Kopfschüttelnd flitzte ich zum Steg und rutschte in das kalte Wasser. Man gewöhnte sich schnell dran, wie ich heraus fand. Ich schwamm ein wenig, was zu meiner Begeisterung ziemlich gut funktionierte und ich nichtmal absoff. Dabei vergaß ich total die Zeit, weil ich mich die ganze Zeit auf das Schwimmen konzentriert hatte. Irgendwann beschloß ich mich ein wenig auf dem Steg zu sonnen, damit meine Unterwäsche gescheid trocknen konnte. Als ich bemerkte, wer da stand und mich beobachtete, wäre ich am liebsten gar nicht mehr rausgegangen. Aber einen anderen Ausgang gab es nun nichtmal, da um den See dichtes Schilf wuchs, durch das ich sicher nicht hindurch konnte. Vielleicht sollte ich doch nochmal über das absaufen nachdenken. Mir blieb aber auch die Möglichkeit ihn einfach zu ignorieren, was sich als die beste herausstelte. In gemächlichen Zügen schwamm ich zum Steg und beachtete Wesley einfach nicht.
"Das Essen ist fertig.", teilte seine tiefe Stimme mir mit.
Ich schwieg.
Aus den Augen konnte Wes mich natürlich nicht lassen. Wie nett!
"Soll ich dir raushelfen?", bat er mir dann an, als ich mich an dem Holz festhielt und mein ganzes Gewicht dadrauf stämmte.
Eigentlich kam ich ganz gut alleine klar, weswegen ich wieder nichts sagte. Von weitem erkannte ich David, der uns beobachtete. Als ich triefendnass vor ihm stand, machte er einen Schritt auf mich zu, aber ich wich ihm sofort aus.
"Denk nichtmal dran!", wehrte ich mich giftig und verschränkte die Arme vor der Brust.
"Es tut mir leid, Belle! Wirklich! Alles! Kann ich dir irgendwie helfen? Brauchst du ein Handtuch?", entschuldigte Wesley sich und bat mir seine Hilfe an.
Mein Blick blieb düster.
"Tu mir doch den Gefallen und lass mich gefälligst in Ruhe!", sagte ich ziemlich ruhig und kalt.
Das war vielleicht nicht nett, aber was er getan hatte war es ganz sicher auch nicht.
"Komm schon! Das kannst du jetzt nicht wirklich machen.", motzte er mich an.
"Natürlich kann ich das!", wandte ich mich von ihm ab und ließ ihn einfach stehen.
Ich wusste, dass er mir nachsah, aber zum Glück folgte er mir nicht direkt. Als ich bei Wes Familie ankam und das dampfende, lecker riechende Essen auf dem Tisch saß, lief mir fast das Wasser aus dem Mund.
"Und? Wie ist das Wasser?", erkundigte sich Agnes.
"Ganz gut. Die Temperatur ist genau richtig zum Baden.", antwortete ich höflich und nahm neben David Platz.
Mir war jetzt doch etwas frisch nur in Unterwäsche hier rumzusitzen, weshalb ich ein wenig zitterte.
"Willst du mein Shirt?", bat David mir gentlemanlike an.
Ich nickte.
Meine Sachen konnte ich zwar auch anziehen, aber ich fand weitere Kleidung erstens besser und zweitens konnte ich damit Wesley ein wenig ärgern, was mir aber eher weniger wichtig war. David zog es aus und ich streifte es mir über. Natürlich war es mir viel zu groß und ging mir bis unter die Knie.
"Danke!", sagte ich knapp und lächelte ihn an.
"Kein Problem!", gab er zurück und kratzte sich dabei am Hinterkopf.
"Möchtest du auch Käse?", fragte Mr. Edwards, da Agnes gerade Nudeln und Pesto auf die Teller verteilte.
"Ja, ein wenig.", antwortete ich und er reichte mir dann meinen nun gefüllten Teller wieder.
"Wir finden es übrigens sehr schön von dir, dass du mit...", fing Agnes an, aber stoppte dann abrupt, als sie sah, wer gerade an den Tisch kam.
Mir fiel die Gabel runter. Entschuldigend bückte ich mich, wobei ich beim Hochgehen gegen die Tischplatte knallte.
Ein leises "Aua" kam aus meinem Mund und als ich wieder komplett oben war, saß Wesley am Tisch. Entgeistert starrte er erst zu dem oberkörperfreien David und dann zu mir. Dann wieder zu ihm und dann wieder zu mir. Ich sollte es wirklich nicht, aber seine Blicke machten mir Angst.
"Guten Appetit!", wünschte David allen in der Runde und schaufelte sich die Nudeln in den Mund.
Wesleys Faust schlug auf die Tischplatte und ich zuckte zusammen genauso wie Agnes, was ich nur aus dem Augenwinkel erkennen konnte.
"Was hast du da an, Annabelle?", fragte er, obwohl Wes das selber klar und deutlich sehen konnte.
Wenn er mich bei meinem ganzen Namen nannnte, war er entweder sehr angepisst oder wollte ernsthaft mit mir reden. Diesmal traf wohl eher das erste darauf zu.
"Davids Tshirt!", antwortete ich im gleichen Tonfall wie er.
Bestimmte er jetzt auch über meinen Kleiderschrank oder wie sollte ich das verstehen?
"Was soll das? Willst du mich absichtlich provozieren? Zieh das aus!", verlangte Wesley.
Ja, ich wollte ihn ärgern, weil er mir wehgetan hatte.
"Nein!", antwortete ich abwesend und stocherte in meinen Nudeln herum. Vorsichtig sah ich kurz auf, wobei ich nur einen kurzen Blick auf seine geballten Fäuste werfen konnte, an denen man die Adern total sah. In sein Gesicht traute ich mich erst gar nicht zu gucken.
"Ich sags nicht nochmal! Zieh das verdammte Tshirt aus!", fluchte Wesley noch viel lauter als beim ersten Mal.
"Möchtest du auch etwas zu essen haben, Wesley?", fiel Agnes ihm ins Wort, um das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken.
David grinste breit und schien sich richtig zu amüsieren.
"Ich möchte, dass du deinem Sohn mitteilst, dass er sich von meiner Freundin fernhalten soll. Das Essen schmeckt sowieso scheiße.", gab er wütend zurück, wobei Agnes leise blieb und David bittend ansah.
Jetzt war ich plötzlich wieder seine Freundin? Ach, interessant!
"Beruhige dich doch bitte, Wesley!", mischte sich nun auch sein Vater ein. Es war tatsächlich ein wenig lächerlich, dass Wes hier einen Aufstand machte nur, weil ich das Tshirt seines Stiefbruders trug.
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One day you'll understand why
RomansaWes trug mich zurück zum Steg und bekam dadurch die Aufmerksamkeit von den meisten. "Fick dich!", schrie ich und schlug ihm auf den Rücken. Keine Chance! "Temperamentvoll ist die Kleine ja schon.", hörte ich eine mir unbekannte Stimme sagen. "Babe...
