vergeben, vergessen?

2K 62 1
                                        

"Ich, ich...will aber niemanden anderen.", flüsterte sie leise und griff nach meiner Hand.
Ich richtete ihr Kinn zu mir.
"Liebst du ihn? Liebst du Josh?", fragte ich sie und erwartete eine total ehrliche Antwort von ihr.
"Ich denke schon."
Es tat nichtmal so sehr weh, wie ich gedacht hatte.
"Dann lass mich gehen! Es ist okay.", versprach ich ihr und drückte meine Stirn gegen ihre, wobei ihre Tränen auf meine Kleidung tropften, was ich komplett ignorierte.
"Ich will dir nicht wehtun. Du bist so eine schlaue Frau, Belle. Du schaffst alles auch locker ohne mich.", behauptete ich und sie schniefte und grinste dann doch leicht.
"Belle, kommst du dann mal!", riss uns eine Stimme auseinander.
Josh!
Ich baute wieder Abstand zwischen uns.
Josh sah mich und stellte sich sofort schützend vor Annabelle.
"Geht es dir gut?", informierte er sich bei ihr, während er mich mit einem funkelnden Blick unter die Lupe nahm.
Sie nickte und schniefte noch einmal.
"Ich tue ihr nichts, Joshua!", erklärte ich ihm, auch wenn mir klar war, dass er mir davon kein Wort glaubte.
"Das hoffe ich wirklich für dich!", drohte er mir.
Wow, der war ja abgehoben geworden!
Komischerweise fühlte ich kein bisschen Eifersucht, als er ihr einen Kuss auf die Stirn gab und sie weiter besorgt musterte.
Stattdessen ging ich auf Joshua zu und hielt ihm die Hand hin.
Total verwundert blickte er zu mir.
Der war schon echt noch ein kleines Stück kleiner als ich.
Gott sei Dank nahm er meine Hand an und schüttelte sie.
"Pass auf sie auf, man! Sie liebt dich wirklich.", sagte ich freundlich und nickte ihm lächelnd zu.
Irgendwann musste man die Realität akzeptieren, auch wenn man es alles versucht auszublenden.
"Danke!", antwortete Josh immer noch verdattert und ließ mich los.
Ich drückte ihm die Konservendose in die Hand, die ich vorher noch vom Regal geholt hatte und bewegte mich Richtung Kasse, während die beiden anderen noch weitere Sachen suchten.

P.O.V. Annabelle:

Eine weitere Woche später...

Ich hatte keine Ahnung, wieso Wesley mir das angetan hatte. Ich war nicht sauer auf ihn, aber dann irgendwie doch. Dazu lief es mit Joshua alles andere als gut. Schließlich war er auch nicht der vorzeige Sohn und hatte genauso wie andere Probleme und die waren nicht unbedingt klein. Wir stritten genauso und ich verglich ihn nur noch mit Wesley in meinem Gedanken. Deswegen hatten wir jetzt gerade so etwas wie eine Pause (von ihm vorgeschlagen). Wobei wir eigentlich beide wussten, dass das mit uns nie etwas wurde. Es lag nicht daran, dass wir uns nicht mochten, nur hing er auch an einer alten Liebe. Da hatten wir das gleiche Problem und er hatte sich jetzt sowieso erstmal einen Flug nach Dubai gebucht. Laut ihm musste er einfach mal etwas anderes sehen. Mir machte das nicht wirklich etwas aus.
Ich hing oft mit einem Bruder ab und wir unternahmen öfter mal etwas. Mir ging es nämlich jetzt wieder ganz gut.
Jakob hatte jetzt kein Problem mehr mit Wesley, aber dafür fand er Joshua nun schrecklich.
In der Schule sah ich Wesley auch manchmal aber er sah mich nichtmal wirklich an. Meistens starrte er auf seine Unterlagen oder unterhielt sich mit anderen Leuten.
Ganz offensichtlich war er längst über mich, denn ich hatte viel gehört, wen er alles wieder durchgenommen hatte. Mich würde das ja eigentlich kalt lassen, denn ich war nicht der Typ, der jedes Gerücht glaubte, aber so sehr ich versuchte einfach nicht daran zu denken. Es funktionierte gar nicht. Er war überall. In meinem Kopf! Diese Abschlussrede im Laden war jetzt heute genau eine Woche her und ich wusste, dass er mit seinen Worten Recht hatte, aber ich konnte sie nicht in die Tat umsetzen.
Heute hatte ich es aber tatsächlich geschafft meinen Bodyguard von Bruder dazu zu überreden mich mit in den Club zu nehmen. Er meinte zwar ich wäre noch nicht fit genug dafür aber ich hatte es trotzdem irgendwie hinbekommen.
"Du benimmst dich.", warnte er mich, als wir im Auto saßen ungefähr zum fünften Mal.
"Ja, Sir! Mein Gott, ich werde schon nichts dummes anstellen. Du bist nicht Mum.", stöhnte ich genervt von mir.
"Doch, ich habe ihren Platz eingenommen. Ich will dich nur daran erinnern zu welchem Geburtstag ich dich hier mitnehme.", meinte er ebenfalls genervt von mir.
Es hatte jemand Geburtstag? Ich hatte nur gehört, dass heute Party angesagt war.
"Zu welchem denn?"
"Wesleys.", antwortete er und warf mir einem vielsagenden Blick zu.
Das hätte er mir aber auch früher sagen können.

One day you'll understand whyWo Geschichten leben. Entdecke jetzt