schönheitsschlaf

3.2K 69 1
                                        

P.O.V. Annabelle

Es war dunkel. Ein Geräusch hatte mich geweckt. Jemand schrie laut. War etwas passiert? Brannte es oder lief hier vielleicht ein Attentäter herum? Erschrocken erhob ich mich vom Bett und merkte dann erst, dass ich dort alleine lag.
Wieder redete jemand.
Mein Wecker zeigte kurz nach vier, also hatte ich ja nicht wirklich lang geschlafen. Müde schlürfte ich durch den Gang und folgte dem Geräusch. Es kam aus dem Wohnzimmer, von dem Sofa. Ich knipste das Licht nicht an, sondern folgte im Dunklen der Stimme. Sie kam von Wesley, der allerdings immer noch schlief, aber total unruhig.
"Neiiin-warte!", sagte er vor sich hin und drehte sich in die andere Richtung der Coach, die echt unbequem aussah.
"Wes, Hey!", rüttelte ich ihn an der Schulter.
Er war voll nassgeschwitzt. Er griff nach meiner Hand und drückte sie viel zu fest. Seine Brust hob sich viel zu schnell.
"Aua, hör auf!", verlangte er und schlug ins Nichts. Ich rüttelte ihn nochmal.
"Wach auf, Wesley!", verlangte ich nun etwas lauter von ihm.
Er öffnete tatsächlich die Augen. Sie waren weit aufgerissen und er ließ mich verwirrt los, bis er einige Sekunden später merkte, wer ich war.
"Du hast nur schlecht geträumt. Es ist alles gut.", versuchte ich ihn zu beruhigen.
Jetzt verstand ich, was seine Stiefmutter meinte. Seine Haaren waren schweißnass. Wesley vergrub die Hände in seinem Gesicht und murmelte irgendetwas, dass sich wie scheiße anhörte.
"Ich wollte dich nicht wecken, Entschuldigung!", sagte er dann nach einigen Sekunden, in denen er nur geschwiegen hatte.
Er rieb sich die Stelle, an der ich ihn angefasst hatte und stellte sich vor mich.
"Geh wieder schlafen!", befahl er mir und tat so, als wäre nie was gewesen.
Okay? Er hatte mich gerade geweckt von meinem Schönheitsschlaf und konnte mir jetzt also nichtmal sagen, was hier verdankt nochmal los war. Das mit Cassy und ihrem Baby war ein Anfang, aber immer noch viel zu wenig.
Mir fiel ein, dass ich ja noch sprechen konnte. Er hätte mir von seinen Albträumen ruhig erzählen können.
"Und was machst du jetzt?", fragte ich, weil er aufgestanden war und es nicht so aussah, als hätte er vor sich nochmal hinzulegen.
"Weiß nicht, aber schlafen kann ich jetzt nicht mehr.", seufzte er und kratzte sich am Kopf.
"Sieht auch echt ungemütlich aus.", meinte ich und nickte zur Coach.
"Ich komme klar.", meinte er, was nicht wirklich überzeugend klang.
Das Sofa war einfach viel zu klein und ausziehen konnte man sie auch nicht.
"Du kannst auch einfach bei mir schlafen.", schlug ich vor und zeigte in Richtung des Schlafzimmers.
"Ich hab doch gesagt, dass ich klarkomme.", fluchte Wes plötzlich lauter und viel gereizter.
"Lass deine schlechte Laune bloß nicht an mir aus, Scott!", funkelte ich ihn böse an.
"Okay, Mrs. Garcia!", sagte er und macht den Soldatengruß.
"Ich bin eine Ms.", verbesserte ich ihn.
Er schüttelte allerdings Kopf.
"Ich bin nicht verheiratet.", machte ich ihm klar.
"Mal sehen wie lange noch.", grinste er.
Was sollte das jetzt heißen? Wahrscheinlich schaute ich gerade echt verwirrt.
"Ich mache doch nur Spaß. Ich bin nicht der Typ, den du heiraten wirst.", lachte er über mein dummes Gesicht.
Ich verdrehte die Augen.
Ich hatte keine Ahnung, wo wir insgesamt gerade überhaupt standen und wie das weitergehen sollte. Vielleicht sollten wir uns beide auch mal etwas Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, was wir eigentlich wollten, denn ich hielt diese ganzen Streitereien nicht immer aus.
"Kannst du bei mir schlafen?", fragte ich jetzt einfach gerade raus, weil ich nicht wollte, dass er dort auf dem kleinen Sofa Albträume hatte.
Dafür war mein Gewissen einfach nicht in der Lage.
Er sah zu mir herunter.
Ich wusste gar nicht, woher diese Spannung jetzt kam, weil wir doch vorhin Sex hatten. Da hatte sich das doch ziemlich gut gelöst.
Er nickte langsam und nahm sein Kissen.
Dann marschierte Wes mir wie ein Dackel den Weg hinterher ins Schlafzimmer. Ich knipste dort das Licht an, wodurch er laut protestierte, dass ich es bloß schnell wieder ausmachen sollte.
"Fahren wir morgen an den See?", wollte er wissen, als Wesley sich zu mir legte.
Ich zuckte mit den Schultern, bemerkte dann aber, dass er mich gar nicht sehen konnte.
"Können wir machen.", antwortete ich und war etwas überrascht, dass er tatsächlich etwas mit mir unternehmen wollte.
Ich deckte uns beide zu.
Das Bett knarzte, als er sich zu mir umdrehte.
Sein Gesicht lag nicht weit weg von meinem.
"Ich vermisse dich.", sagte er und ertastete mein Gesicht, strich über meine Wange.
Ich schwieg.
Er hasste die Stille und das wusste ich. Erst nachdem er laut ausgeatmet hatte, merkte ich eigentlich, dass sein Gesicht genau vor meinem lag. Seine Hände berührten fast meine. Er wollte, dass ich etwas sagte und ich wollte, dass er etwas sagte. Ich musste dauernd daran denken, dass ich es schon wieder getan hatte, obwohl er mir wehgetan hatte. Das vorhin hätte nicht passieren dürfen, auch wenn ich es gewollt hatte. Die ganzen anderen Mädchen! Es tat einfach zu sehr weh. Trotzdem lag er jetzt dösend neben mir. Vermutlich sollte ich konsequenter sein, aber es war seine Wohnung. Ich konnte nicht nach Hause. Da konnte ich ihm nicht Sachen verbieten, die ihm eigentlich zu standen, wie in seinem Bett zu schlafen. Allerdings tat er das meiste sowieso schon, ohne dass ich überhaupt etwas sagen musste. Ich glaubte Wesley war eingeschlafen und deswegen schloss ich nun auch endlich die Augen.
Von wegen er würde jetzt nichtmehr schlafen können!

Danke für die Titelidee @ellvsue

One day you'll understand whyGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt