20.02.2015

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Tess


Nachdenklich starrte ich auf den Bündel Kleider in meiner Hand, welches insgesamt aus zwei längeren Oberteilen bestand, das eine war rot mit schwarzen Streifen, das andere nur schwarz und auf diesem prangte ein großes, glitzerndes weißes Herz. Außerdem hatte ich da noch eine schwarze Jeans und eine weiße Jogginghose. Und nicht zu vergessen meinen alten, lila Schlafanzug, welcher eine lange Hose mit vielen kleinen Sternen und ein T-Shirt mit einem großen Stern darauf besaß. Obwohl ich den schon seitdem ich neun war hatte, liebte ich ihn immer noch. Und passen tat er nach wie vor tadellos. Auch, wenn das Shirt langsam etwas zu klein geriet..

Vorsichtig legte ich die Sachen auf meinem Bett ab und schaute anschließend zu einem alten Sportbeutel, den ich nicht mehr benutzte, und in den ich jetzt alles hineinquetschen musste. Das Waschzeug war schon enthalten, weshalb ich da drin jetzt noch weniger Platz hatte. Aber.. brauchte ich das alles? Skeptisch beäugte ich den kleinen Berg an Klamotten auf meinem Bett. Immerhin schlief ich nur einen einzigen Tag bei Brett. Da brauchte ich doch nicht gleich so viel, oder? Seufzend stopfte ich letztendlich nur meinen Schlafanzug, das Oberteil mit dem Herz und die weiße Jogginghose in meinen Sportbeutel. Anschließend packte ich dazu noch frische Unterwäsche und Socken ein, mein Handy schnappte ich mir vom Nachttisch. So. Ich bin fertig, würd' ich sagen.

Ruckartig schloss ich die Tür hinter mir und steuerte das Zimmer meines Bruders, am anderen Ende des Flures, an. Mum und Dad waren ausgegangen, wussten aber, dass ich heute bei Brett übernachten würde. Und genau deswegen musste ich nun Fabian Bescheid geben, dass ich gehen würde. Ich könnte mir fast vorstellen, dass der sich darüber freuen würde. Immerhin hätte er dann sturmfrei. Welcher Teenager in seinem Alter freute sich bitteschön nicht über so etwas?

Vorsichtig klopfte ich an seine Zimmertür, worauf ich erst Sekunden später eine Antwort erhielt. Ich öffnete die Tür und sah meinen Bruder, welcher in einem ausgewaschenen roten Shirt und seiner geliebten dunkelgrauen Jogginghose an seinem Schreibtisch saß und dort auf seinem Computer irgendeins seiner dummen Spiele zockte. Ganz vertieft schien er darin zu sein, da er nicht einmal aufgesehen hatte, als ich hinein gekommen war. Auch nicht, als ich mich lautstark räusperte. Das nannte ich mal typisch großen Bruder. "NEIN!", schrie er auf und warf seine Arme dramatisch nach hinten. Nur mit Mühe konnte ich mir ein Grinsen verkneifen. Scheint, als hätte er verloren. "Ich gehe dann.", sagte ich, als er mich endlich ansah. Fabian nickte. "Ist gut.", meinte er nur und wandte sich anschließend wieder seinem Bildschirm zu. "Tschüss.", verabschiedete ich mich und wollte gerade die Tür schließen, als Fabian mich noch einmal zurückhielt. "Ach ja, Schwesterherz.." Ich sah ihn an. "Ja?" Sein Blick ruhte schweigend auf mir, ehe er meinte: "Stell dort ja nichts Dummes an, okay? Wer weiß wie Mum und Dad reagieren würden." Auf seinem Gesicht breitete sich ein Grinsen aus, jedoch war das nicht nur irgendein Grinsen. Es war dieses seltsame Grinsen, welches er immer aufsetzte, nachdem wir Streit gehabt hatten. Am gleichen Tag am Abend, wenn er irgendetwas von unten holte. Sei es ein Getränk, ein Ladekabel (das, was er mir einmal gestohlen hatte *hust*) oder sonst was. Genau da. Jedoch wusste ich bis heute nicht, was das bedeutete. Es wirkte unheimlich, gleichzeitig aber auch irgendwie bekümmert.. Und ich hatte keine Ahnung woran das lag. Aber andererseits war Fabian für mich schon immer ein Rätsel gewesen, von dem her..

Doch diesmal da war noch etwas anderes. Als ich ihn etwas genauer musterte, merkte ich, dass er Tränen in den Augen hatte. Erst dachte ich, dass ich mir das nur einbildete, jedoch als ich noch einmal hinsah, war es klar. Da waren Tränen in seinen Augen. Verwirrt wollte ich auf ihn zu gehen, als er sich auch wieder von mir abwandte. "Tschüss. Viel Spaß oder so.", murmelte er, während er sein Spiel neu startete. "Bis dann..", erwiderte ich verdattert und schloss leise die Tür hinter mir.
Ich seufzte, der Blick auf Fabians Zimmer gerichtet. Ich wurde aus meinem Bruder einfach nicht schlau.

Aus dem Leben eines Mädchens..~♥Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt