vielleicht ist er ja auch ein netter typ

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P.O.V. Wesley

Das Telefon klingelte.
Scheiße!
Wir hatten schon zehn Uhr.
Ich raffte mich auf und tastete den Nachttisch ab, bis ich es fand.
"Hey, Wesley!", meldete sich eine Frauenstimme am Telefon zu Worte.
"Wer ist da?", fragte ich verwirrt darüber, dass mir die Stimme so bekannt vorkam.
"Erinnerst du dich nicht mehr an mich?", stellte sie eine Gegenfrage und lachte dann leicht. Natürlich erinnerte ich mich an alles von ihr, auch wenn wenn ich die meiste Zeit high gewesen war.
"Wieso rufst du mich an?", wollte ich wissen und versuchte dabei nicht so überrascht zu klingen, wie ich es eben war.
"Ich bin bei meiner Grandma. Können wir uns mal treffen?"
Ich wusste nicht, ob das die beste Idee war.
Ronnie und ich waren die Definition von toxic Relationship gewesen.
Ich schwieg, kratzte mich am Kopf und linste herüber zu der schlafenden Annabelle.
"Es wäre mir sehr wichtig. Bitte, W!", flehte sie mich fast an.
Ich mochte es nicht, wie sie mich nannte.
"Wieso?", wollte ich wissen.
Sie hätte ja auch Zane anrufen können. Warum mich?
"Wir haben uns lange nicht gesehen.", meinte sie.
Okay! Das stimmte aber ich wusste nicht, ob ich das überhaupt nochmal wollte.
"Ich habe mich nicht verändert, Ronnie!", erinnerte ich sie, falls ihr das noch nicht aufgefallen war, was man an meiner Redensart bemerken musste.
"Ich weiß.", sagte sie kleinlaut.
"Okay, aber ich kann heute nicht.", sagte ich direkt für heute ab.
"Was ist mit morgen? Im Stadtcafe?", fragte sie und ich hörte jemanden im Hintergrund mit ihr reden.
"Okay, um drei.", beendete ich das Gespräch, ehe ich ohne noch etwas zu sagen auflegte.
"Wer war das?", fragte Belle plötzlich, die anscheinend auch aufgewacht war.
Langsam drehte ich mich in ihre Richtung.
"Ein alter Kumpel von mir.", log ich und rieb mir die Augen.
"Was wollte er?", fragte sie und erhob sich.
"Wissen, ob ich heute Zeit habe, aber ich hab abgesagt.", meinte ich, was ja auch so stimmte.
"Also gehen wir heute an den See?", fragte sie nochmal nach, da sie sich anscheinend nicht mehr so sicher war, ob das noch stand.
Ich nickte.
"Hab's dir doch versprochen."

Wir fuhren in die Einfahrt.
"Cassy ist hier, nur dass du dich nicht erschreckst.", erklärte ich ihr, als ich ihr die Autotür aufmachte.
Ich wusste nicht, ob ihr das so gefallen würde und wahrscheinlich hätte ich vorher davon erzählen soll, dass ich Cassandra in dem Haus untergebracht hatte. Aus dem Kofferraum lud ich eine Tasche mit Lebensmittel und Medikamenten aus und schloss dann die Tür auf. Annabelle folgte mir leise und bedacht. Ich lief direkt in die Küche, wo Cassy stand und gerade Frühstück machte. Sie schien sich zu freuen, dass ich da war.
"Ich hab dir was mitgebracht.", verkündete ich und legte die Tasche ab.
Sie fiel mir um den Hals, ließ mich aber schnell los, als sie bemerkte, wen ich mitgebracht hatte.
"Cas! Es ist alles gut. Sie wird nichts erzählen.", beruhigte ich sie, als sie Annabelle böse ansah.
Diese schien eher verwundert zu sein vermutlich wegen den Sauerstoffschläuchen, die in Cas Nase führten, damit sie besser atmen konnte oder vielleicht war es auch ihr Bauch. Dort war nämlich überhaupt keine Kugel oder so. Cassy war ja auch noch nicht hochschwanger.
"Was hast du ihr erzählt, Wesley?", fragte Cassandra mich, während ihre Stimme zitterte.
"Dass du schwanger bist und das eben nicht von mir. Sonst nichts.", beruhigte ich sie, weil sie vermutlich Angst hatte, ich könnte das mit Zane verraten.
Auf diese Idee würde ich nicht ansatzweise kommen, weil es da ja noch eine andere Geschichte gab, die niemand von mir wissen sollte.
"Leg dich hin! Ich mache das schon.", versuchte ich ihr die Arbeit abzunehmen.
Tatsächlich tat sie, was ich ihr empfohlen hatte und tapste ins Wohnzimmer mit diesem Wägelchen, wo ein Sauerstoffflasche daran montiert war. Annabelle hatte sich noch kein bisschen bewegt, geschweige denn etwas gesagt.
"Ist alles in Ordnung?", wandte ich mich an sie.
Sie bewegte sich aus ihrer Starre.
"Ähm ja. Ist das normal, dass ihr Gesicht so blass ist?", fragte sie und legte den Kopf ein bisschen schief.
"Der Arzt meinte, dass sie körperlich nicht für diese Schwangerschaft vorbereitet ist. Das Baby zieht alles aus ihrem Körper raus. Deswegen sieht sie so aus.", meinte ich und schnitt ein Brot auf.
"Willst du auch eines?", fragte ich sie.
"Hab keinen Hunger!", lehnte sie ab und seufzte.
"Du hast dir den Tag wahrscheinlich anders vorgestellt. Tut mir leid!", entschuldigte ich mich, weil ich mir vorstellen konnte, dass sie davon genervt war.
Offensichtlich mochten Cassy und sie sich ja nicht.
"Das ist für mich wirklich gar kein Problem.", versicherte sie mir, aber ich wusste nicht, ob ich ihr da so ganz glauben sollte.
Ich lief ins Wohnzimmer und zog Annabelle mit mir ohne sie zu fragen, ob sie mitwollte. Dann setzte ich mich auf die Coach und half Cassandra sich aufzurichten.
"Du musst mehr essen.", erklärte ich und drückte ihr den Teller mit dem geschmierten Brot hin.
"Und du musst dir nicht so viele Sorgen um mich machen!", wandte sie ein und biss ins Brot. Ich ignorierte ihren Kommentar.
"Hast du dich schon eingecremt?", wollte ich wissen, weil sie das immer machen musste und zwar morgens.
"Wann denn? Ich hatte die ganze Zeit schmerzen. Ich kann mich nichtmal mehr bücken. Alles tut weh.", beklagte sie sich mit vollem Mund und versuchte währenddessen noch irgendwie zu atmen.
"Ich mach's dann schon, wenn du fertig bist.", bat ich ihr an, weil sie es offensichtlich nicht gut hinbekam.
"Hast du sie gestern gevögelt?", wollte sie plötzlich wissen und meinte damit Annabelle.
Die hörte es selbstverständlich auch.
"Nur weil du jetzt schwanger bist, heißt das nicht, dass du dein Maul so weit aufreißen kannst, wie du willst. Klar?", drohte ich ihr, weil ich es nicht mochte, dass sie so mit mir redete.
"Oh, hast du also. Hat sie kein Problem damit, wenn du mir zwischen die Beine fasst?", fragte sie frech.
"Ich bin auch hier. Du kannst auch mit mir reden.", meldete Annabelle sich nun zu Worte. Cas sah zu ihr, als hätte sie gerade erst richtig realisiert, dass sie auch hier war.
"Was ist denn eigentlich mit der Hochzeit? Ich dachte du gehst hin.", wechselte sie das Thema.
"Mal sehen. Vielleicht gehe ich heute Abend kurz vorbei. Wenn alle besoffen sind und mein Dad zuhause ist.", überlegte ich.
Ein Telefon klingelte.
"Das ist meines.", bemerkte Annabelle und stand auf.

One day you'll understand whyGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt