"Du hast es erfasst. Ich lass das alles in der Vergangenheit ruhen.", log ich, als würde ich wirklich null Interesse daran haben.
"Wieso haben sie das nur gemacht?", fragte sie völlig fassungslos und fasste sich an die Stirn.
"Sie holen sich einfach das, was sie wollen.", erklärte ich ihr.
"Das ist doch nicht fair."
Ich seufzte.
"Das Leben ist nicht immer fair, Sally.", behauptete ich und ärgerte mich darüber, dass ich wie mein Dad klang.
Es herrschte kurz Stille, ehe sie sich vom Bett erhob und mich in eine Umarmung zog.
Etwas überfordert schaute ich zu ihr herunter und tat nicht, außer dort stehen zubleiben.
War das jetzt so eine Mitleidsumarmung? Konnte ich grad echt nicht so gebrauchen!
"Hast du Zeugs da?", wechselte ich das Thema und sah mich in ihrem Zimmer ein wenig um.
Ich kannte es überhaupt nicht.
"In der Schublade.", meinte sie, zeigte auf einen Eichenschrank schräg gegenüber von uns und ließ mich dann endlich wieder los.
Ich drehte mich von ihr weg und bewegte mich zu dem Schrank.
Genau das war es, was ich im Moment brauchte. Nur das! Nicht Annabelle. Sie war Geschichte.
Ich riss die Schublade etwas zu hastig auf und entdeckte dort mehrere Plastiktütchen mit weißem Pulver drinnen, das mich immer an Mehl erinnerte.
Ich nahm mir eines heraus und packte aus meinem Geldbeutel meine Kreditkarte und ein Dollar Schein.
Ich rollte den Geldschein ein, kippte das Kokain auf die obere Ablage des Schrankes, schichtete es eilig zu einer Line und zog es mir dann durch die Nase.
Nein, das war keine schlechte Idee.
Okay, ein Teil von mir sagte mir, dass ich sofort damit aufhören sollte, aber ich machte weiter, indem ich die nächste Line zog und die nächste.
Es verging viel Zeit, glaubte ich.
"Wesley, du bringst dich um, wenn du das so weitermachst.", erinnerte mich Sallys Stimme, deren besorgten Blick ich mir gerade zu gut vorstellen konnte.
So schaute Agnes mich auch immer an. Wie ich es hasste!
"Fick dich!", murmelte ich und ließ mich nicht weiter von ihr stören.
Es drehte sich mittlerweile alles schon ein wenig.
Meine Nase lief, also wischte ich es weg, bis ich verschwommen erkennen konnte, dass es Blut war.
Fuck!
"Ich höre auf, wenn sie wieder da ist.", sagte ich irgendwann zu Sally, während ich nur noch halb stand.
"Hast du scheiße gebaut?"
"Ich-ich glaube sie ist weg, ich glaube ich hab sie umgebracht. Sie ist wegen mir tot. Ich spüre sie nichtmehr.", stotterte ich vor mich hin, tippte hoffnungslos auf mein Brustkorb und machte trotzdem weiter, obwohl ich wusste, dass ich schon viel zu viel genommen hatte.
Auf einmal spürte ich Sallys Hand auf meiner Schulter.
"Wesley, es ist alles gut.", hörte ich plötzlich eine andere Stimme.
Jetzt halluzinierte ich auch noch.
Da stand Cassy.
Nein, ich glaube sie stand wirklich da.
"Hör auf mit der Scheiße! Ich bringe dich nach Hause!", erklärte sie mir ruhig und streichelte mir vorsichtig über die Schulter.
"Ich kann nicht gehen.", wehrte ich mich ein wenig zu laut.
"Sie hat es geschafft, Wesley! Sie hat es geschafft, also komm jetzt!", rief sie dringender nach mir.
Ich sah zu Sally, die mich erwartungsvoll anstarrte.
"Du lügst!"
"Nein, Jakob hat es mir gerade eben gesagt.", behauptete sie und ich glaubte ihr irgendwie und ließ mich von ihr aus dem Raum ziehen, hinaus durch den Hintereingang in die Kälte.
Dort parkte ihr Auto.
Zumindest dachte ich, dass ich es sah.
"W-Wieso bist du hier?", lallte ich, während sie mich auf den Beifahrersitz quetschte und ich mein ganzes Gewicht auf sie verlagerte.
Was ein Wunder, dass sie nicht umfiel!
"Ja hat gesagt ich soll aufpassen, damit du dich nicht umbringst."
"Jakob interessiert sich einen Scheiß für mich.", fluchte ich und wischte das Blut von meiner Nase, aber es lief wie ein Bach.
"Das glaubst du, aber er tut es immer noch, auch wenn du seine Schwester bumst und ihn anlügst.", erklärte sie, während Cassy auf der Fahrerseite einstieg und die Tür schloss.
Der Motor heulte auf.
"Wie geht es Mini-Cassie?", fragte ich alleine um das Thema zu wechseln, aber auch weil es mich interessierte.
"Prächtig!", antwortete sie eintönig und schmiss den Motor an.
"Wie läuft es mit deiner Mum?"
"Ich hab es ihr gesagt. Die ganze Wahrheit! Das Gespräch lief erstaunlich gut.", berichtete sie mir, dass sie und ihre Mutter wieder okay miteinander waren.
Ich freute mich für sie, auch wenn ich nicht wirklich wusste, wie ich das zeigen sollte.
"Wesley?"
"Mhmm!", murmelte ich vor mich hin, nachdem wir schon ein Stück des Wegs, hinter uns hatten ohne noch ein Wort miteinander zu sprechen.
"Was hast du Annabelle angetan?", fragte sie in einem ernsten Ton.
Wir führten selten diese Art von ernsten Gesprächen.
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One day you'll understand why
RomanceWes trug mich zurück zum Steg und bekam dadurch die Aufmerksamkeit von den meisten. "Fick dich!", schrie ich und schlug ihm auf den Rücken. Keine Chance! "Temperamentvoll ist die Kleine ja schon.", hörte ich eine mir unbekannte Stimme sagen. "Babe...
