Samstag, 24.08
Pov Lena
„Hallo, schön dich mal wiederzusehen", wurde ich sofort von Marks Familie herzlich begrüßt, sobald wir die Location betraten. Sofort fühlte ich mich wieder wie in Polen, wohl und aufgenommen.
„Freut mich auch sehr", erwiderte ich und umarmte Marks Mutter mit einem breiten Lächeln.
„Wie weit bist du mittlerweile?", fragte sie und staunte ebenfalls nicht schlecht über meinen mittlerweile deutlich sichtbaren Bauch.
„Zwanzigste Woche", lächelte ich.
„Halbzeit!", jubelte Mark neben mir, was uns alle lachend die Augen verdrehen und den Kopf schütteln ließ. Spielerisch schlug ich ihm gegen die Brust, was ihn nur noch mehr zum Lachen brachte.
„Hast du ihnen eigentlich schon gesagt, dass wir jetzt zusammen sind?", fragte ich ihn leise, sodass nur er es hören konnte. Darüber hatte ich bisher komischerweise nicht nachgedacht und wir hatten nicht darüber geredet und ich empfand es als besser, vorher Bescheid zu wissen, als in unangenehme Situationen zu geraten. Mark schüttelte allerdings den Kopf.
„Aber gleich", lächelte er und wandte sich schon wieder seiner Mutter zu.
„Mama?", fragte er und wartete darauf, dass die Angesprochene sich ihm zuwendete. Ungläubig sah ich Mark an, konnte nicht glauben, dass er es jetzt einfach so nebenbei verkünden wollte und wurde plötzlich doch ganz schön nervös... Es war die eine Sache, wenn man ein Kind vom einzigen Sohn bekam, aber eine ganz andere, wenn man zusammen war und deshalb ein Teil der Familie wurde.
„Mhm", deutete sie an, dass sie zuhörte.
„Ich wollte dir noch was sagen, also... Lena und ich, wir sind mittlerweile zusammen, also... so richtig", brachte er etwas mühselig hervor und zog mich im Anschluss sanft lächelnd an seine Seite und streichelte über meine Taille. Ich konnte gar nicht so schnell gucken, da schlug Marks Mutter sich schon die Hände vor den Mund.
„Oh endlich, komm her mein Kind", wirbelte sie herum und zog mich in ihre Arme. „Meine Tochter heiratet gleich, mein Sohn ist vergeben und bekommt ein Kind. Ihr macht mich fertig", sagte sie überfordert und so überglücklich, dass ihr eine Träne aus dem Augenwinkel lief.
„Ich freue mich sehr für euch, wirklich", lächelte sie und umarmte nun Mark ebenfalls.
Kurz darauf wurden alle Gäste gebeten, ihre Plätze einzunehmen. Es war zugegebenermaßen ein wahnsinniges Gefühl, vorne bei Mark und seiner Familie sitzen zu dürfen. Fast schon hatte ich das Gefühl, schon längst richtig zur Familie zu gehören und alle schon ewig zu kennen. So ein Gefühl wurde mir zumindest vermittelt. Tief in mir kribbelte es gewaltig und ich konnte nicht mehr mit dem Strahlen aufhören. Ich nahm Marks Hand sanft in meine und drückte sie beruhigend, da dieser bereits seit Minuten unruhig mit seinem Bein wackelte. Ben war in der Zwischenzeit angekommen und wippte vorne von einem Bein aufs andere, wartete nervös auf Natalie und ich stellte mir vor, dass das irgendwann einmal Mark sein würde, der auf mich wartete.
Ehe wir uns versahen, standen wir alle auf und es war mir plötzlich völlig egal, dass ich Sand im Schuh hatte oder anderen, dass sie schwitzten, weil sie sich zu warm angezogen hatten. Alle Augen lagen auf Natalie, welche in diesem Moment in ihrem wunderschönen weißen Kleid aus dem Auto stieg, und begleitet von ihrem Vater den Strand betrat. Ein Augenpaar lag dabei ganz besonders auf ihr. Ben konnte nicht anders, als sie anzustarren und jede ihrer Bewegungen nachzuverfolgen. In seinem Blick lag die bedingungslose Liebe, die er Natalie gegenüber brachte. Ihr Blick lag ebenfalls unablässig auf Ben. Ein verliebtes Lächeln zierte ihre Lippen und man konnte sehen, dass sie es kaum erwarten konnte, endlich zu ihm zu gelangen. Kurz warf ich Mark einen ähnlichen Blick zu und konnte lächelnd beobachten, wie er Natalie gerührt anstarrte. Bei fast allen liefen die Tränen und auch ich konnte mir die Tränen nicht verkneifen. Das alles war viel zu emotional. Die Atmosphäre, die Musik, der Moment. Als Natalies Vater sie an Ben übergeben hatte, griff sie sofort nach seiner Hand und klammerte sich an ihn, während ihr Vater sich leise auf seinen Platz setzte.
„Liebe Gäste, liebe Familie, Freunde, Verwandte und Bekannte, liebes Brautpaar", begann der Standesbeamte schließlich die Begrüßung, sobald Natalie und Ben ihren kurzen Moment hatten und alle sich wieder einigermaßen gefangen hatten.
„Einen solchen Augenblick, der die ganze Ewigkeit bedeutet, möchten wir heute mit euch feiern. Denn ihr beiden, Natalie und Ben, erlebt all dies jeden Tag. Ihr habt in jungen Jahren eine gemeinsame Reise begonnen und ab heute sollt ihr sie gemeinsam als Ehepaar fortsetzen. Bis an euer Lebensende gemeinsam durch euer Leben gehen. Aus diesem Grund sind wir alle heute hier versammelt, um eure Liebe zu feiern. Eure Heirat heute ist ein Zwischenhalt auf einer langen Reise. Sie ist Verabschieden von Altem, Kraft schöpfen, Koffer noch mal umräumen und dann - gewappnet - weiter in die Welt ziehen. Und egal, wie der Wind steht, ob ihr die Wege bereits kennt oder sie euch fremd sind, ob ihr einen Reiseplan habt oder euch einfach treiben lasst... ab heute unternehmt ihr eure Reise gemeinsam."
Leise Musik untermalte die darauffolgende Erzählung, wie die zwei sich kennengelernt hatten, welche vermutlich die deutliche Mehrheit der Anwesenden bereits kannte. Für mich allerdings war es ganz interessant, mal eine ausführlichere Version der Geschichte zu hören und so folgte ich aufmerksam den Worten der Rednerin, bis es schließlich zum eigentlichen Teil der Trauung kam.
„Eure verbundene gemeinsame Reise beginnt nun mit freiem und unbeschwertem Herzen. Ich bitte euch aufzustehen und reiche dir, Ben, diese Schere. Mit dieser räume bitte die letzte Hürde zu deiner Verlobten aus dem Weg, in dem du das Band, dass euch trennt, zerschneidest", führte der Standesbeamte fort und überreichte Ben die kleine Schere. Natalie hielt das rosafarbene Band, welches zwischen den zwei Stühlen befestigt wurde, mit zittrigen Händen fest, während Ben dieses, nahezu genauso nervös, langsam zerschnitt.
Der Standesbeamte gab ihnen einen Moment, den symbolischen Teil zu verarbeiten, bevor es eigentlichen Punkt kam und Mark endlich nach meiner Hand griff, welche ich nur zu gerne in seine legte. Ich lehnte mich verträumt an seine Schulter und so saßen wir da und beobachteten gebannt die fortlaufende Zeremonie.
„Natalie und Ben, ihr habt euch entschieden, den Bund der Ehe zu schließen und euren weiteren Lebensweg gemeinsam zu gehen. Darum frage ich dich, Ben, gehst du diesen Schritt aus reiflicher Überlegung und aus freiem Entschluss? Willst du Natalie lieben und achten in guten, wie in schlechten Zeiten und sie so annehmen, wie sie ist, wie sie geworden ist und wie sie sein wird? Dann antworte mit Ja", wurden endlich die Worte ausgesprochen, auf die alle gewartet hatten.
„Ja", antwortete Ben und warf Natalie ein Lächeln zu. „Ich will."
„Und darum frage ich auch dich, Natalie, gehst auch du diesen Schritt aus reiflicher Überlegung und aus freiem Entschluss? Willst du Ben lieben und achten in guten, wie in schlechten Zeiten und ihn so annehmen, wie er ist, wie er geworden ist und wie er sein wird? Dann antworte mit Ja." Natalie warf Mark aufgeregt einen schnellen Blick zu, welchen er nur breit lächelnd erwiderte.
„Ja, ja ich will", antwortete auch sie und strahlte über beide Ohren.
Die Zeremonie war fast zu Ende, als Bens Bruder und Trauzeuge nach vorne ging, um die Ringe zubringen.
„Der Ring, den ihr euch gegenseitig ansteckt, ist ein tiefes Symbol für dieses Ja zueinander, für eure Liebe und eure gemeinsame Reise, die kein Ende haben möge. Euer Ehering sei Ausdruck eurer Verbundenheit und Treue und dem Halt, den ihr einander gebt", folgten weitere Worte und der Ringtausch. Natalie hatte durch ihre immer noch zitternden Hände ein wenig Probleme, Ben den Ring anzustecken, aber er half ihr kurz ein bisschen und schon war alles wieder vergessen.
„Und jetzt dürfen sie die Braut endlich küssen", gab der Standesbeamte Ben schließlich endlich schmunzelnd die Gelegenheit, seine Hand an Natalies Wange und seine Lippen sanft auf ihre zu legen. Mindestens genauso liebevoll erwiderte Natalie den Kuss. Beide waren absolut ergriffen, aber strahlten über beide Ohren, als sie sich wieder voneinander lösten. Neben Mark schluchzte seine Mutter auf und auch uns liefen ein paar Tränen der Rührung über die Wangen. Zum ersten Mal spürte ich so richtig, was es hieß, Mama zu sein. Allein bei dem Gedanken, sowas irgendwann in ganz weiter Zukunft mit Mark und der Hochzeit meiner Tochter zu erleben, kamen mir erneut die Tränen.
Bald darauf löste sich die Zeremonie, alles wurde etwas lockerer, doch Mark wirkte nervös, während Natalie und Ben sich in den Armen lagen und ein Lied mit sanften Tönen eingespielt wurde. Die Melodie war wunderschön, jedoch kam sie mir nicht bekannt vor. Erst nach ein paar Takten setzte der Gesang ein und ich konnte nicht anders, als Mark neben mir perplex anzustarren.
Es war seine Stimme, die in dem ruhigen Song die Geschichte von Natalie und Ben auf poetische und Mark-typische Weise besang, das hörte man sofort. Dementsprechend lagen auch sofort einige weitere Augenpaare auf ihm und er grinste verlegen. Er war wirklich immer für eine Überraschung gut. Dieser Mann war wirklich unglaublich und ich hatte keine Ahnung, wann er das noch neben seinem beruflichen Stress geschafft hatte, aber für seine Familie und insbesondere Natalie tat er einiges. Das wusste ich mittlerweile. Das hatte ich beobachten können und selber spüren dürfen.
Ich war noch nie so wirklich auf einer Hochzeit und hoffe ich habe das durchs recherchieren irgendwie realistisch geschrieben.
Feedback ist übrigens immer toll!! Das war bei den letzten Kapitel ja eher weniger😅
DU LIEST GERADE
Dieses Licht, Wie Du Aussiehst
FanfictionMark war nun schon seit ein paar Monaten von seiner Freundin getrennt und seine Motivation, irgendetwas außerhalb des normalen Alltags zu machen, hielt sich in Grenzen. Lena ging es eigentlich recht gut in ihrer Beziehung, doch sie konnte ja nicht w...
