Dann tat sie etwas, was ich nichtmal ansatzweise gedacht hätte. Sie zog mich am Arm zu sich und küsste mich einfach, als wäre es ganz normal. Naja, also eigentlich war da noch ihr Dad! Etwas verwirrt war ich schon, als sie mich dann wieder los ließ.
Sie lächelte warm, so nach dem Thema es ist alles gut.
War es das? Das musste sie wissen.
Ich machte zum Abschied noch eine komische Handbewegung und verließ dann noch ohne etwas zu sagen den Raum.
P.O.V. Annabelle
"Also? Wozu bist du hergekommen? Sicher nicht, um mich mal zu besuchen.", fragte ich meinen Dad auf Spanisch, als Wes den Raum verlassen hatte.
"Hija!"
"Nein!", unterbrach ich ihn.
"Ich möchte, dass du wieder nachhause kommst.", sagte er und klang dabei traurig.
Ich lachte spöttisch.
"Ich fühle mich hier wohl. Wesley passt auf mich auf.", versicherte ich ihm, obwohl das nicht ganz stimmte.
"Du kennst doch diese Familie, Annabella!", behauptete er und seufzte.
Mein Dad kannte die Gerüchte, die es über Wesleys Familie gab, aber nicht wie sie wirklich waren.
"Was hat das mit Wes zu tun? Er ist nicht wie sein Vater.", verteidigte ich ihn und wusste nichtmal wieso.
Natürlich war er wie sein Dad. Zwar nicht genau gleich! Aber er hatte viel von ihm und das wusste ich, obwohl ich ihn erst einmal gesehen hatte und dabei hatte er nicht viel geredet.
"Ich möchte auf meine Tochter aufpassen. Deine Mutter hätte es sicher nicht gewollt, dass du hier mit so einem Kerl abhängst, der nichts auf die Reihe bekommt. Annabella! Mach doch die Augen auf!", fuhr er mich auf Spanisch an und wurde etwas lauter, sodass Wesley es sicher hören konnte und der würde es verstehen.
"Du wagst es nicht Mum da mit reinzuziehen.", schrie ich dreimal lauter als er.
Selbstverständlich war er viel zu weit gegangen.
"Wer hat dich dazu angestiftet hierher zu kommen? War es mein Bruder, nein nein! Es war Josh."
Mein Vater nickte stumm.
"Du würdest nämlich nie auf die Idee kommen nach mir zu suchen. Hast du überhaupt gemerkt, dass ich weggegangen bin? Sicher nicht! Es war dir gleichgültig. Aber dann kommst du hierher und willst mich von jemanden trennen, der mich versteht. Du wagst es nach diesen Monaten, in denen du dich nie um mich gekümmert hast, mir zu sagen, was ich zu tun habe? Ich glaub ich spinne!", brüllte ich ihn fuchsteufelswild an, wozu ich meiner Meinung nach jeden Grund hatte.
"Du bist wie deine Mutter, hija!", war sein einziger Kommentar dazu.
"Logisch! Sie hat mich ja auch aus ihrer Gebärmutter gepresst.", erwiderte ich energisch und aufgebracht.
"Ich will dich doch nicht zwingen ihn nie wieder zu sehen. Es wäre nur schön, wenn du einfach wieder nach Hause kommst.", sagte mein Vater plötzlich in Seelenruhe.
Ich atmete laut aus.
"Er soll sich entschuldigen bei mir."
"Wer denn?", wollte mein Dad wissen.
"Jakob.", antwortete ich, als wäre das selbstverständlich.
"Ich kann ihn nicht dazu zwingen. Du musst selbst mit ihm reden.", meinte mein Vater.
Das hatte ich tatsächlich schon versucht. Mehrmals!
"Ich weiß, aber er will nicht mit mir sprechen."
Ich wusste nicht genau, auf wen ich gerade am meisten sauer sein sollte.
Auf meinen Zwillingsbruder, der meinem Dad alles erzählt hatte!
Oder Josh, der meinen Vater dazu angestiftet hatte, hierher zu kommen! Ich würde wetten, dass er schlechte Sachen über Wesley verbreitete. Irgendwann war ja auch mal gut. Natürlich verstand ich, dass er verletzt war, aber das ging dann doch etwas zu weit.
Mein Vater trank von seinem Glas.
"Er wird sich schon wieder abregen.", bekräftigte er dann und gähnte.
"Ich weiß, dass ich im Moment nicht wirklich im Stande bin dir das zu zeigen, aber, Annabella, du bist mir so wichtig.", wechselte er das Thema und griff über dem Tisch nach meiner Hand.
Sie war warm.
Ich nickte nur stumm.
Es war ein Tag seit langem, an dem ich mich mal wieder gut fühlte. Als würde mir alles von den Schultern fallen!
"Ich habe Jakob und seine Freundin Vanessa zum Essen eingeladen. Übermorgen, 18:30! Also wenn ihr kommen wollt, ihr seid herzlich eingeladen."
Hatte mich mein Vater wirklich eingeladen? Zum Essen!
"Ich? Mit Wesley?", stotterte ich vor mich hin, weil mich das mehr als nur überraschte.
Er nickte.
"Ja, also...wir kommen gerne.", sagte ich immer noch ein wenig aus dem Konzept.
"Gut, das freut mich wirklich sehr, Annabella! Vielleicht verträgst du dich ja dann wieder mit deinem Bruder."
"Ich weiß ja nicht!", sagte ich und hatte dabei nicht wirklich Hoffnung.
"Stell dir einfach mal vor, wie du an seiner Stelle reagieren würdest!", überlegte mein Vater, dass ich mich besser mal darüber Gedanken machen sollte.
Er gähnte wieder.
"Vielleicht solltest du mal ins Bett!", schlug ich ihm vor, da er sehr fertig aussah.
"Ja, aber ich wollte vorher noch unbedingt mit dir reden.", behauptete mein Dad und lächelte sanft.
"Danke, dass du es gemacht hast.", erwiderte ich genauso lächelnd und erhob mich.
Er tat es mir gleich.
"Adiós, Annabella!", sagte er zum Abschied und nahm ich dann einfach in den Arm.
Es war komisch, so ungewohnt.
Dann blickte ich ihm nach, wie er die Küche verließ und wenig später hörte ich die Wohnungstür zuschlagen.
Keine zwei Sekunden später erschien Wesley. Er lehnte da am Türrahmen, sowie er es immer tat.
"Ist alles okay, Annabelle? Geht's dir gut?", fragte er und klang dabei sehr besorgt.
Ging es mir das wirklich?
"Wir sind übermorgen eingeladen bei meinem Dad.", sagte ich monoton, da ich noch etwas Zeit brauchte, um das, was gerade passiert war, zu verarbeiten.
"Ich kann nicht."
War ja klar!
"Kann man dich nicht übermorgen Abend buchen als Freund oder so?"
Ich war aufgebracht aber zu erschöpft, weshalb ich jetzt so eine sarkastische Scheiße von mir gab.
"Ich habe nur mittags etwas vor.", fiel ihm ein und er schien etwas mit sich zu Ringen, weil er nicht so ganz wusste, ob er jetzt näher zu mir kommen sollte oder nicht.
"Können wir vergessen, was heute passiert ist?", wechselte ich das Thema und spielte auf die Tatsache an, dass wir schon wieder zu weit gegangen waren.
"Meinst du den Vorschlag, dass du mir einen bläst und ich dir dann vergebe?", zog er das Ganze etwas ins Lächerliche.
Arschloch.
"Den Sex meine ich, Wesley!"
"Wenns dich glücklich macht, werde ich das wohl tun.", seufzte er und fasste sich an die Stirn.
Ich murmelte ein leises "Danke" heraus.
"Ich penne auf der Coach.", gähnte er müde und verließ den Raum.
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One day you'll understand why
RomanceWes trug mich zurück zum Steg und bekam dadurch die Aufmerksamkeit von den meisten. "Fick dich!", schrie ich und schlug ihm auf den Rücken. Keine Chance! "Temperamentvoll ist die Kleine ja schon.", hörte ich eine mir unbekannte Stimme sagen. "Babe...
