17.04.2015

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Brett
     
     
"Kommt ihr dann? Wir müssen los!", drängte ich meine Eltern, welche immer noch damit beschäftigt waren, sich zurecht zu machen, während ich in der Garderobe vor der Haustür auf sie wartete. Es war ja nicht etwa so, als würde es nur auf ein belangloses, normales Schulfest gehen.. Neiin. Dennoch hielten es Mum und Dad für wichtig, sich richtig schick machen zu müssen. Also zumindest glaubte ich das, denn wieso auch sonst sollte man so lange brauchen, um sich umzuziehen? Vielleicht noch etwas stylen, aber mehr auch nicht. Okay, wahrscheinlich eher Mum, wenn sie sich noch etwas schminken wollte, aber Dad? Sonst brauchte er nie so lange. Nicht einmal, wenn er mit Mum auf eine Verabredung ging, in ein Restaurant oder ähnliches. Nun gut.. das war jetzt vielleicht ein bisschen weit her geholt. Aber was konnte ich dafür? Ich war ungeduldig. Ich musste pünktlich dort sein und das wussten sie ganz genau!

"Wir kommen gleich!", rief Mum zurück, ihre Stimme klang gestresst. Dabei hörte ich leises Klackern, wie immer, wenn sie hohe Schuhe trug und damit über harten Parkettboden marschierte. Diesmal wohl im oberen Stockwerk. Daneben ertönte das Laufen des Wasserhahns aus dem Badezimmer. Ich seufzte. Ungeduldig zog ich den Ärmel meiner schwarzen Jacke nach oben, um den Blick auf meine Armbanduhr freizulegen.15:33 Uhr.. In etwa zehn Minuten musste ich im Klassenzimmer sein. Eine Viertelstunde bevor das Schulfest offiziell beginnen würde. Um die fünf Minuten brauchte ich bis dorthin, wenn nicht länger. Und wenn Mum und Dad noch ein wenig länger brauchen würden.. Ich schüttelte den Kopf. Das schafften wir schon. Haben wir doch schon mal. Außerdem war der Großteil der Klasse so gut wie nie pünktlich, da fiel das bei einem mehr oder weniger auch nicht mehr auf. Unsere Lehrerin konnte ohnehin nichts dagegen tun.

Vorsichtig schob ich den Ärmel meiner Jacke nach vorne, wobei ich den Stoff meines Hemdes leicht verdrehte. Ja, richtig gehört, ich trug heute ein Hemd. Und das ganz freiwillig. Eins ohne Karomuster oder sonstiges, sondern ein ganz schlichtes, in schwarz gehaltenes. Ein ziemlich dünnes, das leicht durchsichtig war. Eines dessen Stoff irgendwie an den von Blusen erinnerte. Dazu trug ich eine dunkelgrüne Hose und wiederum schwarze Sneakers. Diese höheren mit dem breiten Kragen, die momentan einfach jeder hatte. Über meinem Hemd trug ich eine Softshelljacke in derselben Farbe und meine Haare waren mit ein wenig Haarspray etwas nach oben gestylt. Zumindest die vorderen Strähnen davon. In allem war ich sehr zufrieden mit dem was ich anhatte und wie ich aussah. Das schlichte vornehme Hemd, das ich trug, gefiel sogar mir. Die Schuhe blitzsauber. Also schicker konnte ich mich definitiv nicht mehr für ein Schulfest anziehen.

Kurz darauf ertönten auch schon Schritte auf der Treppe und etwa eine Sekunde später standen meine Eltern vor mir in der Tür. Ich musterte die beiden eingehend. Beide wirkten etwas außer Atem, als hätten sie sich im Höchsttempo fertig gemacht. Und das Ergebnis.. gar nicht mal so schlecht würde ich sagen. Mum trug eine schwarze glänzende Hose, die sie soweit ich wusste ziemlich gerne trug. Nur leider hatte sie während der Schwangerschaft natürlich auch zugenommen, weshalb diese nun hauteng an ihre Haut gepresst war und so aussah, als würde es ihre Beine einschneiden. Wenn das mal nicht wehtat.. Aber dafür war ihre weiße Bluse, die wohl aus demselben Stoff zu bestehen schien, wie mein Hemd, um einiges weiter. Sogar so weit, dass sie fast ihren Babybauch bedecken konnte. Und dieser war ja mittlerweile alles andere als klein. Ich war mir nicht sicher, aber ich glaube der Geburtstermin lag irgendwann Mitte oder Ende Mai.. irgendwie sowas, das genau Datum habe ich vergessen. Jedenfalls dauerte es nicht mehr lange, so viel stand fest.

Mum’s Haare gingen in Locken über, wobei ihr Gesicht leicht geschminkt war, soweit ich das erkennen konnte. An ihrem Hals prangte eine lange goldene Kette mit einem Herzen als Anhänger, die ihr Dad zu irgendeinem Hochzeitstag mal geschenkt hatte. Die Schuhe, Stiefel, die knapp bis zu den Knien gingen, hatten dieselbe Farbe wie die Hose, waren geschlossen und besaßen wie gesagt Absatz. In ihrer Hand hielt sie ihre geliebte schwarze Handtasche aus Kunstleder. Dad hingegen trug dunkelblaue verwaschene Jeans, ein langes blauweißgestreiftes Hemd, das er bis zu den Ellenbogen hochgekrempelt hatte und schwarze ausrangierte alte Chucks. Seine Haare, die dieselbe Farbe hatten wie meine, sahen aus wie immer. Leicht verwuschelt, aber dennoch ordentlich im Zaun gehalten. Irgendwie musste ich bei dem Anblick grinsen. Sowas trug er doch einfach immer. Egal bei welchen festlichen Anlässen, er griff immer nach diesen Sachen. So kannte ich meinen Dad hauptsächlich.

Aus dem Leben eines Mädchens..~♥Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt