04.05.2015

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Alex
        
     
Das Licht des alten Röhrenfernsehers flackerte. Schon ein relativ altes Teil, welches seine guten Jahre schon längst hinter sich gebracht hatte. Dennoch noch ziemlich gut zu gebrauchen und viel zu schade um ihn einfach wegzuwerfen. Ich besaß ihn jetzt schon seit stolzen fünf Jahren und noch kein einziges Mal hatte er den Geist aufgegeben. Mum und Dad hatten ihn mir einmal zum Geburtstag geschenkt, da ich sie mit diesem Wunsch förmlich bedrängt hatte. Ich wollte unbedingt einen Fernseher haben, jeder aus meiner Klasse besaß zu dieser Zeit schon einen und ich wollte dazu gehören. Ja, das typische  „Das-hat-jetzt-jeder-ich-will-es-auch-haben"-Ding. Wer kannte es nicht? Ach, wir waren ja alle einmal so dumm gewesen. Ich war auf jeden Fall froh aus diesem Alter raus zu sein ... Und wie froh ich darüber war.

Deswegen schenkten mir Mum und Dad diesen Fernseher. Genau den, den sie selbst zehn Jahre lang, wenn nicht länger, benutzt hatten und der davor zwei Jahre im Keller vor sich hin gegammelt hatte. Aber das war mir in dem Moment so egal gewesen. Ich war in dem Moment einfach nur überglücklich darüber, überhaupt einen bekommen zu haben. Und ich hatte ihn noch immer. Nach fünf Jahren.

         
Seufzend kuschelte ich mich an die Brust meines Freundes, während ich weiterhin dem Geschehen im Fernsehen folgte. Wir sahen gerade eine typische Klatsch- und Comedyserie, welche ich herausgesucht und gegen die Fabian nichts einzuwenden gehabt hatte. Die Serie hieß Two broke girls und handelte um zwei Frauen, die in einem Laden als Kellnerinnen arbeiteten, mit einem mehr oder weniger perversen Chef. Eine von beiden war eher aufgedrehter und der Welt mehr geöffnet, hatte nichts dagegen, mit mehreren Typen gleichzeitig etwas zu haben, während die andere, die Blondhaarige, etwas zurückhaltender wirkte. Dennoch war das Café, in dem beide arbeiteten, immer für Überraschungen gut und man wusste nie, was dort als nächstes passieren würde. Eine durchaus lustige Serie, wenn man manche perverse Anspielungen oder Scherze auch verstand. Und das tat ich. Ich hatte diese vor ein, zwei Monaten entdeckt und seitdem schaute ich das auch. Irgendwie.. ja, irgendwie entsprach das voll meinem Humor. Und nein, ich war nicht versaut! Überhaupt nicht. Normalerweise schaute ich solche Sendungen nicht, erst recht wenn perverse Szenen die Grenze des ertragbaren überschritten, aber das gefiel mir. Das mochte ich richtig gerne.

Ich schielte hinüber zu Fabian, welcher neben mir flach auf dem Rücken lag und Richtung Fernseher schaute. Er wirkte leicht distanziert, irgendwie gar nicht bei der Sache. Es schien, als würde er das was er zu sehen bekam, zwar registrieren, aber gar nicht wirklich wahrnehmen. So, als wäre er mit den Gedanken ganz woanders. Mein Zuhause hatten wir ganz bewusst als nächsten Treffpunkt herausgesucht. Einerseits deswegen, weil er davor noch nie bei mir Zuhause gewesen war, zumindest nicht in meinem Zimmer, das mit diversen Postern von Bands und Sängern, einer lila gestrichenen Wand und Regalen mit allen möglichen Pflegeprodukten und Büchern, nicht recht viel anders aussah, als jedes andere Teenagermädchenzimmer auch. Andererseits, da wir es einfach mal ganz entspannt haben wollten. Wir wollten nicht immer draußen sein und dort etwas unternehmen. Manchmal reichte auch ein gemütlicher Fernsehnachmittag im Bett.

Nachdenklich studierte ich ihn länger. Achtete gar nicht mehr auf das Geschehen im Fernseher. Begutachtete sein schmales, längliches und blasses Gesicht. Das dunkelbraune Haar, welches ihm teilweise verstrubbelt ins Gesicht hing. Er musste mal wieder Haare schneiden gehen.. Ich hatte das Gefühl, dass sie mal wieder viel zu lang geworden waren. Hatte er sie meistens nicht kürzer? Ich war mir nicht sicher. Allzu oft hatte ich ihn, bevor wir uns am Fußballplatz getroffen hatten, ja nie gesehen.

Seine grünen Augen, welche ebenfalls etwas ins Braune und Graue verliefen, funkelten. Sein Gesichtsausdruck wirkte ernst. Und plötzlich meldete sich wieder dieses flaue Gefühl in meinem Magen zurück. Es war wie ein Druck, ein schmerzhafter Druck, der sich gleichzeitig auf meinen Magen und auf mein Herz legte und bestand seit dem Treffen, als er zu spät gekommen war. Und es ging auch nicht weg, egal, wie ich es versuchte. Denn mich beschlich schon seit einigen Tagen eine Vermutung... Eine, die darum handelte, dass er mir fremd gehen könnte. Das wirkte jetzt vielleicht bloß so dahingestellt, aber es wäre nicht unmöglich. Immerhin gab es Anzeichen. Er ignorierte mich teilweise, schrieb während unseren Verabredungen mit jemand anderen oder wirkt öfter unausgeschlafen. Das waren doch welche, oder?! Okay, ich gab's ja zu, das alles wirkte etwas weit hergeholt. Aber in dem Punkt war ich eben einfach paranoid. Weil ich einfach Angst hatte. Wenn ich daran dachte, bekam ich einen Knoten im Magen und ich konnte stundenlang nichts mehr essen. Weil ich da einfach Panik bekam. Denn ich wollte auf keinen Fall, dass Fabian genauso tickte wie alle anderen davor. Ich wollte das nicht noch einmal erleben.

Aus dem Leben eines Mädchens..~♥Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt