Fabian
Im Empfangsbereich der Klinik war die Hölle los. Leute checkten ein, checkten aus, wurden von Ärzten in bestimmte Räume begleitet, um dort sozusagen "Einführungsgespräche" zu führen oder, wenn ausgecheckt wurde, die Eltern oder enge Verwandte auf den neuesten Stand ihres Kindes oder Freundes gebracht wurden, um darauf zu diskutieren, welche Erfolge vollbracht wurden. Und ich saß nur hier, auf einem Holzstuhl an der Wand in der nächsten Ecke und beobachtete das Ganze. Und, was man nicht vergessen sollte, war scheiße nervös. Die Uhr an der gegenüberliegenden weißen Wand verriet mir, dass es mittlerweile kurz vor neun war und meine Eltern jeden Moment durch diese Tür hereinspaziert kommen könnten. Ein unglaublich tolles Gefühl seine ach so lieben Eltern nach der ganzen Zeit, nach der ganzen Scheiße, die passiert war, endlich wiederzusehen. Ein unglaublich tolles Gefühl… Ich stöhnte auf. Mir kam gleich alles hoch, so viel Angst hatte ich. Aber ich glaubte übergeben konnte ich mich gar nicht, da mein Magen komplett leer war, da ich weder heute Morgen noch gestern Abend etwas zu mir genommen hatte. Nach Lukas' überraschenden Besuch und seiner Vorstellung, welches Essen es geben würde, hatte ich endgültig keinen Appetit mehr und war mit leerem Magen ins Bett gegangen. Und heute Morgen war ich einfach viel zu nervös gewesen, um überhaupt an Essen zu denken.
Vorsichtig spähte ich in den hellen Empfangsbereich, indem es dutzende weiße Lederstühle gab und Beistelltische mit lauter kleinen Gesundheitsheftchen und dem ganzen Kram. Ähnlich wie bei einem Allgemeinarzt. Der einzige Unterschied war, dass ich dort noch nie eine gläserne durchsichtige Tür gesehen hatte, eben so eine, die es hier gab. So konnte ich von dort, wo ich gerade saß, noch gut alles im Blickfeld haben, was außerhalb des Gebäudes vor sich ging. Wie eben den Parkplatz einige Meter weiter, auf dem dutzende Autos standen. Doch keines von ihnen sah dem meiner Eltern besonders ähnlich… soweit ich das von der Entfernung überhaupt erkennen konnte. Meine Eltern sah ich genauso wenig irgendwo herumlaufen. Ich atmete kurz ein und wandte meinen Blick anschließend auf die große Rasenfläche ein paar Meter weiter etwas versteckt vom Gebäude. Ich erinnerte mich daran, wie Mark und ich die letzten Nachmittage dort immer gemeinsam verbracht hatten und an unsere erste "Verabredung" zum Fußballspielen. Ich mochte Mark… Er schien ähnliche Probleme zu haben wie ich und mit ihm konnte man reden. Mit ihm hatte ich mich hier nie alleine gefühlt… Ich hatte jemanden. Jemanden, der meine Probleme und den ganzen Scheiß mit der Sucht nachvollziehen konnte. Ich hatte einen Freund. Ich seufzte kaum merklich. Was er jetzt wohl machte? Von ihm wusste ich, dass er noch eine ganze Weile länger hier in der Klinik bleiben musste… Um sich von dem ganzen Stress von Zuhause und der Gang, die er sich angeschlossen hatte, zu erholen. Um runterzukommen. Um clean zu werden. Konnte ich verstehen… Ob er wohl gerade noch frühstückte?
Heftig zuckte ich zusammen, als ich kurz darauf spürte, wie mir jemand eine Hand auf die Schulter legte. "Ganz ruhig. Ich bin’s nur.", murmelte eine sanfte Stimme und als ich mich herum drehte, erkannte ich Lukas neben mir stehen. Seine warmen braunen Augen blitzten verständnisvoll. Erleichtert atmete ich aus. "Erschreck‘ mich doch nicht so, Mensch!", protestierte ich halb im Scherz, halb ernst gemeint. Lukas, der verstand, dass ich eigentlich nur Spaß machen wollte, grinste schief. "Es tut mir so leid! Kannst du mir verzeihen?", machte er zu meiner Begeisterung einfach mit. Mit einem fetten Grinsen im Gesicht, aufgrund der Tatsache wie cool dieser Psychologe doch war und er es einfach immer wieder hinbekam, dass ich meine Nervosität oder sonstige Probleme einfach vergaß, schaute ich ihn an. "Klar doch." Lukas schmunzelte. "Da bin ich aber erleichtert." Anschließend setzte er sich einfach neben mich und wurde schlagartig wieder ernst. "Okay… deine Eltern kommen um neun, richtig?" Ich musste schlucken. "Ja… wieso?" Lukas nickte nachdenklich. "Wollte nur noch sicher gehen, ob sich auch nichts geändert hat. Und ich wollte dich noch was fragen. Willst du in dem Gespräch, das ich mit deinen Eltern führe dabei sein oder lieber draußen warten?" Überrascht sah ich ihn an. "Geht das überhaupt? Also dabei sein?" Lukas nickte kräftig. "Ja, klar. Wenn du wissen willst, was ich deinen Eltern alles sage und du auch mitreden willst, kannst du das natürlich. Einige bevorzugen das sogar. Du hast die Wahl." Ich spürte, wie er mich aufmerksam musterte, während ich darüber nachdachte, welche Entscheidung ich treffen sollte. Sollte ich mitgehen? Sollte ich mir anhören, was Lukas meinen Eltern zu sagen hatte, was ich im Übrigen schon alles wusste, und dann die Reaktion meiner Eltern abwarten? Zum einen hatte ich Angst vor diesem Gespräch, Angst, wie meine Eltern reagieren könnten. Da schien der Platz hier draußen, auf diesem Stuhl einfach abzuwarten bis alles vorbei war, doch schon viel verlockender. Andererseits… wollte ich unbedingt mit dabei sein, um endlich einmal reinen Tisch zu machen. Um mit meinen Eltern normal reden zu können. Ich wollte endlich in Gewissheit leben. Ich wollte verstehen. Und genau aus dem Grund, dass diese Seite eben überwog, würde ich es tun. Ich würde bei diesem Gespräch dabei sein.
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Aus dem Leben eines Mädchens..~♥
Romance》"Du hasst Menschen grundlos. Du gehst zu leichtfertig damit um. Ich meine, was bringt dir der Hass? Wenn du dich weiterhin so verhältst, will definitiv keiner je mit dir befreundet sein."《 September 2012 Im Leben des Mädchens Mikayla Ashley Simpson...
