01.01.2015

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Tess
      

Schon wenige Sonnenstrahlen, die durchs halb abgedunkelte Fenster fielen, sorgten dafür, dass ich wach wurde. Gähnend räkelte ich mich und setzte mich vorsichtig im Bett auf, darauf bedacht, Brett nicht zu wecken. Hätte am liebsten laut auf gequietscht, als ich kurz nach hinten zu meinem Freund gesehen hatte. Er sah einfach zu süß aus, wenn er schlief.. Wie er so halb zusammengerollt da lag, mit dem Gesicht zu mir, dem Rücken zur Wand, den leicht verstrubbelten Haaren, die in alle Richtungen abstanden und der leichten Blässe im Gesicht. Wirklich ein Anblick zum Ausrasten. Im positiven Sinne natürlich..

Doch leider musste ich mich hiervon trennen, da ich einfach nur aufstehen wollte. Insgeheim war mir nämlich klar, dass ich eh nicht mehr einschlafen konnte, egal wie ich es versuchte. Das ging nicht. Ich brauchte absolute Dunkelheit zum Schlafen. Sobald auch nur ein klitzekleiner Streifen Licht ins Zimmer kam, war es vorbei. Das war auch der Grund, weshalb ich früher diese Nachtlichter, die man in die Steckdose steckte, gehasst hatte. Heute auch noch. Mittlerweile war sogar bereits fast das ganze Zimmer vom Tageslicht beleuchtet. Jep.. Kein guter Platz für die liebe Tess zum Schlafen, so viel stand fest.

So schlug ich also die Bettdecke zurück und stand auf.

Als ich das Gästezimmer verließ und am Bad vorbeiging, überlegte ich, ob ich mich jetzt vielleicht gleich fertig machen sollte. Entschied mich jedoch schnell dagegen, da ich erstens dazu noch gar keine Lust hatte und zweitens es sowieso erst kurz vor halb neun war. Die meisten werden sowieso noch schlafen, solange wie die auf gewesen waren.. Mich würde es nicht wundern, wenn der ein oder andere beim Aufstehen bemerkte, dass er einen Kater hatte. Wirklich nicht.

      
Leise tapste ich den Flur entlang um echt keinen auf zu wecken, da tatsächlich noch der Großteil, oder sogar noch alle, schlief, da einfach mal Totenstille herrschte. Normal war das in dieser Familie jedenfalls nicht. Jetzt nicht falsch verstehen.. Ich liebte diese Familie, ehrlich! Die liebevolle und herzliche Art an jedem.. Jedoch war Stille hier alles andere als normal. Denn so gut wie immer hörte man irgendetwas, auch wenn es nur der Radio war.

Doch ich sollte mich täuschen, da ich kurz darauf Geräusche aus dem Wohnzimmer hörte. Offensichtlich war doch schon jemand wach und schaute in aller Frühe bereits fern. Dem musste ich auf den Grund gehen.

Genauso leise wie eben schlich ich mich also in den Esszimmerbereich. Jetzt konnte ich auch sehen was dort im Fernsehen lief. Und zwar Shopping Queen auf Prosieben. Aha.. Nun gut, ich vermutete mal stark, dass es nicht Christian oder Lukas war, der sich das hier anschaute. Selbst ich mochte das nicht besonders, da es einfach nicht das war, was mir gefiel. Umso gespannter war ich jetzt, wer hier in aller Frühe sich den Kopf mit diesem Zeug zu dröhnte.

Es überraschte mich nicht sonderlich, als ich ausgerechnet Alexa auf der Couch sitzen sah, eingemummelt in eine flauschige Decke. "Hey!", begrüßte sie mich, als sie mich bemerkte und schaltete zeitgleich den Fernseher aus, wobei sie direkt Guido Maria Kretschmers Wort abschnitt. Okay.. war ihr das etwas peinlich? "Hey..", erwiderte ich lächelnd und steuerte die Couch an, worauf mir Alexa sofort etwas Platz machte. Ohne zu zögern ließ ich mich darauf nieder, wobei ich mir ein wohliges Seufzen nicht verkneifen konnte. Ich liebte diese Couch einfach. Sie war so weich und bequem.. und gab dir wirklich das Gefühl, du seist im Himmel.

"Was machst du denn schon hier? Es ist doch noch so früh! Na ja.. dafür, dass gestern Silvester war.", fing ich ein Gespräch an, worauf sie mich ein wenig komisch beäugte. "Das gleiche könnte ich dich auch fragen..", meinte sie. "Ich hab zuerst gefragt!" Alexa seufzte. "Na schön. Ich stehe meistens früher auf, da ich einfach nicht länger schlafen kann. Das kann den ein oder anderen ziemlich schnell in den Wahnsinn treiben." An dieser Stelle grinste sie. "Aber lange schlafen geht bei mir einfach nicht." Darauf sah sie mich entschuldigend an. "Und dann legst du dich einfach auf die Couch und ziehst dir Shopping Queen rein?!", war das einzige, was ich dazu erwiderte. "Mir war langweilig, okay? Und außerdem mag ich das.", protestierte sie. Ich musste grinsen. "Ja, ja ich sag ja nichts.." Lächelnd schüttelte Alexa den Kopf. "Aber jetzt kommen wir zu dir.. warum bist du so früh wach?", fragte sie, bevor sie sich nach vorne lehnte, wobei die Decke etwas nach unten rutschte, das Gesicht in den Händen abstützte und mich abwartend ansah. Ich seufzte. "Ich konnte, so wie du, auch nicht mehr schlafen.. Die Jalousie hat geklemmt und.. es war die meiste Zeit knallhell im Zimmer. Ich kann mit Licht nicht schlafen, echt.. das geht bei mir nicht! Komischerweise hat sie die Tage davor nie geklemmt..", gestand ich. Überraschenderweise fing sie darauf an zu lachen, was mich zum Stirnrunzeln brachte. Wieso lachte sie jetzt? "Ach ja.. die Jalousie in dem Zimmer ist echt scheiße, ich weiß. Ich kann mit Licht auch nicht schlafen. Hat es Brett gestört?" Kräftig schüttelte ich den Kopf. "Nein, überhaupt nicht. Der hat einfach friedlich weiter gepennt. Als ich zu ihm ins Bett kam, war er auch bereits nicht mehr bei Bewusstsein gewesen. Und jetzt schläft er immer noch. Nun ja, man muss dazu sagen, dass es ihm gestern nicht mehr sonderlich gut ging.."
"Du hast mit ihm in einem Bett geschlafen? Obwohl es im Gästezimmer noch ein zweites gibt? Interessant..", unterbrach sie mich, wobei sie alles andere ignorierte und grinste mega breit. Darauf spürte ich, wie sich meine Wangen erhitzten und ich knallrot anlaufen musste.. "Äh.. ja.. das..", stammelte ich unbeholfen. "Jaaa?" Nun grinste sie nur noch breiter. Oh Mann. Ich wusste genau worauf sie anspielen wollte. "Es ist nicht das, was du denkst! Ehrlich..", stritt ich ab. "Verstehe..", meinte sie und lächelte nur noch schmal. Sie schien also wieder ernster geworden zu sein.

Aus dem Leben eines Mädchens..~♥Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt