Teil 48

101 8 2
                                    

Rosa

Scheiße war das heiß. Nachdem ich mich von dem Schreck erholt und registriert habe, dass es Mario ist und nicht irgend ein Spinner, fand ich die Situation ziemlich geil. Noch immer breit grinsend mache ich die letzten Zimmer fertig und gehe nach Hause.

Dann fällt es mir wieder ein. Ich habe keinen Schlüssel. Also muss ich auf dem selben Weg wieder in die Wohnung wie ich vorgestern raus bin. Ob der Kerl die ganze Zeit wie blöd vor der Tür stand und gewartet hat? Bei der Vorstellung muss ich schmunzeln. Leise schleiche ich mich wieder durch die Hecke und klettere vorsichtig das kleine Überdach hoch. Shit. Runter war einfacher. Aber es funktioniert.

Pustend komme ich in meiner Wohnung an. Doch als ich ins Wohnzimmer komme, stockt mir der Atem. "Papa? Was machst du denn hier?" Stoße ich erstaunt aus. Ja. Genau. Mein Vater sitzt lässig auf meiner Couch. Hinter ihm und an der Wohnungstür stehen seine Jungs. Fuck. Mit wütenden Blick schaut er mich an. "Wo kommst du jetzt her?" Knurrt er verärgert. "Ich komme von der Arbeit. Hatte meinen Schlüssel vergessen, deshalb bin ich durchs Fenster." Lüge ich und schaue unsicher auf den Boden. "Ist das so? Und dein Handy und Portmonee hast du ja auch vergessen... Vor zwei Tagen." Brüllt er nun. So verärgert kenn ich ihn sonst nur im Geschäft. Es gibt keine Begrüßung. Keine mi Mariposa. Nichts. Langsam habe ich ein ungutes Gefühl. "Mi Mariposa.... Setz dich bitte. Wir müssen uns unterhalten." Säuselt er gespielt freundlich, doch in seinem Ton ist nichts liebevolles.

Daher entscheide ich mich, ihm zu gehorchen. Als ich sitze schaut er mich einige Minuten streng an. "Nun. Du hast meine Bitte, dich von diesem Italiener fern zu halten, nicht eingehalten. Stattdessen schleichst du dich aus der Wohnung und was... Vögelst mit ihm?" Brüllt er noch immer. Erschrocken zucke ich zusammen, so hat er noch nie mit mir geredet. Abwartend schaue ich ihn an. "Du wirst jetzt sofort mit nach Hause kommen. Am Wochenende heiratest du Hugo. Du kannst froh sein, dass er dich trotz deiner Eskapaden noch nimmt." Faucht er und gibt einem der Jungs ein Zeichen. Dieser Gorilla setzt sich in Bewegung und geht in mein Schlafzimmer. Ich verstehe gerade nur Bahnhof. "Papa, was soll das? Mario ist ein toller Kerl. Ich mag ihn sehr und wenn du ihn erst kennenlernen würdest...." Beginne ich ihn zu überzeugen doch er hält mich mit seiner typischen Handbewegung davon ab. "Ich diskutiere nicht. Wenn du willst, dass deinem Sunny Boy nichts passiert, wirst du mitkommen und Hugo heiraten. Einer der Jungs ist vorm Hotel und erledigt ihn sofort, wenn du nicht spurst." Erklärt er mit einem diabolischen Grinsen. Scheiße, was mach ich denn jetzt? Mario darf nichts passieren. Also muss ich mich beugen. Erstmal. "Ok. Aber ich will dein Wort, dass Mario nichts passiert." Versuche ich zu verhandeln. Mit einem fiesen lächeln betrachtet mich mein Vater. "Selbstverständlich. Steig in das Flugzeug und deinem Mario wird nichts passieren." Bestätigt er. Wie auf Knopfdruck kommt der Gorilla aus meinem Zimmer. In der Hand hält er meine Reisetasche. "Ich brauche noch meinen Laptop und die Bücher für die Uni." Sage ich zu dem Typen. "Nein. Brauchst du nicht. Du wirst nicht weiter studieren." Höre ich meinen Vater sagen. Wütend blicke ich ihn an. "Ich habe dir erlaubt hier zu studieren. Aber du hurst hier rum. Das lasse ich nicht zu. Nach der Hochzeit wirst du dich ausschließlich um den Haushalt und um die Kinderplanung kümmern." Erklärt mein Vater und steht auf. Der andere Gorilla holt mein Handy vom Tisch und zerstört es mit einem gezielten Tritt. Dann werde ich grob am Arm gepackt und ins Auto gezerrt. Scheiße. Mario. Ich liebe dich!

Mit Tränen in den Augen steige ich aus dem Flugzeug. Meine zwei Brüder holen uns ab. "Wo ist denn Alvero?" Frage ich. "Er ist beschäftigt." Knurrt mein Vater. Wieder sehe ich ihn nicht. Da stimmt doch was nicht.

Zuhause angekommen begrüßt meine Mutter mich. Sie sieht schlecht aus. Blass und bestimmt einige Kilos weniger. Mit Tränen in den Augen nimmt sie mich in den Arm. "Hallo meine Süße." Schlurzt sie. Anscheinend ist sie mit der Geschichte auch nicht einverstanden. "Bringt sie aufs Zimmer. Keiner darf zu ihr ohne Erlaubnis." Befiehlt mein Vater. Wieder werde ich grob am Arm gepackt und in mein Zimmer gesperrt. Hier stehe ich nun mit meinem Koffer und gebrochenen Herzen. Ich will Hugo nicht heiraten. Ich will Mario.

Erschöpft und ausgelaugt lasse ich mich aufs Bett fallen. Jetzt bin ich hier also eine Gefangene. In meinem eigenen Elternhaus. Was ist bloß passiert? Weinend und mit den Gedanken an Mario schlaf ich irgendwann ein.

Mein Kopf brummt, als ich von einem klacken des Schlosses geweckt werde. Hugo tritt hinein. Sein Gesicht ist zu einer wütenden Fratze verzogen. Scheiße, macht er mir Angst. "Hey, Hugo." Versuche ich es trotzdem freundlich. Er kommt mit schnellen Schritten auf mich zu und pfeffert mir seine Flache Hand ins Gesicht. "Du kleine Schlampe..." Schreit er und schlägt erneut zu. "Du willst mir also Hörner aufsetzen? Aber nicht mit mir. Dir werde ich es noch zeigen!" Brüllt er weiter und schlägt auf mich ein. Ich weiß gar nicht, was mir so schnell passiert und kann die ersten Schläge gar nicht abfangen. Irgendwann reiße ich mich aus der Schockstarre und versuche die Schläge mit meinen Händen auf dem Kopf abzuwehren. Doch er macht einfach weiter. Mit der Faust schlägt er in meinen Magen und auf meine Rippen. Scheiße. Verdammt. Das tut weh. Warum hilft mir denn niemand? "Hör verdammt nochmal auf." Brülle ich ihm entgegen. "Du sagst mir nicht, was ich zu tun habe! Ich habe es auf die nette Art probiert, dir Komplimente gemacht. Dir auch deinen Urlaubsflirt gelassen. Aber jetzt ist Schluss!" Schreit er und spuckt mir ins Gesicht. Urlaubsflirt? Meint er Mario?

"Freu dich schon auf unsere Hochzeitsnacht, dann werde ich dir mal zeigen, wie man richtig fickt. Da kann dein kleiner Bastard von Italiener einpacken." Schreit er noch und verschwindet aus meinem Zimmer. Das klacken des Schlosses lässt mich aufatmen. Er ist weg. Wann zum Teufel hat er sich so verändert? Ich quäle mich ins Bett und schließe die Augen. Vor meinem inneren Auge sehe ich Mario. Bitte. Bitte hilf mir. Ich liebe dich!

Hola y adios bebe - Hallo und Tschüss, Baby!Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt