(62) Mir fallen die Augen zu beim Reden

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Sonntag, 16.06
Pov Lena
Nachdem wir den Samstag noch mit Natalie und Marks Mutter verbracht hatten, waren wir am Sonntag relativ früh aufgestanden, um noch etwas Zeit mit ihnen verbringen zu können, bevor wir losfahren wollten. Irgendwann war es dann aber auch Zeit und wir machten uns nach dem Frühstück auf den Weg zurück nach Hause.
„Ich freue mich auf Kiwi", schwärmte ich, als wir auf die Autobahnauffahrt nach Berlin nahmen. Ich war glücklich und ein leises Lächeln schlich sich auf meine Lippen.
„Das kann ich gut verstehen. Durch unsere Jobs siehst du sie ja sowieso schon öfter tagelang nicht und dann auch noch in deiner freien Zeit nicht", gab Mark mir sein Verständnis. Ich nickte und seufzte. So schön die Arbeit auch war, oft wachte man morgens auch auf und wollte einfach nur zu Hause bleiben, anstatt die nächsten Tage quer durch Deutschland zu reisen. Aber das waren nun mal die Schattenseiten, die es überall gab und solange es mir Spaß machte und ich mich nicht selbst dabei vergaß, war das auch alles in Ordnung.
„Es hat sich aber gelohnt", lächelte ich glücklich. „Da kann ich Kiwi ruhig mal ein paar Tage länger bei ihrer Sitterin lassen." Mark lachte, wurde dann aber wieder ernst.
„Ich fand es wirklich sehr schön, dass du mitgekommen bist." Ich blickte zu ihm, gerührt, dass er mich die Tage gerne bei sich gehabt hatte, obwohl die Tage mit seiner Familie ihm so viel bedeuteten, so kostbar waren.
„Ich habe zu danken, dass du mich gefragt hast und mich aus meinem beruflichen Stress befreit hast", lachte ich. „Mir hat es richtig gut getan, also Danzig und die Zeit bei deiner Familie. Ich bin froh, dass sie jetzt schon Bescheid wissen und es letztendlich ja gut aufgenommen haben." Als ich zu Mark blickte, nickte er.
„Und ich erst", lachte er erleichtert. Ich lehnte mich zurück und seufzte.
„Hast du die nächste Zeit jetzt eigentlich Stress, weil du mitgekommen bist, oder geht es?", fragte Mark fürsorglich und legte für einen Moment seine Hand auf meinen Oberschenkel.
„Es geht eigentlich. Bella hat da einige Kompromisse gemacht. Viele der Termine wurden verschoben und sind jetzt nur noch Videokonferenzen, weil sich das so schneller nachholen lässt. So richtig anstrengend sind in den nächsten Wochen nur noch das The Voice Finale und eine TV-Sendung, wobei die aber erst im August ist. Ansonsten ist es recht entspannt, also Studio, Büro und so. Und wie sieht es bei dir so aus?" Mark seufzte.
„So schlimm?", lachte ich und sah ihn bemitleidend an. Immerhin gab es in unserem Beruf immer mal wieder Phasen, wo es ruhig war und wiederum Phasen, wo es mehr als stressig zuging.
„Schlimm wäre übertrieben, aber...", begann er.
„Immer alles herunterspielen, der typische Forster", unterbrach ich ihn und lachte, wusste, dass Marks Terminkalender oft so voll war, dass ich persönlich völlig überfordert damit wäre. Marks lautes Lachen brachte mich zum Lächeln.
„Dieses Mal geht es wirklich. Ich bin ähnlich wie du in einer Studiophase und hab dementsprechend eher weniger andere Termine und wenn, dann sind das eher kleinere und kürzere Meetings. Falls ich mal in einer anderen Stadt bin in den nächsten Wochen, dann eher ein oder zwei Tage", erklärte er dann.
„Sehr schön, dann hast du viel Zeit, die du mit mir verbringen kannst", grinste ich, mit der Intention Mark zum Lachen zu bringen. Genau das funktionierte auch.
„Nichts lieber als das", sagte er und blickte kurz zu mir, ehe er sich wieder auf die Straße konzentrierte und wir in ein Schweigen verfielen. Mir gefiel es, wie wir waren. Das, was sich da zwischen uns entwickelte. Es machte mich unglaublich glücklich.
Natalie fuhr dieses Mal nicht mit uns, sondern mit ihrer Tante, demnach waren wir ganz unter uns.
Von den monotonen Geräuschen des Autos auf der Autobahn schlief ich irgendwann ein und verschlief eine gute Stunde.
„Guten Morgen", sagte Mark sanft lachend, als ich langsam die Augen öffnete und der Sonne entgegen blinzelte, und drehte sich zu mir.
„Morgen", lachte ich müde. Erst jetzt bemerkte ich, dass wir standen. Auf einem Rastplatz, wie ich bemerkte, als ich mich langsam etwas weiter aufsetzte, sodass ich mich umblicken konnte.
„Wir müssen noch knapp eine Stunde fahren, aber der Tank war nicht mehr so voll und ich wollte lieber hier tanken als mitten in Berlin", erklärte er, was mich lächeln ließ. Das war typisch Mark.
Der praktischste Weg wurde systematisch nach dem Abwägen aller Möglichkeiten ausgewählt. Ich war da eher das Gegenteil. Überlegen tat ich zwar auch viel, aber die meisten Entscheidungen traf ich intuitiv und häufig spontan.
Ich nickte. „Okay."
Ich lächelte, ehe sich Mark zu mir herüberbeugte und mich sanft kurz küsste, ehe er die Tür öffnete, um den Wagen tanken zu gehen. Ich ließ das Fenster herunter und spürte sofort die warme Luft, die von außen gegen mein Gesicht pustete. So ganz angenehm war sie nicht, schließlich standen wir neben einer Zapfsäule, aber immerhin angenehm warm.

„Was machst du die nächsten Tage so?", fragte Mark, als er zurückkam und den Wagen auf das letzte Stück der Autobahn bis nach Berlin lenkte. Ich zuckte jedoch mit den Schultern.
„Keine Ahnung. Bella und ich wollten morgen Nachmittag zum Yoga gehen. Ansonsten bin ich relativ frei, abgesehen von den ohnehin wenigen Büro- und Studioterminen", erklärte ich und bemerkte zufrieden, dass ich die Tage wirklich viel Zeit für mich hatte und das, obwohl ich mir die zwei Wochen komplett freigenommen hatte.
„Das klingt gut, aber übertreib es nicht", merkte Mark an. Mir war bewusst, dass er das nicht sagte, um mich zu nerven, sondern, weil er wollte, dass es mir gut ging. Und genau aus dem Grund musste ich auch sofort lächeln.
„Mache ich nicht. Bella meinte, sie hat leichtes Yoga herausgesucht, das auch extra für Schwangere geeignet ist, aber halt nicht nur", lächelte ich. Mir war durchaus bewusst, was für ein Glück ich mit meinem Umfeld hatte. Alle meine engsten Bekannten wollten nur das Beste für mich, so wie ich für sie.
„Ich glaube, ich falle gleich in Berlin einfach nur noch ins Bett. Schnell was essen und schlafen, das klingt toll", murmelte ich und schloss genüsslich die Augen.
„Hey, nicht wieder einschlafen", ermahnte Mark mich lachend. „Sonst schlafe ich auch gleich ein, weil wir schweigen, und wir bauen einen Unfall und gehen drauf." Ich lachte. Das war so typisch Mark. Immer einen blöden Spruch auf Lager. Ich nickte allerdings.
„Okay, das sollte ich schaffen. Sind ja nur noch vierzig Minuten."
Wir unterhielten uns also die restliche Fahrt etwas, wobei ich bemerkte, dass ich immer müder wurde und mir die Augen ab und zu fast schon zufielen.

An meiner Wohnung angekommen, trug Mark mir meinen Koffer noch nach oben und zog mich abschließend in eine innige Umarmung.
„Wir schreiben die Tage?", wollte er sichergehen und ich nickte sofort. Daraufhin verabschiedeten wir uns und ich schlürfte müde in die Küche, um mir noch was zu essen zu suchen. Schnell machte ich mir einfach noch eine Tiefkühlpizza, die ich im Eisfach gefunden hatte, ehe ich nach dem Essen in mein Bett fiel.
Es war komisch, nach den zwei Wochen mit Mark, wieder alleine zu sein. Die Wohnung wirkte so seltsam leer, so still. Ich konnte es kaum glauben, aber ich vermisste Mark und seine Art jetzt schon...
Aber wer weiß, wie lange das noch so bleiben sollte. Morgen würde ich zumindest erstmal Kiwi abholen und dann sahen wir weiter.
Es war erst kurz vor neun, aber ich war wirklich todmüde und schlief dementsprechend sofort ein.

Dieses Licht, Wie Du AussiehstGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt