Mittwoch, 05.06
Pov Lena
Mittlerweile war der dritte Tag in Polen. Wir saßen bereits mit allen am Frühstückstisch, aber meine Stimmung war nicht wirklich besser, als sie es gestern Abend war. Immerhin beteiligte Marks Mutter sich mittlerweile wieder an Gesprächen der Familie, aber dafür schwieg ich größtenteils.
„Lena, Mark, helft ihr mir kurz, den Tisch abzuräumen?", fragte Marks Mutter uns plötzlich, als alle schon einige Zeit aufgegessen hatten. Überrascht schaute ich auf und sah sie an. Das war das erste Mal, dass sie wieder an uns gewandt sprach, seit sie es wusste. Wir bejahten sofort und standen auf, um die Teller zu stapeln und alles in die Küche zu bringen, wo sie bereits die Spülmaschine belud. Währenddessen herrschte ein Schweigen zwischen uns.
Gerade wollten wir, nachdem alles aufgeräumt war, die Küche verlassen und nach oben gehen, da hielt Marks Mutter uns zurück.
„Wartet mal", meinte sie, woraufhin wir uns überrascht anschauten, uns aber umdrehten, um ihr zuhören zu können. Sie deutete auf die schmale Theke, welche sich in der Küche befand und an welche wir uns daraufhin schweigend setzten. Marks Mutter räusperte sich.
„Ich muss mich bei euch entschuldigen", sagte sie und sah uns an. „Es tut mir leid, dass ich gestern so abweisend war." Sie griff hinter die Theke und holte etwas hervor, was in Geschenkpapier gepackt war. Es war ein kleines Paket. Sie reichte es mir, wovon ich sichtlich überrascht war, weshalb ich sie vorsichtig anlächelte.
„Ich war schockiert, weil ich mir immer Enkel gewünscht habe, die in der klassischen Familie aufwachsen. Ihr wisst schon: Verlobung, heiraten und dann erst die Kinderplanung. Ich denke mal nicht, dass das bei euch geplant war", schmunzelte sie. Wir schüttelten sanft lächelnd den Kopf.
„Es geht mich nichts an, wie es dazu gekommen ist und ich habe auch kein Recht dazu, dass ihr mir von den Hintergründen erzählt, aber mittlerweile habe ich mich mit dem Gedanken angefreundet, glaube ich. Ich habe dich, Lena, jetzt ein klein wenig kennengelernt und hoffentlich auch noch intensiver die nächsten Tage und ich habe das Gefühl, dass ihr beide, trotz allem, wunderbare Eltern für das Kind sein werdet", gab sie wieder, was sie dachte und ich erwiderte ihr Lächeln.
„Danke", sagte ich mit meinem zurückhaltenden sanften Lächeln.
„Jetzt mach schon auf", sagte sie lachend und deutete auf das Paket. Mark lachte leise über seine Mutter, während ich verlegen das Geschenkpapier betrachtete. Es war in einem altrosa, mit vereinzelten kleinen beigefarbenen Herzchen darauf. Zurückhaltend langsam öffnete ich also das Päckchen und zum Vorschein kam ein schlichter Strampler in Naturtönen in einer Art Vintagelook. Für den Anfang wäre er vermutlich zu groß, aber später würde er definitiv passen. Trotzdem war es unglaublich, wie klein er war und noch unglaublicher die Vorstellung, dass ich diesen Strampler mal einem Menschen anziehen würde, der von mir abstammte.
Mark neben mir fing an, sanft zu lachen. Irritiert sah ich ihn an.
„Das ist ein alter Strampler von Marek und auch Natalie hatte ihn ein paarmal an. Es gibt auch einige wenige Fotos, wo einer der beiden ihn anhat. Ich habe ihn jahrelang ordentlich aufbewahrt und dachte heute Morgen, es wäre eine schöne Idee, ihn dir, beziehungsweise euch zu schenken für mein erstes Enkelkind", lächelte sie und erklärte damit Marks Reaktion, da dieser den Strampler scheinbar wiedererkannt hatte. Grinsend sah ich ihn an.
Der Gedanke, dass unser Kind irgendwann den Strampler seines Vaters trug, war einfach zu goldig. Hinzu kam, dass er durch die schlichten Farbtöne keinem Geschlecht direkt zugeordnet war, auch wenn Farben da eigentlich sowieso keine Rolle spielen sollten.
„Danke, das ist eine wirklich schöne Idee gewesen", bedankte ich mich noch einmal. Die beiden standen auf.
„Ich freue mich wirklich, wirklich sehr für euch und auch darauf, Oma zu werden. Ich bin mir sicher, ihr bekommt das schon hin zusammen", sagte seine Mutter nochmal.
„Mein Sohn wird Vater", lächelte sie gerührt und nahm Mark in den Arm, was mich lächeln ließ. Lachend erwiderte Mark die Umarmung und kaum, dass sie sich gelöst hatten, kam sie auf mich zu.
„Lass dich umarmen", sagte sie, woraufhin ich ebenfalls aufstand und sie mich herzlich in die Arme nahm.
„Wenn das nächste Mal etwas ist, dir übel ist oder auch was anderes, kannst du gerne zu mir kommen. Vielleicht kann ich dir helfen und dir ein paar Tipps geben. Schließlich habe ich das Ganze auch schon zweimal hinter mir, wenn das auch schon länger her ist... Wie weit bist du denn eigentlich? Allzu weit kann die Schwangerschaft ja eigentlich noch nicht fortgeschritten sein", stellte sie schmunzelnd nach einem Blick auf meine, bisher recht unveränderte Figur fest.
„Danke, das werde ich machen. Ich bin in der neunten Woche und der voraussichtliche Geburtstermin ist im Januar", erwiderte ich, war dankbar, einen direkten Ansprechpartner mit Erfahrung in der Nähe zu haben, solange wir hier waren.
„Wollt ihr es den anderen auch schon sagen oder lieber nicht?", fragte seine Mutter dann. Unschlüssig sah ich zu Mark. Darüber hatten wir uns noch nicht so wirklich unterhalten. Mark zuckte ebenfalls mit den Schultern.
„Keine Ahnung, um ehrlich zu sein. Ich weiß nicht, ob die anderen das so verstehen können, weißt du? Die sind alle auch ähnlich traditionell geprägt wie du", erklärte Mark an seine Mutter gewandt.
Diese sah ihn einige Sekunden an und nickte dann.
„Macht das, wie ihr wollt. Weiß Natalie schon davon?" Mark nickte.
„Sie hatte mich doch vor zwei Wochen besucht. Das war ein Tag, nachdem ich davon erfahren habe, und ich brauchte jemanden zum Reden."
Das überraschte mich doch, da Mark eigentlich immer etwas Zeit zum Verarbeiten brauchte, bevor er mit jemandem reden konnte. Allerdings konnte ich mir auch vorstellen, dass Natalie ihm etwas angemerkt hat und ihn halb ausgequetscht hat. So wie ich sie einschätzen kann, würde ich sie in Bezug auf Mark auch recht hartnäckig einschätzen.
Marks Mutter nickte.
„Was haltet ihr davon, wenn wir heute mit den anderen zu einem See fahren? Das Wetter soll doch heute so gut werden und schwimmen ist doch auch immer eine gute Idee", schlug Marks Mutter vor. „Habt ihr Badesachen dabei?" Wir nickten, denn tatsächlich hatten wir welche eingepackt, nachdem Mark mir erzählt hatte, dass ziemlich in der Nähe ein Badesee war.
„Schwimmen und See finde ich ist eine sehr gute Idee", stimmte ich dem Vorschlag seiner Mutter zu und auch Mark war einverstanden, sodass es, wenn die anderen auch wollten, beschlossene Sache war.
Jetzt gibt es also keinen Grund mehr, weshalb Lena früher abreisen sollte.☺
Dieses Mal habe ich es tatsächlich eher geschafft, ein Kapitel zu schreiben und wollte euch das jetzt auch nicht länger vorenthalten, deshalb ist der Abstand der Veröffentlichung vom letzten Kapitel und diesem hier nicht allzu groß, wie sonst. Wann das nächste kommt, ist noch unklar, aber der Abstand wird planmäßig nicht größer als sonst meistens, vielleicht mit Glück ja auch wieder kleiner wie jetzt.
Ich hoffe, das Kapitel gefällt euch 😚
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Dieses Licht, Wie Du Aussiehst
FanfictionMark war nun schon seit ein paar Monaten von seiner Freundin getrennt und seine Motivation, irgendetwas außerhalb des normalen Alltags zu machen, hielt sich in Grenzen. Lena ging es eigentlich recht gut in ihrer Beziehung, doch sie konnte ja nicht w...
