Tess
Ein dumpfes Geräusch riss mich aus meinen Gedanken, als ich meine Kopfhörer abnahm und sie auf den Nachttisch neben mir legte. Dieses hörte sich so an, als wäre irgendetwas zu Boden gefallen, wie in etwa eine Plastikschüssel oder etwas anderes Hartes in dieser Art. Und da mein Bruder der Einzige war, der sich in diesem Stockwerk befand und gerade aktiv war, konnte nur er es gewesen sein. Denn immerhin hatte Mum sich niedergelegt und Dad schaute unten im Wohnzimmer irgendeine Sportsendung im Fernsehen an. Zumindest hatte er das noch getan, als ich nach oben verschwunden war, um die Hausaufgaben für den nächsten Tag zu erledigen. Doch das war mittlerweile über eine Stunde her und es konnte sonst was passiert sein. Was ich zwar nicht glaubte, aber dennoch war es möglich.
Beinahe lautlos setzte ich mich auf und schwang die Beine über die Bettkante. Vorsichtig näherte ich mich meiner Zimmertür, welche nur angelehnt war. Ich war im Begriff, herauszufinden, was mein Bruder da so trieb und dafür musste ich ihn wohl oder über beobachten. Heimlich, wenn ich nicht wollte, dass er mich entdeckte und dafür wohl oder übel Ärger einkassieren würde. Und das wollte ich nicht.
Absolut leise schlich ich den schmalen Flur entlang. Schon von Weitem konnte ich erkennen, dass Fabians Zimmertür sperrangelweit offen stand. Eine Tatsache, die zwar mega gut dafür geeignet war, jemanden zu beobachten, aber umso schlechter, dabei nicht erwischt zu werden. Weshalb mir der riesen Wandschrank im dunklen Holz, der locker zwei Meter lang war, eine Schiebetür besaß und quasi das Schlafzimmer von Mum und Dad und Fabians Zimmer voneinander trennte, beziehungsweise perfekt in die Lücke in der Wand hineinpasste. Den besaßen wir schon ewig. Dort waren viele persönliche Sachen enthalten, wie Fotoalben oder wertvolle Erinnerungsstücke. Aber auch wichtige Unterlagen, wie Überweisungsscheine, Finanzpapiere oder Versicherungsbögen. Eben Dinge, die man nicht unbedingt verlieren wollte.
So lautlos wie möglich versteckte ich mich in der Ecke, sodass ich mit dem Rücken direkt an der Schlafzimmertür stand. Ich beugte mich etwas zur Seite, damit ich überhaupt irgendetwas erkennen konnte. Und das tat ich tatsächlich, trotz um die zwei bis drei Meter Entfernung. Ich sah meinen Bruder, welcher hektisch irgendetwas in seinem Zimmer herumwühlte und wohl irgendwelche Sachen in eine Art Korb packte. Einen gewobenen Holzkorb, eben genau diese Art von Korb, die man meist für ein Picknick benutzte. Leider konnte ich nicht genau erkennen, was er da genau einpackte, da ich mich so noch weiter heraus beugen hätte müssen, und ich mich nicht verraten wollte. Was ich aber im Gegensatz ganz genau erkannte, war, dass Fabian lächelte. Beinahe strahlte. Ja, er wirkte.. glücklich. Und das schon seit Tagen. Am Anfang war ich verwirrt, hatte keine Ahnung, was ihn denn so glücklich machte. Denn ehrlich gesagt, kannte ich ihn so gar nicht. Aber als vorgestern Alex, Mikayla's Schwester, plötzlich vor unserer Tür stand und zu ihm wollte.. da hatte es Klick gemacht. Mir wurde klar, dass das Verhalten meines Bruders irgendetwas mit diesem Mädchen zu tun hatte. Was auch immer zwischen den Beiden lief. Doch anscheinend nicht gerade wenig, wenn er am gleichen Tag am Abend auf einmal noch glücklicher gewirkt hatte. Sogar so glücklich, dass es mir beinahe Angst machte. Oder war es normal, wenn jemand, der glücklich war, raus geht und in die Welt hinaus schreit, dass er ja so glücklich war? Und das war ja noch das harmloseste Beispiel. Mum und Dad hatten auch leicht irritiert gewirkt, als sie das mitbekamen, haben aber nicht weiter nachgefragt. Nun ja.. das Ganze könnte auch daran liegen, dass mein Bruder noch nicht allzu viel Erfahrungen mit Mädchen gemacht hatte, zumindest was ich so mitbekam. Und da waren derartige Gefühle doch voll normal, oder? Absolut war ihm anzusehen, dass er sich in sie verliebt hatte. Und wie. Auch, wenn er es wahrscheinlich nicht zugeben würde. Ich kannte ihn. Er sprach nie über seine Gefühle.
Hastig löste ich mich vom Schrank und eilte zurück in mein Zimmer, als ich merkte, dass Fabian drauf und dran war, seins zu verlassen. Als ich dort ankam, zog ich meine Zimmertür schnell zu, ließ sie dennoch einen Spalt breit offen, damit ich wenigstens lauschen konnte. Und ich hatte Recht gehabt. Kurz darauf betrat Fabian den Flur, was ich an Schritten auf dem Parkettboden erkannte. Eilig ging er die Treppen nach unten, wobei ich mir sicher war, leise den Inhalt seines Korbs rascheln zu hören. Anschließend wurde die Tür, die zur Garderobe führte, geöffnet. Keine zehn Sekunden später, die die nach draußen führte. Dann nur noch ein Räuspern und die Stimme meines Bruders, die klar bis zu mir nach oben drang: "Ich hab' noch was vor.. Komm' später wieder. Wartet nicht auf mich." Und dann wurde die Tür zugeschlagen.
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Aus dem Leben eines Mädchens..~♥
Romantika》"Du hasst Menschen grundlos. Du gehst zu leichtfertig damit um. Ich meine, was bringt dir der Hass? Wenn du dich weiterhin so verhältst, will definitiv keiner je mit dir befreundet sein."《 September 2012 Im Leben des Mädchens Mikayla Ashley Simpson...
