(46) Einmal, als wir die Füße in den Sand steckten

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Mittwoch, 05.06
Pov Lena
Mittlerweile waren wir nach vierzig Minuten Fahrt am See angekommen. Der Badebereich war als Plaza Przyjezierze ausgeschildert, was ich allerdings weder aussprechen noch verstehen konnte, ohne dass Mark den Übersetzer spielte. Also folgte ich einfach den anderen und vertraute darauf, dass sie uns an den richtigen Ort brachten, da wir noch etwas weniger als zehn Minuten den Wegweisern folgen mussten. Fazit: ohne die anderen wäre ich dermaßen aufgeschmissen und wahrscheinlich nie angekommen. Polnisch war wirklich eine komplizierte Sprache, wenn man sie nicht kannte.
„Wow", entfuhr es mir dann aber, als wir endlich angekommen waren und Mark sah lächelnd über seine rechte Schulter zu mir, da ich etwas hinter ihm gegangen war. Kurz wartete er, bis ich zu ihm aufgeschlossen hatte und legte seinen Arm um meine Schultern und wir folgten schweigend seiner Familie, bis diese einen scheinbar geeigneten Platz im Halbschatten gefunden hatte.
„Ich war früher echt oft hier. Die letzten Jahre eher selten bis gar nicht, aber irgendwie ist es immer ganz schön hierherzukommen, weil einen hier keiner kennt", sagte Mark, während wir mit unseren Sachen zu seiner Familie aufschlossen, die bereits dabei waren, ihre Sachen auszubreiten.
„Außerdem finde ich es schön, dass du dieses Mal dabei bist", ergänzte Mark ein wenig verlegen, was mich rot werden ließ. Das konnte er zum Glück nicht so wirklich erkennen, da die Sonne ganz schön blendete und er seine Augen zusammenkneifen musste, wenn er mich ansah.
„Ich finde es auch schön, hier mit dir und deiner Familie zu sein", antwortete ich mit einem ehrlichen Lächeln.
Kaum dass wir unsere Strandtücher, die seine Mutter uns noch gegeben hatte, da wir logischerweise keine aus Berlin mitgenommen hatten, ausgebreitet hatten, sprang Marks Schwester bereits wieder auf.
„Wer kommt mit ins Wasser?", rief sie, weshalb Mark mich fragend ansah. Es war mittlerweile schon ziemlich heiß und es ging auf die dreißig Grad zu, obwohl es erst Mittag war und somit nickte ich, weshalb auch Mark und ich aufstanden. Er zog sich schnell sein T-Shirt über den Kopf und seine Hose aus. Innerlich grinste ich. Er sah schon echt gut aus, nur in seiner Badehose und war trainierter, als ich es noch vor ein paar Monaten gedacht hätte. Wie gerne ich jetzt meine Hand über seine Bauchmuskeln streichen lassen würde...
Erschreckt von meinen eigenen Gedanken, verdrängte ich diesen schnell wieder. Innerlich schüttelte ich meinen Kopf darüber, dass ich diesen Gedanken überhaupt hatte. Erstens waren wir nur beste Freunde, auch wenn wir gemeinsam Eltern werden würden und ich durchaus mehr an ihm hing als ich vielleicht sollte, und zweitens war seine gesamte Familie anwesend. Eindeutig kein guter Zeitpunkt für solche Gedanken.
Stattdessen zog ich mir mein dunkles Sommerkleid mit den kleinen Gänseblümchen darauf, welches ich für heute ausgesucht hatte, aus und ehe ich mich versah, griff Mark nach meiner Hand und lief mit mir Richtung See, seiner Schwester hinterher. Es tat unglaublich gut, den warmen Sand unter seinen Füßen zu spüren, sowie Marks Hand in meiner. Seine Familie blieb nur lächelnd, den Kopf über uns schüttelnd, zurück.
Lachend kamen wir am Wasser an und gingen etwas langsamer in den See hinein. Das Wasser glitzerte nur so in der Sonne. Es war nicht eiskalt, allerdings auch nicht sonderlich warm, weshalb ich einen Moment länger brauchte als Mark und Natalie, mich an das Wasser zu gewöhnen.
„Na komm", rief Mark mir lachend zu, während er und seine Schwester bereits schwammen. Daraufhin ging ich noch ein paar kleinere Schritte in den See hinein, ehe ich mich überwinden konnte und auf die beiden zu schwamm.
„Da bist du ja endlich", sagte Mark neckend, als ich bei ihm ankam. „Ey", versuchte ich mich zu verteidigen. „So viel länger als ihr habe ich jetzt auch nicht gebraucht." Mark lachte darüber allerdings nur.
„Ne, war ja auch nur ein Spaß", grinste er.
„Ich weiß", sagte ich schmunzelnd und schlang meine Arme um seinen Nacken, da er hier stehen konnte und ich nicht. Mark hob mich daraufhin hoch und plötzlich waren wir uns ganz nah. Fast schon hätten wir vergessen, dass Natalie auch noch bei uns war.
„Hey, ihr Turteltäubchen! Ich bin auch noch da", machte Natalie neckend auf sich aufmerksam und spritzte Wasser auf uns, sodass meine Haare, welche ich erst gestern noch geglättet hatte, nass wurden. Mein Gesicht lief ein wenig rot an und auch Mark blickte verlegen zu Natalie. Uns war das sichtlich unangenehm und wir lösten uns unmittelbar wieder voneinander. Unsicher warf ich Mark einen kurzen Blick zu, welchen er flüchtig erwiderte.
„Das war ein Scherz", lachte Natalie, doch uns war die Situation trotzdem immer noch unangenehm. Vielleicht konnte ich den Gedanken von vorhin doch nicht so ganz verdrängen...
Das ist doch scheiße. Ich fing wirklich an, mehr zu empfinden, für meinen besten Freund und den Vater meines Kindes. Das durfte einfach nicht passieren. Doch so langsam glaubte ich, es war schon zu spät, mich nicht in ihn zu verlieben...
Ein wenig blieben wir noch im Wasser, aber nicht allzu lange.
„Ich würde mich gerne ein bisschen sonnen. Ist es okay, wenn ich mich mit dem Handtuch ein wenig entfernt in die Sonne lege?", fragte ich Mark, welcher nickte.
„Natürlich. Darf ich mitkommen?" Ich nickte ebenfalls und nahm mir mein Handtuch und ging schon einmal ein Stück voraus. Ein wenig abseits des Hauptstrandes breitete ich mein Handtuch aus und setzte mich. Ich streckte mein Gesicht einen Moment der Sonne entgegen und schloss für ein paar Sekunden die Augen. Lächelnd beobachtete ich anschließend Mark, der mir gefolgt war und nun sein Handtuch neben meines legte.
„Hey", sagte ich schmunzelnd und eigentlich unnötigerweise zu ihm.
„Hey", erwiderte er sanft und ich musste leise lachen. Die Atmosphäre zwischen uns war anders. Irgendwie vertrauter als, wenn seine Familie dabei war. Ich legte mich auf den Rücken und schloss entspannt die Augen.
„Es ist richtig schön hier", murmelte ich.
Plötzlich spürte ich Marks Hand auf meinem nackten Bauch.
„Du bist schön", murmelte er und ließ seine Hand sanft auf meinen Bauch wandern. Überrascht und lächelnd öffnete ich die Augen und stützte mich auf meine Unterarme.
„Kaum zu glauben, dass da ein kleines Wesen drin ist, dass zu uns gehört, oder?", fragte Mark verträumt und bewegte seine Hand sanft streichelnd über meinen Bauch. Ich nickte, zu mehr war ich nicht in der Lage. Mich überkam eine Gänsehaut und ich war mir sicher, dass er das bemerkte, weil er schmunzelte.
Als er diese Bewegung stoppte, verweilte seine Hand auf meinem Bauch und ich legte reflexartig meine Hand auf seine.
„Wir sind einfach bald eine Familie", hauchte ich ungläubig. Mark nickte. Erst jetzt merkte ich, dass er extrem nah neben mir lag und ich spürte zusätzlich zur generell schon hohen Temperatur, durch die pralle Sonne, seine Körperwärme rechts von mir. Ich drehte mich auf die Seite, um ihn besser anschauen zu können, sodass seine Hand von meinem Bauch rutschte. Dadurch konnte ich ihm direkt in seine tiefblauen Augen schauen, welche eine unglaubliche Tiefe hatten, die mir ein Gefühl von Sicherheit gab. Sicherheit und Geborgenheit.
Mein Herz schlug von einer auf die andere Sekunde plötzlich ein wenig schneller. Da konnte ich nicht anders, als den Gedanken von vorhin wieder aufzunehmen, mich zu ihm zu lehnen, und ihn sanft zu küssen.

Sorry, für den cut. Der war nicht wirklich beabsichtigt 😅

Dieses Licht, Wie Du AussiehstGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt