Freitag, 07.06
Pov Lena
Langsam wurde ich wach, hatte die Augen aber noch geschlossen und lächelte zufrieden vor mich hin. Auf einmal bemerkte ich ein leichtes Kitzeln in meinem Nacken, was sich als Marks gleichmäßigen Atem herausstellte. Sofort schlug ich die Augen auf und starrte an die Wand, welche sich genau vor mir befand. Die Gedanken an den gestrigen Abend kamen so plötzlich in meinen Kopf, dass sie sich überschlugen. Wir hatten alles kaputt gemacht, alles. Ich musste hier weg.
Das Ganze gestaltete sich allerdings als recht schwierig, da Mark seinen Arm von hinten um mich geschlungen hatte. Vorsichtig löste ich mich aus seinem Arm und kletterte aus dem Bett. Natalie war inzwischen auch wieder da und lag schlafend in ihrem Bett.
Verdammt! Was hatten wir uns nur dabei gedacht?
Ich nahm meine Jogginghose aus meinem Koffer. Genau die, die ich gestern beim Suchen nicht gefunden hatte und machte mich auf den Weg ins Bad. Dort machte ich mich so weit fertig und zog mir die Jogginghose über meine Schlafhose. Ich spürte eine Träne über meine Wange laufen und wischte sie sofort weg.
Mark war nicht nur irgendjemand. Er war der Vater von meinem Kind und ich könnte es mir nie verzeihen, wenn wir das zwischen uns versaut hatten.
Gerade als ich das Badezimmer wieder verlassen wollte, bemerkte ich, dass mein Handy dort auf der Ablage lag. Das hatte ich gestern dann nach dem Baden ja auch nicht mehr gebraucht. Ein Blick darauf zeigte mir, dass es erst halb sieben war, und das erklärte mir die Stille im Haus. Ich seufzte. Wir mussten gestern wirklich früh eingeschlafen sein, so hellwach wie ich jetzt war.
Ich verließ das Bad mit meinem Handy und ging die Treppe herunter. Ich brauchte ein bisschen frische Luft, also beschloss ich, ein wenig spazieren zu gehen. Ich musste nachdenken.
Mark hatte mir bei unserem ersten Spaziergang den Weg zu einem Wald gezeigt, sodass ich diesen nun einschlagen konnte. Die kühle Morgenluft hüllte mich ein und brachte meine Gedanken zumindest für ein paar Minuten zum Stillstand.
Es war ein recht breiter, gut ausgebauter Waldweg, an welchem ich schließlich einen Platz auf einer Bank fand. Es war kurz vor sieben, deshalb war noch nicht viel los.
Obwohl es so früh war, beschloss ich, Bella anzurufen, die eigentlich heute freihatte. Sie war aber die einzige, der ich gerade alles erzählen konnte und auch musste. Ich brauchte jemanden zum Reden und sie war meine einzige Hoffnung.
Ich griff in meiner Hosentasche nach meinem Handy und bemerkte, dass sich meine Kopfhörer, die ich seit ein paar Tagen suchte, ebenfalls in dieser befanden.
Ich suchte zügig Bellas Kontakt und rief sie an. Es wählte und eine Zeit lang hatte ich Hoffnung, dass sie noch heranging, jedoch tat sie das zu meiner Enttäuschung nicht. Frustriert ließ ich das Handy und meinen Blick sinken. Was sollte ich jetzt bloß machen? Ich brauchte sie jetzt, genau jetzt, in diesem Moment.
Mein Blick fiel auf meine Kopfhörer und ohne weiter darüber nachzudenken, steckte ich mir einen ins Ohr und startete irgendeinen beliebigen Song auf Shuffle. Ich musste zur Ruhe kommen. Völlig egal wieder, aber ich musste.
Dass der Song mich auf diese Art und Weise mitnahm, wie er es tat, hätte ich allerdings nicht gedacht.
And I'm thinking 'bout how people fall in love in mysterious ways
Maybe just the touch of a hand
Oh me I fall in love with you every single day
And I just wanna tell you I am
So honey now
Take me into your loving arms
Kiss me under the light of a thousand stars
Place your head on my beating heart
I'm thinking out loud
Maybe we found love right where we are,
schallte die Stimme von Ed Sheeran mit Thinking out loud in meinen Kopf und damit direkt in mein Herz. Die Art und Weise, wie Mark mir plötzlich so wichtig geworden war, war wirklich skurril und sowas ist mir vorher noch nie passiert. Das Gefühl, wenn er mich in den Arm nahm, mir sagte, dass alles gut werden würde oder wenn er einfach nur in der Nähe war, zeigte mir immer doller, wie stark meine Gefühle von Tag zu Tag wurden.
Plötzlich hörte ich meinen Klingelton und wurde mit einem FaceTime Anruf sofort wieder in die reale Welt katapultiert. Plötzlich saß ich wieder hier auf der Bank und starrte mein Handy an. Es war Bella, die mich anrief. Schnell ging ich ran.
„Hey Leni, sorry, ich hab's jetzt erst gesehen, dass du mich angerufen hast. Ich bin gerade erst aufgewacht", sagte sie, während sie in ihrer Küche etwas zu suchen schien.
„Hey", sagte ich, doch meine Stimme versagte. Nun sah Bella auf. „Alles gut bei dir? Wo bist du? Hast du geweint?", fragte sie sofort besorgt. Ich strich mir mit dem Handrücken über die Wange und bemerkte, dass ich tatsächlich geweint haben musste.
„Scheint so", versuchte ich es wegzulachen, aber es klappte nicht.
„Was ist los?", fragte Bella einfühlsam. Ich schloss die Augen und atmete durch.
„Mark und ich, wir...", begann ich, aber schaffte es nicht, den Satz zu beenden. Bella sah mich aufmerksam durch das Telefon an und lächelte mir ermutigend zu.
„Wir haben die Nacht zusammen verbracht", war schließlich das, was ich über die Lippen brachte, und es fühlte sich erleichternd an. Bella lächelte mir zu.
„Ja und? Schlaft ihr nicht die ganze Zeit schon zusammen mit Natalie in einem Zimmer?", fragte sie verwirrt, hatte anscheinend erwartet, dass die Geschichte noch weiterging.
„Nein, also doch ja. Aber nicht in einem Bett." Bella sah mich immer noch verwirrt an. Ich seufzte.
„Bella", gab ich frustriert von mir.
„Wir... Wir haben miteinander geschlafen... schon wieder", sagte ich dann und darauf folgten ein paar Sekunden der Stille. Ich biss mir nervös auf die Unterlippe, während Bella schwieg.
„Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich dazu sagen soll", gab sie dann zu und sah überrascht und etwas überfordert in die Kamera.
„Weißt du, ich hatte nicht damit gerechnet, dass das noch einmal passiert, wo du ja auch noch sagtest, ihr schlaft mit Natalie in einem Zimmer... Moment, darf ich fragen? Wo?", fragte Bella neugierig. Ich lachte auf.
„In unserem Schlafzimmer hier. Natalie war mit der Familie bis spätabends weg, aber wir sind zu Hause geblieben, weil es mir gestern nicht so gut ging." Bella schmunzelte, wurde dann aber wieder ernst.
„Was willst du jetzt machen? Hast du schon mit ihm geredet?", fragte Bella mich, was ich verneinte.
„Ich weiß es nicht. Er hat noch geschlafen und ich musste kurz mal raus und bin spazieren gegangen." Bella nickte nachdenklich.
„Was sagt dein Herz dir?", fragte sie dann. Ich zuckte mit den Schultern.
„Ich weiß nicht, ob ich da dieses Mal drauf vertrauen kann. Das Einzige, was es mir sagt und zu schreit, ist Mark. Verdammt, Bella, ich glaube, ich habe mich ernsthaft verliebt", gab ich frustriert zu und vergrub mein Gesicht in meiner Hand und dem Ärmel des Pullis.
„Ist das Marks Pulli?", fragte Bella amüsiert. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich diesen immer noch trug.
„Ja", gab ich zu. „Aber was soll ich denn jetzt tun?", fragte ich erneut.
„Wenn du ernsthaft was für ihn empfindest, dann rede mit ihm", gab Bella ihre Sichtweise bekannt. Eigentlich war das keine Option.
„Ich überlege es mir", sagte ich dennoch unzufrieden und legte nach ein paar weiteren Minuten schließlich auf. Ich hatte Bella versprochen, dieses Mal mit Mark zu reden, nur wann, das hatte ich nicht festgelegt. Es hatte also noch Zeit, dachte ich und machte mich auf den Rückweg zum Haus.
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Dieses Licht, Wie Du Aussiehst
Hayran KurguMark war nun schon seit ein paar Monaten von seiner Freundin getrennt und seine Motivation, irgendetwas außerhalb des normalen Alltags zu machen, hielt sich in Grenzen. Lena ging es eigentlich recht gut in ihrer Beziehung, doch sie konnte ja nicht w...
