Rosa
Ich fühle mich wie von einem Zug überrollt. Bei jeder Bewegung, jedem Atemzug tut mir alles weh. Nur unter wahnsinnigen Schmerzen kann ich mich ins Bad schleppen. Vorm Spiegel bleibe ich stehen und erkenne mich kaum wieder. Mein komplettes Gesicht ist geschwollen, Platzwunden zieren meine Augenbrauen. Dieses Arschloch. Vorsichtig hebe ich mein T-Shirt hoch. Fuck. Auf meinem Bauch und meiner Hüfte haben sich große Hämatome gebildet. Notdürftig wasche ich das getrocknete Blut aus meinem Gesicht und lege mich wieder aufs Bett. Kaum, dass ich eine Position gefunden habe, wie ich gut liegen kann, klappert der Schlüssel im Schloss. Mein Körper verspannt sich vor Angst, aber ich versuche es mir nicht anmerken zu lassen. Niemals werde ich klein bei geben.
Als die Tür sich öffnet, schlüpft Mama hindurch. In der Hand ein Tablett mit essen und trinken. Kaum dass sie meine Verletzungen bemerkt, zittert sie am ganzen Körper. Gerade noch rechtzeitig kann sie das Tablett auf dem Nachttisch abstellen. "Rosa. Mein Schatz. Was ist denn mit dir passiert?" Fragt sie besorgt und will mich in den Arm nehmen. Doch nicht nur wegen den Verletzungen will ich das nicht. Ich bin verwirrt. "Warum hilfst du mir nicht?" Frage ich sie leise. Ihre Augen sind voller Tränen. "Dein Vater... Er hat sich mit dem Teufel eingelassen." Flüstert sie so leise, dass ich es fast überhört hätte. Gerade will ich nachfragen, was sie damit meint, da räuspert sich ein Wachmann hinter meiner Mutter. Komisch. Den kenn ich gar nicht. "Ist einer von Hugo's Jungs." Zischt sie und wird direkt an den Armen aus dem Zimmer gezerrt. Was ist denn bitte hier los? Wieso hat Hugo auf einmal das Sagen und seit wann ist er so? Wir sind doch zusammen aufgewachsen.
Ein Blick auf das Essen und ich könnte Kotzen. Ich werde bestimmt nichts Essen solange sie mich hier einsperren. Wenn mich doch nur Alvero besuchen würde. Vielleicht könnte er mir helfen.
Die nächsten Stunden verschlafe ich. Mein Kopf schmerzt wahnsinnig. Wieder ertönt das klappern der Schlüssel. Mutig räcke ich mein Kinn und starre zur Tür. Diesmal ist es Hugo. Nein verdammt. Nicht er. "Na meine Taube. Hast du dich wieder eingekriegt?" Säuselt er fröhlich. Ich muss mich gerade so beherrschen, dass ich ihm nicht vor die Füße kotze. Bevor ich was Falsches sage, sage ich lieber gar nichts. Doch das scheint auch nicht richtig zu sein. Im Nu kniet er auf dem Bett und schwebt über mir. Grob fasst er an mein Kinn, das höllisch schmerzt. "Du glaubst also, du brauchst mir nicht antworten?" Knurrt er. Zack. Wieder eine Backpfeife. Scheiße verdammt. Er krabbelt über mich, sodass er jetzt auf meinen Bauch sitzt. Mit seinen Händen fixiert er meine Hände. "Du hast gefälligst zu antworten, wenn ich was frage. Ist das klar?" Spuckt er mir ins Gesicht. "Ja." Zische ich zurück. Doch statt mich loszulassen fährt er mit seiner Nase über meine Wange bis runter zu meinem Hals. "Gott. Wie gerne würde ich dich jetzt ficken. Aber du stinkst noch nach diesem Bastard." Knurrt er und steigt von mir runter. "Heute Abend darfst du mit uns Essen. Ich hole dich ab. Dann bist du frisch geduscht und hast das Kleid an, was ich dir zukommen lasse. Und danach machen wir beide es uns gemütlich." Erklärt er und schnalzt erregt die Zunge. Ich könnte gerade kotzen. Bitte nicht. Bitte lieber Gott. Tu doch was.
Als er das Zimmer verlassen hat, sprinte ich ins Bad. Gerade noch rechtzeitig schaffe ich es zum Klo und entleere meinen Mageninhalt. Was mache ich jetzt bloß? Ich brauche dringend einen Plan. Kaum, dass ich mich frisch gemacht habe, kommt der Wachmann von eben herein und legt mir ein Kleid und Schuhe hin. Mehr nicht. Beim genaueren Hinsehen bleibt mein Mund offen stehen. Es ist ein rotes enges Kleid, was mir wahrscheinlich gerade mal über den Po gehen wird. Der Ausschnitt scheint ziemlich tief zu gehen. Warum muss ich überhaupt was anziehen. Ich habe ja eh nicht mal Unterwäsche.
Nach einer Dusche zwänge ich mich in dieses Stöffchen. Mehr kann man dazu nicht sagen. Natürlich passend dazu hammerhohe Stilettos. Da braucht man keine Fesseln. Mit den Klamotten kann man nicht flüchten. Meine Haare hängen mir nass herunter. Makeup lasse ich ebenfalls weg. Soll doch jeder sehen, wie Hugo mich vermöbelt hat.
Während ich noch vor dem Spiegel stehe, öffnet sich die Tür. Sofort versteife ich mich und bekomme Herzrasen. Hugo betritt in einem schwarzen Anzug den Raum. "Da ist ja meine Taube. Ich wusste es, du hast einen geilen Arsch in dem Kleid." Lacht er fies und knallt mir mit voller Wucht seine flache Hand auf den Po. Anschließend reibt er schmierig darüber. "Na na na. Was spüre ich denn da? Wer hat dir erlaubt Unterwäsche zu tragen?" Knurrt er aufgebracht und greift grob unter mein Kleid. Mit einer fließenden Bewegung ist das Stückchen Stoff zerrissen. Na super, das war mein einziger Slip. "So ist schon viel besser." Raunt er in mein Ohr und lässt seine Hand über meinen Oberschenkel zu meiner Mitte fahren. Dort verharrt er und sieht mich im Spiegel an. Mir wird schlecht und Tränen bilden sich in meinen Augen. "Nicht so schüchtern mein Täubchen. Für den Spaghettifresser hast du doch auch die Beine breit gemacht." Zischt er in mein Ohr. Eine wirklich ungute Gänsehaut bildet sich auf meiner Haut. Ruckartig werde ich am Arm herum gerissen. "Na komm. Wir werden schon erwartet." Erklärt Hugo und zieht mich mit sich die Treppe hinunter. Ich habe wirklich Mühe nicht zu fallen.
Als wir zusammen das Esszimmer betreten, sitzen bereits alle an dem Tisch. Papa, Mama, mein Cousin Pablo und meine Brüder Carlos, Javier und auch Alvero. Mit großen Augen schaue ich meinen Brüdern ins Gesicht. Warum sitzen sie hier und unternehmen nichts. Egal wem ich in die Augen schaue, sie schauen sofort weg. Hugo platziert mich auf dem Stuhl neben sich, während er sich ans Kopfende setzt. Moment mal. Da sitzt immer Papa. Aber nein. Vater sitzt am anderen Ende wo sonst meine Mutter sitzt. Diese sitzt nun neben mir. Nachdem Hugo ebenfalls Platz genommen hat, verteilt meine Mutter mit zitternden Händen das Essen. Mein Blick ist auf meinen Schoß gesenkt aber ich sehe aus dem Augenwinkel wie meine Brüder meiner Mutter dabei zusehen. Sie sehen ängstlich aus. "Also. Wir trinken darauf, dass meine Taube wieder nach Hause gefunden hat und auf die Hochzeit am Wochenende." Erhebt Hugo das Glas und prostet mir zu. Warum zum Teufel macht niemand was?

DU LIEST GERADE
Hola y adios bebe - Hallo und Tschüss, Baby!
RomanceMario ist mit seinem Leben als Fahrer des italienischen Padre, Enzo Mancini, zufrieden. Er liebt Autos, Aktion und Frauen. Doch aus heiterem Himmel kommt Rosa in sein Leben. Die quirlige Tochter des mexikanischen Kartellboss. Kann das gut gehen? Ode...