Donnerstag, 23.05
Pov Lena
Mark nickte und so gingen wir ins Wohnzimmer und setzen uns auf die Couch. Er schaute mich erwartungsvoll an, aber ich brachte es einfach nicht zustande, auch nur ein Wort über die Lippen zu bekommen.
„War der Song für wen bestimmtes? Warum hast du mir denn nichts erzählt?", fragte er stattdessen vorsichtig und brach damit die Stille.
„Das ist erstmal nebensächlich", antwortete ich leise, musste mich räuspern. Jetzt gab es kein Zurück mehr, ich musste mit ihm reden. Ich atmete ein letztes Mal tief durch. Ich konnte das schaffen.
„Mark, ich bin schwanger", war es dann endlich draußen, er wusste Bescheid.
„Herzlichen Glückwunsch", lächelte er. Mein Blick schnallte zu ihm, verständnislos schaute ich ihn an. Dann verstand ich.
„Von dir", schob ich leise hinterher. Sprachlos starrte er mich an. Genau so eine Reaktion hatte ich mir vorgestellt. Es fehlte nur noch, dass er aufstand und ging. So wie letztes Mal.
Schon wieder merkte ich, wie sich eine Träne auf den Weg über meine Wange machte. Konnte er nicht einfach irgendetwas sagen? Diese Stille brachte mich um.
„Wie lange weißt du das schon?", fragte er und schluckte. Ich senkte den Blick.
„Zweieinhalb Wochen...", antwortete ich leise, während ich neben ihm her aus dem Fenster starrte und lautlos weinte.
„Verdammt, Lena. Wie konntest du mir zweieinhalb Wochen rein gar nichts sagen?", fragte er nun aufgebracht. „Ich bin genauso daran beteiligt wie du. Wie konntest du mir das Verschweigen?"
Ich merkte, dass er mich anstarrte und auf eine Antwort wartete. Ich konnte ihn nicht ansehen und war nicht in der Lage dazu, ihm die Antwort zu geben, die er verdiente. Ich war mir selbst nicht sicher, warum ich so lange geschwiegen hatte. Ich wusste von Anfang an, dass es falsch war und hatte es doch getan. Wie gelähmt saß ich auf dem Sofa. Die Tränen liefen lautlos über mein Gesicht und mein Blick ging starr aus dem Fenster.
„Lena? Wann hattest du vor, mir das zu erzählen? Wenn das Baby da ist vielleicht?", fragte er und war sichtlich sauer. Endlich erwachte ich aus meiner Starre. Ich schüttelte den Kopf.
„Es ging...", meine Stimme versagte. Ich schluchzte und versuchte es sofort erneut. „Ich wollte es dir ja eher sagen, aber es ging einfach nicht", murmelte ich.
„Wie, es ging nicht? Du konntest mir nicht sagen, dass ich Vater werde?", hörte er nicht auf, nach Antworten zu fordern, die ich ihm nicht geben konnte.
„Wahrscheinlich weißt du nicht mal genau, ob ich Vater werde oder Basti. Könnte er es nicht auch sein? Oder gibt es da noch wen, von dem du mir auch nichts erzählt hast?", feuerte er sofort weiter. Geschockt starrte ich ihn an. Was dachte er von mir?! Dass zig verschiedene Typen infrage kämen?
Als Mark meinen Gesichtsausdruck sah, schien er zu begreifen, was er gerade gesagt hatte, und atmete tief durch.
„Sorry, du weißt, dass ich das nicht so gemeint habe. Ich stehe unter Schock. Das... Das ist keine kleine Sache, sondern was Großes", sagte er sofort entschuldigend.
„Schon gut", sagte ich, war zwar verletzt, wollte die Situation aber nicht noch schlimmer werden lassen.
„Ich kann dir versichern, dass nur du als Vater infrage kommst. Als ich es Basti vor ein paar Tagen erzählt habe, hat er mir gebeichtet, dass er einen Test gemacht hat und keine Kinder bekommen kann", klärte ich ihn auf.
Mark knetete seine Hände, wie er es oft tat, wenn er nervös war und fuhr sich anschließend mit einer Hand über den Kopf. Er schien verwirrt. Schließlich hatte er gedacht, dass zwischen uns wieder alles wie vorher wäre. Aber nichts war wie vorher, diese eine Nacht hatte alles verändert. Wir bekamen ein Baby. Wir beide, zusammen.
„Mark, es tut mir wirklich leid, dass ich es dir nicht früher gesagt habe, aber irgendwie fühlte sich alles noch so surreal an und ich musste das erst mal selber begreifen, bevor ich mit dir und auch Basti überhaupt sprechen konnte", versuchte ich mich zu erklären.
„Schon gut, aber ich muss das jetzt auch erst mal verarbeiten... Kann ich dich alleine lassen und mich in ein paar Tagen wieder bei dir melden? Ich werde natürlich für das Baby da sein", meinte er, immer noch sichtlich durch den Wind. Das beruhigte mich auf jeden Fall schon mal. Aber wie hatte ich auch je daran zweifeln können, dass er sich nicht bedingungslos um sein eigenes Kind kümmern würde.
„Ja, klar, ich komme zurecht. Lass dir Zeit, wenn dir das hilft, und es tut mir wirklich leid, dass ich es dir nicht früher gesagt habe."
„Schon gut, ich kann dich ja irgendwie verstehen. Du warst genauso geschockt, wie ich es gerade bin", lächelte er unsicher.
„Ich gehe dann jetzt, Leni. Pass auf dich auf und ich melde mich bei dir."
Wir standen vom Sofa auf und ich begleitete ihn zur Tür. Dort zog er seine Schuhe und Jacke an und umarmte mich zum Abschied. In mir kribbelte es schon wieder unglaublich, aber das durfte ich nicht zulassen. Ich musste das wieder wegbekommen. Das war jetzt wohl mehr als fehl am Platz.
„Wir schaffen das zusammen. Ich bin auf jeden Fall für dich da, also für euch. Das klingt so unwirklich", sagte Mark, bevor ich ihm zulächelte und er die Wohnung verließ.
Ein wenig geschafft ließ ich mich aufs Sofa fallen und atmete tief ein und aus. Nun wusste er also Bescheid.
Ich beschloss, Bella anzurufen und ihr die Neuigkeiten mitzuteilen. Vielleicht würde ich auch noch meine Mama anrufen, sie sollte ja mittlerweile auch zu Hause sein.
„Hey Leni, was gibt's?", fragte Bella gut gelaunt durchs Telefon.
„Hi, ich habe mit Mark geredet", antwortete ich direkt.
„Echt? Wie hat er reagiert?", fragte Bella und klang überrascht, dass ich es ihm heute noch erzählt hatte.
„Er hat eigentlich echt super reagiert. Erst war er sauer, weil ich nicht mit ihm geredet habe, aber dann meinte er, er bräuchte jetzt ein paar Tage, um das zu verarbeiten, aber dann würde er sich melden und er ist auf jeden Fall für mich und das Baby da", fasste ich das Gespräch möglichst präzise zusammen.
„Na, siehst du, das ist doch super! Dann hätte er doch eigentlich kaum besser reagieren können, oder? Aber sag mal, wie ist es dazu gekommen, dass du es ihm heute gesagt hast?"
„Ne, es hätte wirklich schlechter laufen können. Und zu der zweiten Frage, also, ich dachte, ihr wärt alle gegangen vorhin und ich habe mich ein bisschen ans Klavier gesetzt und ein bisschen vor mich her geklimpert, weil es mir irgendwie nicht so besonders ging. Dann wollte ich gerade wieder ins Wohnzimmer gehen und dann stand Mark noch im Türrahmen. Er schien wohl nicht mit euch mitgegangen zu sein und war wahrscheinlich auf der Toilette, als ihr gegangen seid, keine Ahnung. Auf jeden Fall hatte ich dann im Gefühl, dass ich es ihm jetzt sagen musste und es hat dann ja auch super funktioniert."
Nachdem ich es dann Bella erzählt hatte, rief ich noch eben meine Mutter an, auch um zu fragen, ob sie gut angekommen war.
„Hi, bist du gut zu Hause angekommen?"
„Ja, bin ich", lächelte sie sanft in die Kamera.
„Ich habe mit Mark geredet. Er weiß zwar nichts von meinen Gefühlen, aber er weiß jetzt, dass ich schwanger von ihm bin und er hat super reagiert. Er braucht jetzt nur ein wenig Zeit zum Realisieren."
„Na, das ist doch super, Leni. Und die Zeit zum Realisieren hast du ja auch gebraucht."
„Stimmt", bestätigte ich lächelnd.
„Du Lena, nimm es mir nicht übel, aber ich bin echt müde von der Autofahrt."
„Ok, dann legen wir jetzt auf. Schlaf gut."
„Du auch, Mäuschen. Und denk dran, alles wird gut. Er weiß ja jetzt Bescheid."
Finally, they talked!!☺
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Dieses Licht, Wie Du Aussiehst
FanfictionMark war nun schon seit ein paar Monaten von seiner Freundin getrennt und seine Motivation, irgendetwas außerhalb des normalen Alltags zu machen, hielt sich in Grenzen. Lena ging es eigentlich recht gut in ihrer Beziehung, doch sie konnte ja nicht w...
