30.06.2015

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Fabian
         
       
Das Schlüsselloch klackte leise, als ich um viertel nach sechs meine Zimmertür im dritten Stock erreichte und aufsperrte. Eigentlich würde es in weniger als einer halben Stunde Abendessen geben, dort würde ich auch hingehen, doch davor hatte ich weitaus wichtigere Dinge zu erledigen. Wie meinen Koffer packen zum Beispiel, was mir Sebastian aufgetragen hatte. Immerhin war es endlich soweit. Mein letzter Abend hier war endlich gekommen und ich hatte noch keinen Strich von meinem Zeug nur ansatzweise eingepackt. Morgen früh um neun würde ich geholt werden. Ob endlich dabei eher erleichtert oder niedergeschlagen gemeint war, da war ich mir noch nicht ganz sicher.

Mit Schwung warf ich die Zimmertür hinter mir zu, wäre es Nacht gewesen, wäre ich sicherlich dafür verflucht worden, und steuerte sofort das Bett an, um meinen Koffer hervorzuholen. Ich kniete mich auf den Boden, während ich nach dem Koffer mit dem blauen Stoffbezug tastete, ihn mit einem Seufzen hervor hievte und auf meinem Bett auf der Bettdecke abstellte. Mein Herz dröhnte mir nur so in der Brust, als die Spannfeder des Betts nachgab, sobald der schwere große Koffer darauf landete. Langsam merkte ich, wie sich das unwohle Gefühl, das ich verspürte, sobald ich an Zuhause dachte, in Nervosität verwandelte. Wie stechendes Gift floss es durch meine Adern und setzte sich in der Magengegend ab, was einem das Gefühl gab, nur noch einen festen verklumpten Knoten dort zu haben. Weswegen ich auch bezweifelte, dass ich später beim Abendessen überhaupt einen Bissen hinunter bekommen würde. Wahrscheinlich kotzte ich eher…

Ich fühlte mich ruhelos und aufgewühlt, während ich die Tür des Schranks öffnete und anfing wahllos meine Klamotten heraus zu räumen. Das war’s dann also. Das war das letzte Mal, an dem meine Klamotten diesen Schrank gesehen hatten… Ob sie ihn wohl vermissen würden? Mein Schrank Zuhause war immerhin auch nicht gerade der Beste, total alt und dreckig. Dieser hier war wenigstens sauber und wirkte relativ neu. Okay, ich glaubte jetzt drehte ich wirklich durch, wenn ich schon Schränke miteinander verglich… Das hieß, ich brauchte später unbedingt noch eine warme Dusche. Gleich nachdem ich mich beim Abendessen wohl oder übel übergeben hatte.

          
Sobald der Schrank komplett leer war und meine Klamotten vorerst alle auf der Bettdecke herum lagen, machte ich mich auf ins Badezimmer. Dort sortierte ich die Sachen erst einmal nur, da ich einiges davon noch brauchen würde. Wie Zahnpasta, Zahnbürste, Kamm, Deo und Feuchtigkeitscreme, Shampoo und Duschgel, wenn ich heute noch duschen wollte. Den Rest wie Rasierer, Rasierschaum und Aftershave (was ich nicht unbedingt gebraucht hatte, haha…) nahm ich mit, um ihn anschließend gleich in meinem Koffer zu verstauen.

        
Sobald alles von meinem Zeug, außer den Pflegeartikeln, die ich noch brauchen würde, auf meinem Bett lag, um es danach gleich einzupacken, hielt ich für einen Moment inne. Ich starrte nachdenklich auf den Haufen und überlegte, was ich als erstes einpacken wollte. Letztendlich entschied ich mich für meine Klamotten, da die den meisten Platz beanspruchen würden. So fing ich an die einzelnen Teile, die vorerst einfach auf einen Haufen geschmissen wurden, irgendwie zusammenzulegen. Sonderlich oft hatte ich das ehrlich gesagt noch nicht gemacht, aber irgendwie bekam ich das schon hin. Auch, wenn das erste Teil – ein dunkelrotes T-Shirt mit einem Fake-Nike Zeichen darauf – eher etwas schöner zusammengeknüllt, als ordentlich zusammen gelegt aussah. Aber das war mir in dem Moment sowas von egal, weshalb es auch einfach so in den Koffer kam. Und so ging es weiter. Von T-Shirts, bis zu Pullis, Jogginghosen und Jeans. Während ich zusammenlegte, dachte ich wieder einmal an meine Familie. An mein Zuhause. Die Gefühle, die ich dabei empfand, waren sehr gemischt. Einerseits freute ich mich und hatte Hoffnung, dass meine Eltern etwas eingesehen hatten und alles nun besser wurde, aber andererseits hatte ich auch Angst. Darauf, dass keines dieser Dinge passierte. Ich würde mir einfach wünschen, dass meine Eltern einfach einmal offen und ehrlich mit mir reden würden. Über die letzten Jahre, einfach über alles. Warum es damals überhaupt soweit gekommen war, warum sie mir das Gefühl gegeben hatten, dass ich nichts wert wäre. Ich wollte, dass wir uns versöhnten. Uns endlich näher kennenlernten, einfach ein gesundes Verhältnis aufbauten… Das wäre mir so verdammt wichtig. Aber vermutlich dachte da nur ich so. Und auch wenn meine Eltern auf einmal freundlich und liebevoll mit mir umgingen… Einfach wie ganz normale Eltern, so wie Dad an seinem Geburtstag am Telefon zu mir war… Dann wäre trotzdem noch nicht alles getan. Denn es war genauso eine Erklärung nötig. Dieses Gespräch, das ich mir von ihnen wünschen würde. Mein Blick verfinsterte sich schlagartig, als mir ein dunkler Gedanke kam. Wenn Mum und Dad nach dieser Sache immer noch nicht wachgerüttelt wurden, sind sie entweder dümmer oder herzloser als ich dachte.

Aus dem Leben eines Mädchens..~♥Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt