16.05.2014

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Tess
      

Ausgepowert kam ich an einem großen Baum an, welcher ziemlich viel Schatten spendete. Das ließ ich mir natürlich nicht entgehen und setzte mich darunter auf die weiche Wiese. Obwohl es eigentlich erst Mai war, herrschten jetzt schon sehr tropische Temperaturen, welche vermuten ließen, dass wir uns bereits im größten Hochsommer befanden, obwohl gerade erst Frühling war. Natürlich übertrieb ich mal wieder... Aber für mich, ein typisches Winterkind, waren 25°C einfach schon zu heiß. Und das meinte ich ernst.

Ich ging mal wieder joggen, so wie jeden Morgen, da das wie vieles andere, jeden Tag auf dem Plan stand. Laut den ganzen Sozialpädagogen und Psychologen hier, sei körperliche Betätigung gut für den Geist und die Seele. Am Anfang hielt ich das für Quatsch, doch nach und nach bemerkte ich, dass durchaus etwas Wahres an den ganzen Sprüchen und Verwünschungen dran war. Schließlich bekam ich während des Joggens einen kühlen Kopf und alle Probleme rückten in den Hintergrund. Dafür sorgte die frische, angenehme Frühlingsluft am Morgen. Nur, dass es heute besonders warm war.. Es war gerade mal 8:27 Uhr und ich schwitzte wie nochmal was. Bereits seit 7:30 Uhr war ich auf und seitdem auch draußen. Um Punkt 9:00 Uhr würde es Frühstück geben. Weshalb ich jetzt auch beschloss wieder in mein Zimmer zu gehen, um zu duschen und mir etwas Frisches anzuziehen. Morgensport hatte ich für heute genug getan.

Das Grundstück war riesig, weshalb ich etwas brauchte um den Eingang zu finden. Es gab viel Wiese und fast an jeder Ecke stand ein Baum mit schönen grünen Blättern. Ich mochte das Grundstück.. Wie man ja schon wusste, hatte ich eine ungewöhnliche Vorliebe für solche Plätze.

Obwohl das mittlerweile mein 4. richtiger Tag hier war, verlief ich mich teilweise immer noch, da alles so unglaublich groß war. Ich konnte mir einfach nicht merken, wo die einzelnen Räume alle waren.. Da war der geschenkte Wegweiser wirklich von Nutzen. Den Weg zu meinem Zimmer jedoch hatte ich mir zum Glück relativ schnell einprägen können.

       
Ich blieb etwas länger unter der Dusche als sonst, da ich noch eine Weile das angenehm lauwarme Wasser, welches zunächst eiskalt gewesen war, da ich mich abfrischen musste, auf meiner Haut spüren wollte. Ungefähr fünf Minuten später stieg ich dann doch aus der Dusche und schnappte mir das erstbeste Handtuch, was ich in die Finger bekam, und rubbelte mich überall trocken. Anschließend griff ich nach einem kleineren Handtuch und nahm meine frisch gewaschenen Haare in Angriff. Solange, bis sie halbwegs trocken waren. Danach fing ich an mich anzuziehen. Einen schwarz-grau-weißen Karorock, eine weiße luftige Bluse, eine schwarze Leggins, die knapp über die Knie reichte, und weiße Socken hatte ich mir für heute zurecht gelegt. Und in genau die Sachen zwängte ich mich jetzt auch rein. Als ich fertig war, betrachtete ich mich im Spiegel. Meine schwarzen Haare, die mir knapp bis zum Bauch reichten, standen zerzaust vom Kopf ab und waren völlig verfilzt. Aber das würden wir gleich haben. Hastig griff ich nach meiner Bürste und kämmte meine Haare durch. Nach weniger als zehn Minuten war ich fertig und meine Mähne hing glatt gekämmt an beiden Seiten herunter. Zufrieden damit, wanderte ich von meinen Haaren langsam zu meinem Gesicht. Ich sah ungewohnt blass aus und unter meinen Augen bildeten sich deutlich Augenringe ab. Man merkte, dass mir diese Umstellung körperlich nicht sonderlich gut tat, aber dafür seelisch umso mehr. Zwar kam ich hin und wieder zu nicht besonders viel Schlaf und hatte jeden Tag viele neue Dinge, die mich erwarteten, was ziemlich anstrengend sein konnte, aber dafür bekam ich Massen an Unterstützung und Einfühlsamkeit. Jeder, einfach jeder hier, hörte mir zu. Hörte sich meine Probleme an und versuchte mir zu helfen. Die ganzen Psychologen und Sozialpädagogen gab es schließlich nicht ohne Grund. Die waren extra für sowas spezialisiert. Man kam dort in verschiedene Sprechzimmer, die sich überall im Gebäude verteilten, und konnte mit diesen Personen reden. Ich war bisher drei Mal in einem gewesen und nach jedem Gespräch ging es mir ein Stückchen besser. Heute würde ich ein viertes Mal mit einem reden. Genauer gesagt mit Lukas, einem bestimmten Psychiater. Ich mochte ihn, meiner Meinung nach war er der Einfühlsamste und Netteste hier. Er erzählte mir, dass er es bereits schon sehr oft mit Mädchen zutun hatte, die sich körperlich selbst verletzt haben. Und sich mittlerweile sehr gut in sie hineinversetzen konnte.

Aus dem Leben eines Mädchens..~♥Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt