Rosa
Das Gespräch mit Franci war toll. Er hört mir aufmerksam zu ohne mir irgendwelche klugen Ratschläge zu geben. Dass ich ihm von Papa und meiner Kindheit erzählt habe, hat mich selbst überrascht.
Es hat mir ein gutes, beschwingtes Gefühl gegeben. Doch als wir die Küche betreten, ist die euphorische Laune dahin. Dieses Bild wird sich auf ewig in meinen Kopf brennen. Mario mit Riccardo auf dem Arm. Ein wahnsinnig schönes aber auch schmerzhaftes Bild. Das werde ich Mario niemals geben können. Was, wenn er jetzt dadurch auf den Geschmack kommt?
Panisch renne ich in mein Zimmer. Verdammt. Es war ein riesen Fehler mit ihm hier her zu kommen. Ich sollte wieder nach L.A.gehen.... oder vielleicht auch ganz woanders hin. Gerade als ich in Selbstmitleid versinken will, klopft es an der Tür. Ich hoffe, dass es einerseits Mario ist.... Andererseits will ich ihn nicht sehen. Mein Gott Rosa, was bist du gestört. Zu meinem Erstaunen ist es Claire. "Hey, darf ich rein kommen?" Fragt sie und lächelt mich vorsichtig an. Ich hocke mich im Schneidersitz aufs Bett und winke sie zu mir. Sofort zieht sie ihre Schuhe aus und krabbelt neben mich.
Schweigend sitzen wir nebeneinander. "Ich weiß warum du hier bist. Es ist halb so wild." Beginne ich das Thema. Claire sieht mich fragend an. "Halb so wild? Rosa, das glaube ich dir nicht. Ich denke das wäre für jede Frau ein einschneidendes und traumatisierendes Erlebnis." Entgegnet sie mir. Sie nimmt meine Hand und sieht mich eindringlich an. "Ich weiß dass es schwer ist und du hast alles Recht der Welt wütend zu sein." Fährt sie fort. "Klar. Du weißt wie schwer es ist.... Du bist die jenige die gerade ein gesundes Kind zur Welt gebracht." Erwidere ich zickig und ziehe meine Hand zurück. Claire zieht scharf die Luft ein. "Ich mein ja nur, ich kann es nachvollziehen. Ich wollte immer schon Babys haben, wenn mir jemand sagen würde, es geht nicht. Wäre ich am Boden zerstört." Versucht sie es erneut. Es nervt mich gerade extrem. "Aber es ist dir nicht passiert. Du bist Mutter." Schreie ich schon regelrecht und springe auf. Während ich die Zimmertür öffne, sage ich in einem ruhigen Ton. "Es ist besser wenn du gehst. Ich brauche ein wenig Ruhe."
Es tut mir wirklich leid, aber mir ist dies was wäre wenn echt zu viel. Fakt ist, sie kann es definitiv nicht nachvollziehen. Während sie an mir vorbei geht, schaue ich auf meine Füße. "Bis später beim Essen. Ich würde mich freuen." Sagt sie leise. Ich nicke nur und knalle die Tür ins Schloss.
Wütend werfe ich mich aufs Bett. Was ein großer Fehler ist, denn sämtliche Wunden schmerzen. Besorgt, dass etwas wieder aufgegangen ist, klopfe ich bei Franci an. Oberkörperfrei öffnet er die Tür. "Oh hey. Sorry, ich war gerade duschen. Ist was passiert?" Fragt er schließlich alarmiert. Tränen brennen in meinen Augen. Der Schmerz in meinem Körper und in meiner Seele ist so stark. Da ich nicht antworte, holt der Doc sich ein T-Shirt, zieht es über und schiebt mich in mein Zimmer.
Kraftlos lasse ich mich aufs Bett fallen. "Also, was ist passiert?" Fragt er besorgt. Tränen rinnen meine Wangen hinunter. "Ich hab mich aufs Bett geschmissen. Die Narben tun weh." Erkläre ich kurz. Franci mustert mich eingehend. "Und der Grund für deine Wut ist welcher?" Bohrt er nach. Ich weiß nicht warum, aber ich erzähle ihm von dem Gespräch mit Claire. Es tut gut mit jemandem zu sprechen, der nicht so tief drin steckt.
Wieder hört er sich alles genau an. Dann atmet er tief durch. "Ich hoffe du weißt, dass weder Claire noch Mario dich damit verletzen wollen." Beginnt er vorsichtig. Ich nicke. Mir ist klar, dass das Baby nunmal da ist und nicht vor mir versteckt werden kann. "Ich denke du musst für dich klar werden, wie du dir eine Zukunft vorstellst. Mit oder ohne Kinder." Schlägt er vor. Entgeistert schaue ich ihn an. "Äh ich habe keine Gebärmutter mehr. Also ohne Kinder..." Antworte ich mit einer Menge Sarkasmus. Er grinst blöde. Warum grinst er? "Du solltest für dich erstmal klar werden, ob du jemals Kinder wolltest. Wenn nämlich nicht, ist die ganze Diskussion unnötig. Wenn du Kinder wolltest oder willst, informiere dich über Alternativen. Leihmutter, Adoption, Pflegekind. Es gibt so viele Möglichkeiten." Erklärt er. Und er hat Recht. Bevor das passiert ist, war mir noch gar nicht klar, ob ich überhaupt Kinder will. "Du hast Rest. Danke... Mensch du solltest Psychologie studieren." Witzel ich. Franci lacht auf. "Stell dir vor, habe ich sogar." Grinst er blöde. "Ich dachte du bist Allgemeinmediziner." Runzel ich die Stirn. "Ich bin Notfallmediziner und Psychologe. Eigentlich leite ich das neue Frauenhaus in der Stadt. Das ist vor kurzem durch Enzo's Spenden eröffnet worden." Erzählt er mir und ich bekomme große Augen. "Wao. Das... Das wusste ich nicht. Das ist bestimmt eine herausfordernde Arbeit." Entgegne ich ihm beeindruckt. Er erzählt noch ein bisschen von seinem Projekt, welches wirklich toll und wichtig klingt. Dann macht er sich an die Wundversorgung.
Gerade als er fertig ist, klopft es erneut. Mario kommt zögerlich hinein und hockt sich auf Augenhöhe vor mein Bett. Da ich gerade wieder mal auf dem Bauch liege, kann er meine Wunden sehen. Ich hasse das. "Hey. Ich wollte dich zum Abendessen abholen." Lächelt er mich zuckersüß an, so als ob nichts passiert wäre. Auch eine Taktik. Lässt die anderen die schweren Gespräche führen. "Oh. Eh... Ich muss noch 30 Minuten liegenbleiben. Außerdem habe ich gar keinen Hunger." Erklär ich ihm leicht genervt. Mario zuckt merklich zurück. Fast tut er mir schon wieder leid. "Ok. Dann ruh dich weiter aus. Brauchst du noch was? Etwas zu trinken?" Nervt er weiter. Ich verdrehe die Augen. "Nein. Alles gut. Gute Nacht, Mario." Antworte ich nun hoffentlich deutlicher, dass er versteht, dass ich meine Ruhe haben will. Und er hat es verstanden.
Wütend stürmt er aus dem Zimmer und knallt die Tür. Franci, der noch immer im Raum steht und alles mitbekommen hat, sieht mich eindringlich an. "Alles okay?" Erkundigt er sich. "Ja verdammt. Kann ich hier nicht mal meine Ruhe haben?" Pampe ich nun auch den Doc an. Er packt wörtlos seine Sachen zusammen und geht. Endlich. Ich will doch einfach meine Ruhe.
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Hola y adios bebe - Hallo und Tschüss, Baby!
Storie d'amoreMario ist mit seinem Leben als Fahrer des italienischen Padre, Enzo Mancini, zufrieden. Er liebt Autos, Aktion und Frauen. Doch aus heiterem Himmel kommt Rosa in sein Leben. Die quirlige Tochter des mexikanischen Kartellboss. Kann das gut gehen? Ode...