Teil 55

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Mario

Als Filippo auflegt, ist er kreidebleich. "Was?" Frage ich sofort. "Hugo dreht total durch. Er kennt kein Halten mehr. Anscheinend hat er gefährliche Söldner angeworben. Wir müssen Rosa und Alvero da raus holen. Die ganze Familie sind Geiseln und haben keinerlei Befugnisse oder Waffen mehr. Alvero wird uns helfen, sobald wir auf dem Grundstück sind." Erzählt Filippo von dem Gespräch. Verdammt. Was ist da bloß passiert und was hat dieser Hugo bloß vor.

Die Nacht war die Hölle. Nachdem Filippo gegangen ist, habe ich mich zu etwas Schlaf gezwungen. Ich muss top fit sein, denn uns darf kein Fehler unterlaufen. Es geht schließlich um Rosa. Auch wenn Enzo was passieren sollte, würde ich mir das nie verzeihen... Und Claire auch nicht. Ich darf mir gar nicht ausmalen, was Rosa im Moment durch macht.

Bereits am frühen Morgen laufe ich eine Runde. Ich muss mich irgendwie abreagieren. Als ich am Diner vorbei komme, sehe ich die Jungs dort sitzen. Na die sind auch schon auf den Geschmack gekommen. Maureen begrüßt mich sofort herzlich. Sie schiebt mich auf einen freien Stuhl bei den Jungs. "Morgen." Begrüße ich alle kurz, die mich mitleidig anschauen. "Bevor es gleich los geht, wollte ich mich noch bedanken. Danke, dass ihr mir helft. Es ist nicht ganz ohne. Hugo hat wahrscheinlich ziemlich gefährliche Jungs um sich gescharrt. Wer aussteigen will, dem bin ich nicht böse." Sage ich und sehe dabei jedem in die Augen. Leonardo und Enzo tauschen Blicke aus. Natürlich wird keiner aussteigen. Es hat was mit dem Ehrenkodex zu tun. Wobei es ja nicht direkt eine Mafia Operation ist.

"Hey, wir mögen Rosa alle. Und naja, sie gehört ja wohl jetzt irgendwie zur Familie." Antwortet Vito und alle nicken zustimmend. Meine Mundwinkel verziehen sich tatsächlich zu einem Lächeln. Ich bin so stolz Teil einer so tollen Familie zu sein. Maureen versorgt alle mit einem riesen Frühstück. Nachdem wir gegessen haben, verabschiede ich mich von ihr. "So, jetzt fang mir bloß nicht an zu heulen. Hol Rosa da raus und schnapp sie dir. Zu eurer Hochzeit komm ich dann wieder nach Bella Italia." Lächelt sie mich an und drückt mich fest an sich. Auch von den anderen verabschiedet sie sich und wünscht uns Glück. Das können wir wohl gebrauchen.

Hernando wartet bereits mit uns im Hotel. Auch er ist bewaffnet, was mich ehrlich gesagt überrascht. Er sieht eher aus wie ein Geschäftsmann, ruhig und unscheinbar. Aber was soll ich sagen, er ist in Mexiko aufgewachsen.

Wir teilen uns auf drei Fahrzeuge aus. Bevor es losgeht, holen wir noch einiges an Ausrüstung aus Leonardo's Jet. Von schusssicheren Westen, Waffen, Blend-Granaten und Sprengstoff ist alles dabei. Verdammt, der Typ weiß was er tut.

Voll beladen bis unters Dach, geht die Fahrt los. Wie die Ölsardinen sitzen wir nun ca. 20 Stunden in diesen Autos. Viele nutzen die Zeit und pennen. Aber ich denke nur an Rosa. Bitte, lass es ihr gut gehen. In meinem inneren Auge taucht immer wieder Rosa auf. Es sind Erinnerungen an die schöne Zeit die wir verbracht haben. Im Stall bei ihren Eseln, am Strand, unser Kuss im Riesenrand, der Sex. Fuck. Ihr muss es einfach gut gehen. "Hey. Es wird alles gut." Höre ich auf einmal Filippo neben mir flüstern. Erst da wird mir bewusst, dass ich weine. Er lächelt mich verständnisvoll an. "Sie kommen beide da heile raus." Sagt er. Natürlich, er hat genauso viel Angst um Alvero. Ich versuche mich an einem dankbaren lächeln. Einige Jungs, die uns beobachtet haben, lächeln ebenfalls aufmunternd.

Das Rütteln und die stickige Luft haben mich ziemlich umgehauen. Ich werde erst wieder an der Grenze wach. Wir hören, wie Hernando mit den Leuten auf spanisch spricht. Alle im Transporter halten den Atem an. Die anderen beiden Transporter, die Hernando's Söhne fahren, sind bereits über der Grenze. Jetzt darf nichts schief gehen. Als ich schließlich ein "Hasta luego" von unserem Fahrer höre, atme ich erleichtert auf. Wir konnten einfach so durchfahren.

Jetzt ist es nicht mehr lang. Rosa wir kommen! Angespannt verfolge ich nun die restlichen Kilometer bis wir mitten im nirgendwo halten. Die Fahrer öffnen die Türen. Alle kriechen von den Ladeflächen und strecken sich erstmal. Die Söhne von Hernando holen Aufkleber hervor. "Das sind die Logo's des Caterings und des Blumenlieferanten." Erklärt er. Ungläubig schaue ich ihn an. "Maria hat mich informiert." Sagt er zur Erklärung.

Es ist bereits Mittag. In wenigen Stunden ist die Trauung. "Also, die Ranch hat gute Sicherheitsvorkehrungen. Und ich denke Hugo wird sie noch aufgestockt haben." Erklärt Hernando. "Wir bringen euch irgendwie rein. Aber wir wissen nicht, was uns dort erwartet. Doch wir werden mit euch kämpfen." Sagt er, nickt seinen Söhnen zu, die zustimmen und ihre Waffen hervor holen. "Ich habe noch einen Gefallen eingefordert. Ein Freund von mir steht auf Abruf mit einem Helikopter bereit. Er macht eigentlich Rundflüge. Ich sage ihm Bescheid sobald wir Rosa und Maria haben. Was mit meinem Schwager passiert ist mir scheiß egal. Seine Jungs müssen auch selbst sehen wo sie bleiben. Sie sind schuld an dem ganzen scheiß." Erklärt er und mir fällt die Kinnlade runter. Dann geht mein Blick zu Filippo. Er malt mit den Zähnen. "Wir holen Alvero auch da raus." Flüstere ich ihm zu. Er nickt mir dankbar zu.

Wir haben noch zwei Stunden bis es los geht. Alle nutzen die Zeit um nochmals in sich zu gehen. Ich sitze abseits von allen unter einem Baum im Schatten. "Hey, alles klar?" Höre ich plötzlich Enzo neben mir. Er setzt sich zu mir. "Mach dir keinen Kopf. Wir bekommen sie da schon raus." Sagt er. "Ich mache mir Sorgen um euch. Du, Leonardo und Giovanni. Ihr habt Kinder und Frauen." Erkläre ich schwer schluckend. "Ja, die wir alle wiedersehen werden und dann gründest du auch eine Familie." Versucht er mich aufzumuntern. "Das ist noch ein langer Weg. Rosa, sie weiß noch immer nichts von der Zeit vor der Amnesie. Am Abend als sie verschwunden ist, wollte ich reinen Tisch machen." Gestehe ich. "Das wirst du morgen machen können. Claire reißt mir sonst die Eier ab, wenn ich euch beiden nicht heile zurück bringe." Witzelt er, was mich auch zum schmunzeln bringt. "Wir schaffen das." Sagt er und hält seine Faust hin, die ich mit meiner einschlage.

Kurz bevor es los geht, sprechen wir nochmals alles durch. Zwei von Leonardo's Jungs sind Scharfschützen, sie werden sich unauffällig auf den Scheunen verstecken. Zwei weitere zünden Sprengladungen die zur Ablenkung dienen. Der Rest wird kämpfen müssen. Während Vito, Mick, Filippo und ich uns auf die Suche nach Rosa, Alvero und Maria machen.

Hernando gibt das Zeichen, dass es los geht. Verdammt wir haben schon viele Aktionen gehabt, aber heute geht mir der Arsch auf Grundeis. Gott steh uns bei.

Hola y adios bebe - Hallo und Tschüss, Baby!Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt