P.O.V. Wesley:
Es war Mittag und ich kam gerade am Parkplatz des kleinen Cafés in der Stadtmitte an. Natürlich sah es wunderschön aus, denn nicht umsonst war es Ronnie's und mein Lieblingsladen gewesen. Veronica wollte dort immer die guten und großen Schokomuffins und ich liebte den Kaffee. Eigentlich hatte ich mir schon gedacht, dass sie genau diesen Platz für ein Wiedersehen aussuchte.
Unsere vorherige Verabredung hatte ich wegen Annabelle gecancelt, aber nun wollte ich das hinter mich bringen und Ron war gerade sowieso wieder in der Stadt, weil es ihrer Grandma nicht so gut ging.
Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet mir, dass wir halb drei hatten.
Einmal pünktlich! Glückwunsch, Scott...
Hoffentlich war sie schon da.
Etwas zögernd betrat ich den Laden, indem ich seitdem Zwischenfall damals nichtmehr betreten hatte.
Einfach durchziehen jetzt, für Annabelle!
"Guten Tag, kann ich Ihnen helfen?", begrüßte mich eine junge, freundliche Frau ungefähr in meinem Alter, die zwar ziemlich förmliche Kleidung trug, aber der weite Ausschnitt der Blick auf ihren großen Busen trotzdem nicht zu übersehen war.
"Mhmm, ich warte auf eine Freundin.", erklärte ich der Blondine und versuchte hinter ihr durchzuschauen.
Vielleicht würde ich sie dort irgendwo ausfindig machen. Leider befand sich dort nur ein älteres Ehepaar und eine Familie.
"Dann sind Sie der gut aussehenden Mann mit göttlichen Wangenknochen, auf den die Dame dort hinten wartet.", schlussfolgerte sie und grinste breit.
Wie bitte?! Das war echt schräg. Hatte ich vielleicht etwas verpasst?
Ich starrte sie auch entsprechend verwirrt an.
"Ach folgen Sie mir einfach, Mister...", verlangte sie von mir und sprach den Satz so aus, dass sie betonte meinen Nachnamen gerne wissen zu wollen.
"...Scott!", ergänzte ich grummelig und lief ihr wie eine Ente hinterher.
"Achja, stimmt! Wesley. Da habe ich ja schon viel gehört.", fiel ihr ein und geleitete ich zu einem Tisch weiter hinten.
Ich ignorierte ihr unsinniges Gelaber, das keine Ahnung was erreichen sollte, und musterte nur den Tisch, an dem eine schwarzhaariges Mädchen saß, dass aus dem Fenster schaute.
Heute war das Wetter echt mies und es schüttete gerade mal wieder.
Veronica erkannte mich relativ spät, als ich vor ihr stand.
"Kann ich euch beiden Turteltäubchen etwas zu trinken bringen?", kicherte die Bedienung, während Ronnie und ich uns nur pausenlos anstarrten.
Es war eben auch ewig her gewesen.
Ich unterdrückte das Gefühl jetzt einen Kaffee zu bestellen.
"Wasser, bitte!", bat ich etwas unfreundlich nach Flüssigkeit.
Wenn ich sie so jetzt vor mir sah, hätte ich doch lieber eine Flasche Wodka bestellen sollen.
Ron schüttelte den Kopf auf die Frage der Bedienung, die sich dann zum Glück verpisste.
Ihren Kommentar fand ich komplett unangebracht. Wir waren keine "Turteltäubchen".
Nicht unnötig provozieren lassen!
"Hey, Wesley!" , hörte ich dann ihre klare und helle Stimme.
Sie hatte sich verändert und sah anders aus. Aber ihre Stimme war die gleiche!
"Hi!", quetschte ich etwas piepsig heraus und nahm gegenüber Platz.
Erinnerungen blitzten mir durch den Kopf und ich musste mir unauffällig leicht gegen die Stirn klatschen, um in der Realität zu bleiben.
Das Blut, die Anrufe,...
"Danke, dass du dir Zeit genommen hast, um mit mir zu reden!", lächelte sie mich höflich an, als wäre sie mein Hausarzt.
"Wie geht es dir?", fügte sie dann noch hinzu, weil ich wie ein Grab schwieg.
"Komme zurecht, dir?"
Ich sollte mich mal mehr entspannen. Das war nur meine Exfreundin!
"Den Umständen entsprechend.", antwortete Veronica und starrte auf meine Hände, die ich zu Fausten geballt hatte und gerade unter den Tisch ziehen wollte.
Sie nahm meine Handgelenke und zwang mich dazu meine Handflächen zu öffnen.
"Wirst du jemals damit aufhören?", fragte sie und klang dabei wirklich fassungslos, dass ich mir bei angespannten Situationen immer wieder die Fingernägel, in die Handflächen rammte, bis sie bluteten.
Selbst erklären, wieso ich das tat, ging nicht, denn ich wusste es selbst nicht.
Mein Körper zuckte ein wenig, als sie meine Handflächen mit ihren langen Fingern massierte. Auf ihren Fingernägeln befand sich dunkelblauer Nagellack.
"Entspann dich!", beruhigte sie mich mit einer angenehmen Stimme und erklärte mir dann, dass sie überhaupt nichts Böses von mir wollte.
Nur ein ganz normales Gespräch!
Seit der Nacht, in der diese schreckliche Sache passiert war, hatten wir nicht mehr geredet.
Das war also ziemlich überfällig.
"Erzähl was von dir! Was treibst du so?", fragte ich Ronnie, um ein wenig von meinem momentanen Zustand abzulenken aber auch aus Interesse.
"Ich habe ein Stipendium bekommen, ganz hier in der Nähe! Meine Grandma hat Lungenkrebs und ich möchte unbedingt noch ihre übrig gebliebene Zeit mit ihr verbringen. Meine Eltern haben sich getrennt und haben beide neue Partner gefunden. Aber eigentlich weiß ich nicht, ob es so eine gute Idee ist hier so oft zu sein. Es erinnert mich so viel an...früher.", erzählte sie mir und klang dabei ein wenig unsicher.
"Du weißt, dass das, was ich getan habe, unverzeihlich ist, Ronnie. Es ist zu spät für mich sich dafür zu entschuldigen, aber ich hoffe trotzdem, dass du eines Tages in mir nichtmehr den feigen Freund sehen wirst.", traute ich mich doch ein wenig mit der Sprache herauszurücken.
Sie schüttelte den Kopf.
"Ich bin nicht sauer auf dich, W. Ich bin schon sehr lange in Therapie und ich habe das Szenario schon hundertmal in meinem Kopf durchgespielt, aber keines Mal davon hat dich irgendeine Schuld getroffen. Du hättest es nicht ändern können. Natürlich warst du ein miserabler Freund, der mich dauernd betrogen hat, aber das rechne ich dir wirklich nichtmehr an. Es ist nicht deine Schuld, dass sich eine Gruppe von unseren Freunden an mir vergangen haben. Du siehst das nicht, aber ich weiß, dass du ein guter Mensch bist, weil ich dich kenne und ich bin sicher sie sieht es auch.", behauptete sie und ich sah die Tränen ihre Wange herunter rollen.
"Sorry, ich wollte nicht heulen wie ein Baby.", entschuldigte sie sich.
Meinung zu Veronica? Veronica und Wesley, ja oder nein?!
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One day you'll understand why
RomantiekWes trug mich zurück zum Steg und bekam dadurch die Aufmerksamkeit von den meisten. "Fick dich!", schrie ich und schlug ihm auf den Rücken. Keine Chance! "Temperamentvoll ist die Kleine ja schon.", hörte ich eine mir unbekannte Stimme sagen. "Babe...
