Was war nur passiert? Meine Augen schmerzten.
Ich lag auf etwas sehr unbequem. Erinnerungen blitzten auf.
Ich bin durchgedreht und meine Familie hatte sich im Schlafzimmer verschanzt.
Vorsichtig öffnete ich die Augen. Überall lagen Scherben! Ein riesiges Durcheinander.
Ich brauchte echt dringend mal wieder eine Therapiestunde.
Fucking Koks!
Was zum Teufel tat ich hier eigentlich noch? Ich sollte mich aufraffen und zu Annabelle rennen.
Ich brauchte sie. Wie ging es ihr eigentlich?
Doch ein seltsames Gefühl von Scham und Elend überdeckte mich, dass ich sonst eigentlich eher selten kannte.
Schließlich hätte ich sie in den Tod reißen können nur wegen meiner Sturheit.
Verdammt war ich nur ein Idiot! Eigentlich konnte ich mich so nirgends wo mehr blicken lassen, denn das war einfach nur so peinlich.
Sie hatte es nicht verdient, nein! Sie hatte etwas gutes verdient, das beste! Das war ich nun mal nicht und vielleicht war es langsam Zeit das wirklich zu akzeptieren.
Wahrscheinlich hätte ich sie schon damals verlassen sollen, als ich in New York war und mich kein bisschen gemeldet hatte.
Die ganzen Anrufe!
Ich hatte mir immer angehört, was sie mir auf die Mailbox gequatscht hatte.
Jedes einzelne Mal hatte sie geweint. Wegen mir!
Ich hatte sie ignoriert.
Ein Geräusch zog mich wieder in die Realität zurück.
Das Tapsen von Füßen, die langsam die Treppe herunter schlichen.
Es war mein Vater, der mich entdeckte und aus seiner rechten hinteren Hosentasche einen schwarzen Gegenstand herauszog.
Ich konnte es nicht genau sehen, aber der Blick meines Vaters zeigte mir, dass er sich gewaltig vor mir fürchtete.
"Bleib, wo du bist, Wesley!", wies er mich an und zielte mit einer M9 auf mich.
Jetzt bedrohte er mich also mit einer Waffe?
Nicht sein Ernst?!
Es sah lächerlich aus, wie er da nur in einem Schlafanzug vor mir stand.
Eine Schnittwunde an der linken Wange prägte sein Gesicht, aber das Blut war schon längst getrocknet.
Mein Werk!
Ich hob die Hände.
"Dad, ich tue dir nichts!", versuchte ich ihm klar zu machen, aber er nahm die Waffe nicht herunter.
Gott, wie ich Pistolen hasste! Hatte damit echt schon genug Erfahrungen gemacht.
Amerika unso! Selbsterklärend!
"Ich bitte dich nun in dem freundlichsten Ton mein Haus zu verlassen.", ermahnte er mich und kam näher in meine Richtung.
"Dad!", versuchte ich mich bei ihm zu entschuldigen und war dabei über mich selbst erstaunt.
"Geh!", schrie er viel lauter, sodass meine Ohren schmerzten.
Natürlich war meine Aktion alles andere als okay, aber mich mit einer Waffe zu bedrohen war echt etwas überstürzt.
"Oder was? Du erschießt deinen eigenen Sohn.", machte ich mich ein wenig zu sehr über ihn lustig.
Seine Miene verdüsterte sich weiter.
Er nickte stumm.
Achso? Er würde das also wirklich machen.
Ich trat direkt vor ihn und nahm seine Hand mit der Waffe und hielt mir diese an die Stirn.
"Tu es! Komm schon! Ich habe nichts mehr zu verlieren.", zwang ich ihn dazu es endlich zu beenden.
Er würde es machen. Da war ich sicher, aber ich war ein Feigling und wollte es genau so haben. Erstens wäre das der einzige Weg mich ganz von Annabelle fernzuhalten, denn sonst schaffte ich das nicht anders. Sie mit einem anderen zu sehen würde mich dazu bringen mir selbst das Leben zu nehmen, obwohl ich ihr das Glück so sehr gönnte.
Wenigstens waren meine letzten Gedanken dann an sie und es war schön an sie zu denken.
Ihr wunderschönes Lächeln!
Für den Abschluss reichte mir das vollkommen.
Zweitens wollte ich unbedingt, dass es mein Vater tat, denn er war Teil daran, was ich für eine schlimme Enttäuschung geworden war.
Es würde gut werden weg zu sein.
Nur meine Schwester würde ich wohl echt im Stich lassen. Sie war ja noch so klein.
"Ich bin nicht so ein Mensch. Du irrst dich wirklich gewaltig in mir.", behauptete mein Dad, während das Vorderteil der Knarre hart gegen meine Stirn drückte.
Was zu-? War es so schwer mir das Gehirn wegzupusten?
"Ich will mich entschuldigen, Wesley!", kam er plötzlich damit an.
Wie bitte?!
"Wenn du in Frieden kommst, wieso zielst du mit einer verfickten Waffe auf mich?", fragte ich ironisch und lachte nicht aus Freude.
Er ignorierte meine Frage und es herrschte kurz Stille.
"Ich habe einen gewaltigen Fehler gemacht, als ich dich damals zurückgelassen habe. Du warst doch noch so klein. Ich wusste doch nicht, dass sie dich in dieses Irrenhaus schicken.", fing er an zu reden und bei jedem Wort wurde der Kloß in meinem Hals noch größer.
Er legte die Waffe aus den kleinen Wohnzimmertisch oder was davon noch übrig ist.
Tränen bahnen sich einen Weg über meine Wange.
Er soll aufhören!
"Sag das nicht!"
Ich war etwas sehr laut geworden.
"Du hast einen besseren Vater verdient und ich nehme die komplette Schuld auf mich, das du so sehr unter mir leiden musst, Wesley. Ich sollte dir ein Vorbild sein und habe es komplett vermasselt. Ich weiß doch, dass du mir niemals verzeihen kannst für das, was du meinetwegen alles durchleben musstest, und ich kann das nie wieder gut machen, aber vielleicht können wir wenigstens versuchen uns respektvoll gegenüber zu treten. Nicht für mich, tu es für deine Schwestern!"
Mein Puls war zu schnell.
Die Wörter rannten wie eine Endlosschleife durch meinen Kopf.
"Du hast mein Leben zerstört. Du hättest mir helfen sollen.", schrie ich ihn an, aber senkte meine Stimme dann doch ein wenig.
Mein Kopf musste total rot sein und ich heulte wie ein kleines Kind, das über einen Stock gefallen war und sich beide Beine aufgeschürft hatte.
Ich wollte so sehr meine Fäuste benutzen.
"Ich weiß das, aber mache nicht den gleichen Fehler wie ich und kümmere dich um dein Mädchen!", riet mein Vater mir.
Gab er jetzt schon kostenlos Ratschläge?
Leider hatte er auch noch recht.
"Ich weiß", murmelte ich und bewegte mich Richtung Ausgang.
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One day you'll understand why
Storie d'amoreWes trug mich zurück zum Steg und bekam dadurch die Aufmerksamkeit von den meisten. "Fick dich!", schrie ich und schlug ihm auf den Rücken. Keine Chance! "Temperamentvoll ist die Kleine ja schon.", hörte ich eine mir unbekannte Stimme sagen. "Babe...
