg war, fuhr ein Polizeiwagen weg.
"Ich kann Ihnen dazu leider keine Auskunft geben, Mr...", entschuldigte er sich.
"Scott!", sagte ich leise und vergrub die Hände in meinem Gesicht.
"Vielen Dank, Officer!", bedankte ich mich und machte zum Abschied den Soladatengruß, bevor ich in schnellen Schritten zum Auto lief und mit der Faust auf die Motorhaube schlug.
"Fuck!", schrie ich laut.
Ich hatte es verbockt. Mehr als nur das!
Ich hätte sie überzeugen sollen mit zu fahren, sie einfach am Arm packen sollen und wieder in das verdammte Auto schleifen sollen.
Stattdessen hatte ich genau das getan, was sie wollte. Ich riss die Autotür auf und setzte mich ans Steuer. Dann ohrfeigte ich mich erst selbst und schlug meinen Kopf dann gegen das Lenkrad.
Es tat scheiße weh.
"Fuck!", wiederholte ich meine Worte nur diesmal noch viel lauter.
Meine Nase blutete.
Ich schniefte und schlug nochmal mit der Hand auf das Lenkrad.
Ich tat alles falsch. Immer!
Wie konnte ich sie nur alleine lassen? Was passierte denn, wenn sie es nichtmehr schaffen würde? Ich brauchte sie doch. Sie konnte doch nicht gehen.
Eigentlich wollte ich es unterdrücken, aber mittlerweile hatten diese blöden Tränen sich schon einen Weg meine Wange hinunter gebahnt.
Es würde alles gut werden. Ich musste jetzt einfach mal ein wenig runterkommen.
Es war fast komisch, wie mir plötzlich alle Erinnerungen durch den Kopf schwirrten.
Eigentlich dachte ich das gab es nur in irgendwelchen kitschigen Liebesfilme, wo der eine Junge für das Mädchen starb.
Aber ihr Lächeln!
Es war so schön, dass ich es viel zu selten gesehen hatte.
Folglich war es nur leider so, dass ich nicht für sie starb, aber sie vielleicht wegen mir.
Durch mein dummes Handeln!
Ein Idiot könnte ich mich nennen, aber das würde nicht einmal ausdrücken, was ich da für eine Scheiße schon wieder angerichtet hatte. Nur diesmal war es noch tausendmal schlimmer.
Das war gerade ganz oben auf meiner Liste von großen Fehlern, die ich in meinem Leben gemacht hatte, gelandet, weil ich wusste, dass ich mir das selbst nie verzeihen würde, wenn sie sterben würde.
Abgesehen davon dass Jakob seinen super Plan mich umzubringen dann wahrscheinlich in die Tat umsetzen würde, denn auch wenn er es gerade nicht zugeben wollte, stand seine kleine Schwester bei ihm an oberster Stelle.
Keine Ahnung, was er in letzter Zeit für ein Problem damit hatte, dass ich ihr anscheinend auch etwas bedeutete.Kam er nicht so darauf klar, wie man merkte!
Vielleicht würde ich ihm auch einfach die Arbeit abnehmen und es irgendwann selbst hinter mich bringen.
Vermutlich wäre die Welt tatsächlich eine bessere Welt ohne mich, wenn ich daran dachte, was ich schon alles angerichtet hatte.
Den Gedanken schob ich jetzt allerdings beiseite und konzentriere mich auf das Wesentliche.
Ins Krankenhaus!
Nachdem ich mich noch kurz beruhigt hatte, schmiss ich den Motor an und drehte.
Das nächste Krankenhaus war in der Stadt.

One day you'll understand whyWo Geschichten leben. Entdecke jetzt