14.01.2015

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Brett


Leise hallten meine Schritte an den Wänden wider, als ich mich am Mittwochvormittag nach der kleinen Pause auf zum Handarbeitsraum machte. Dort, wo Bastian auf mich warten würde. Als ich um die nächste Ecke bog, sah ich ihn schon von Weitem und ohne, dass ich es wollte, machte mein Herz einen Satz (Nicht etwa Bastian, sondern den Handarbeitsraum). Wenn ich ehrlich war, war ich tatsächlich etwas aufgeregt. Schließlich war mir nicht klar, wer genau dieser Bastian Krüger war, den ich drei Tage lang am Stück helfen sollte selbstbewusster zu werden. Zudem wusste ich nicht, was er von mir halten würde. Ob er mich mögen würde. Wir waren zwei Fremde, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit heute zum allerersten Mal sahen. Nun ja.. das sollte sich bald als Irrtum herausstellen.


Es dauerte nicht lange, da hatte ich den Handarbeitsraum, den ich seit letztem Schuljahr nicht mehr betreten hatte, auch schon erreicht. Jedoch war noch niemand dort, was mich verwunderte. Im Inneren war ebenfalls noch niemand, was ich feststellte, nachdem ich nachgesehen hatte. Also wartete ich einfach. So, wie es das Schicksal eben wollte. Ich wartete.. und wartete. Als ich das letzte Mal auf meine Armbanduhr gesehen hatte, war es bereits 10:05 Uhr. Ich wartete schon seit geschlagenen zehn Minuten.

Als nach weiteren fünf Minuten immer noch keiner gekommen war, und ich schon kurz davor war, im Sekretariat nachzuschauen, öffnete sich plötzlich die Tür des zweiten Handarbeitsraums direkt nebenan. Mir blieb fast mein Herz stehen, da ich fast vermutete, Bastian hätte dort die ganze Zeit auf mich gewartet, als zwei mir nur allzu bekannte Personen auf den Flur traten. Es waren zwei Mädchen. Ein kleineres mit dunkelbraunen Haaren und einen geraden Pony, welcher ihr bis knapp zu den Augen ging und ein größeres mit langen schwarzen Haaren und etwas blasserer Haut. Es waren Mikayla und Tess. Erleichert atmete ich aus. Stimmt ja.. Deren Klasse hatte ja jeden Mittwoch in der 3. und 4. Stunde WTG. Wie konnte ich das vergessen..

"Habt ihr mich erschreckt..", murmelte ich und lächelte schwach. Mikayla grinste. "Ist dein ,,Schützling" immer noch nicht da?", hakte Tess nach. "Nein..", setzte ich an, als ich hinter mir plötzlich irgendetwas zu Boden fallen hörte. Augenblicklich drehte ich mich um und spürte wie die anderen beiden meinem Blick folgten. So wie es aussah, war der Gegenstand, der zu Boden gefallen war, ein Mäppchen und davor stand ein etwas kleiner Junge mit hellbraunen Haaren. Das musste wohl Bastian sein. Doch irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Sein angsterfüllter Gesichtsausdruck sprach Bände, zudem sah er so aus, als würde er gleich in Tränen ausbrechen. Ich wollte schon auf ihn zugehen, und fragen, was denn los sei, als er von ganz alleine zu sprechen begann. "Du.. ich kenne dich! Du bist derjenige, der mich damals auf der Treppe geschubst und mich anschließend ausgelacht hat, als ich am Boden lag!" Seine Stimme war zwar ziemlich piepsig und zittrig, jedoch verstand ich jedes Wort. Ungläubig und sprachlos zugleich starrte ich den kleinen Jungen an. Und tatsächlich.. er kam mir bekannt vor. Vage erinnerte ich mich an das Ereignis, von dem er erzählte, vor knapp zwei Jahren. Kaum zu glauben, dass er sich tatsächlich noch daran erinnern konnte und sich genau gemerkt hatte, wer das getan hatte. Und kaum zu glauben, was für ein Arschloch ich damals noch gewesen war. Am liebsten würde ich mich selbst dafür schlagen.

Mikayla und Tess schienen ebenso perplex zu sein wie ich, jedoch fanden sie beide vor mir ihre Stimme wieder und versuchten mir aus dieser besonders zwicklichen Lage zu helfen. "Das mag ja sein.. aber Brett hat sich verändert! Er würde sowas jetzt nie wieder machen, glaub mir!", beteuerte Mikayla und kam auf Bastian zu. "Komm, Basti. Brett ist nett. Man musste nur ein wenig nachhelfen, damit diese Seite auch zum Vorschein kommt.", machte sie weiter und nahm ihm sogar an der Hand und versuchte mit ihm, näher auf mich zu zu kommen, doch keine Chance. Er weigerte sich strikt, während ihm die Tränen wie Sturzbäche über die Wangen liefen. Bei diesem Anblick zog sich mein Herz schmerzerfüllt zusammen. Ich empfand Mitleid und auch Schuldgefühle, da ich genau wusste, dass ich dafür verantwortlich war. Verdammt nochmal ich habe diesen Jungen zum Weinen gebracht.

Aus dem Leben eines Mädchens..~♥Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt