27.06.2015

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Alex

         
Seufzend klappte ich meinen Laptop zu. Es war mittlerweile kurz nach drei Uhr nachmittags und ich hatte bis eben daran gearbeitet. Von etwa zehn bis jetzt. Sogar am Wochenende mühte ich mich ab, um einigermaßen hinterher zu kommen, um unter der Woche nicht mehr so viel zu tun zu haben. Damit ich auch irgendwie mit dem Lernstoff hinterher kam und einmal frei durchatmen konnte... Ja, als Auszubildende hatte man es schwer. Aber das war auch nichts Neues.

Nachdenklich starrte ich auf den hellgrauen Deckel des Laptops, fuhr die Konturen des Asus Logos nach, während ich merkte, wie müde ich eigentlich war. Aber dabei ging es mir eigentlich gut. Mir ging es seit einigen Tagen wirklich besser. Erst gestern Abend hatte ich mir selbst etwas Gutes getan und mir ein Entspannungsbad eingelassen, in dem ich sogar über eine Stunde gelegen hatte und fast eingeschlafen wäre, wenn nicht plötzlich jemand gegen die Tür geklopft und gesagt hätte, dass er ganz dringend auf's Klo müsse und ich sofort aufsperren solle. Jedes andere Bad wäre nämlich genauso besetzt gewesen. Dieser Jemand war Mikayla gewesen. So war ich also aus der Wanne gestiegen, hatte mir ein Handtuch geschnappt und umgebunden und hatte ihr geöffnet. Dankbar hatte sie mich angesehen und war sofort zur Toilette gerannt. Und ja, den Rest konnte man sich denken.

Lächelnd schüttelte ich den Kopf, als ich daran zurück dachte. Ach, war ich froh, dass die Kleine wieder bei uns war. Aber dabei konnte ich auch wirklich verstehen, weshalb sie sich überhaupt für einige Zeit zu David verzogen hatte. Sie hatte es hier nicht mehr ausgehalten, aufgrund Streit und angespannter Stimmung, was wirklich kein Wunder war. Und ich wusste sehr wohl, dass sie auch ihre eigenen Probleme hatte. Ich war nicht umsonst die große Schwester für alle und für Mikayla die erste Bezugsperson, wenn sie über irgendetwas reden wollte oder sie irgendwo Probleme hatte, sei es die Pubertät oder sonstiges und das meistens sogar noch vor Mum. Mikayla vertraute mir wahnsinnig, was ich auch gemerkt hatte, als wir miteinander telefoniert hatten, kurz bevor sie zurück gekommen war. Nur davor war es etwas... schwierig gewesen. Ich hatte mich extrem verschanzt und keinen so wirklich an mich herangelassen. Ich hatte deswegen Stress mit Mum und Dad gehabt. Und das hatte ihr ziemlich zugesetzt... Zusammen mit ihren eigenen Problemen wollte sie nur noch hier raus, da sie es sonst nicht mehr ausgehalten hätte. Und genau deshalb hatte sie sich zu ihrem Freund verzogen, um durchatmen zu können.

Aber wie gesagt, mittlerweile ging es mir wirklich besser. Auch das Verhältnis zwischen meinen Eltern und mir war wieder besser geworden und wir stritten nicht mehr. Sie hatten eingesehen, warum ich mich denn überhaupt so verschanzte und ich hatte verstanden, dass sie sich deshalb einfach nur Sorgen um mich machten. Typisch Eltern eben. Hätte mir eigentlich klar sein sollen. Aber wenigstens versuchte ich jetzt, mich wesentlich weniger zu verschanzen und wieder mehr mit meiner Familie zu unternehmen, wie gemeinsame Spielnachmittage oder einfach Fernsehabende wie sonst auch. Und das funktionierte bisher ganz gut.

Der Grund für meine ständige Verschanzerei war neben Verzweifelt sein und Heulen noch ein ganz anderer. Ich hatte nachgedacht. Sehr viel sogar. Mir hatte es einfach keine Ruhe gelassen. Für mich hatte es einfach keinen Sinn ergeben, warum Fabian plötzlich zu einem solchen Monster mutiert hatte und überhaupt sein Verhalten allgemein von den ganzen letzten Tagen davor. Klar, die Drogen hatten einen gewaltigen Teil dazu beigetragen. Aber da war doch noch irgendetwas, oder? So hatte ich gedacht und ich war zu einem Schluss gekommen. Ich hatte an das Treffen mit ihm im Park, einige Tage bevor der ganze Horror passiert war, zurück gedacht, so wie jetzt auch, während ich nach wie vor auf den Deckel meines Laptops starrte. Dort hatte er mir zum ersten Mal einen Grund genannt, warum er sich denn so seltsam verhielt, warum er ständig zu spät kam oder so fertig aussah. Er hatte erzählt, dass er sich nicht besonders gut mit seiner Familie verstand. Dass ihn seine Eltern vernachlässigt und geschlagen hatten, sobald er irgendetwas falsch getan hatte. Oder was in ihren Augen falsch gewesen war. Ich hatte das alles nicht glauben können, konnte ich die letzten Tagen als ich darüber nachgedacht hatte auch nicht ganz, doch jetzt wurde mir klar, dass da irgendetwas dran sein musste, so ernst wie Fabian dabei gewirkt hatte. Ich hatte überlegt, ob meine Eltern vielleicht davon gewusst hatten. Aber sie schienen nie den Anschein gemacht zu haben, denn sie konnten Fabian von Anfang an nicht wirklich ausstehen, hatten nie verstanden, warum er so ein mürrischer ernster Teenager war. Natürlich. Keiner weiß davon, da sie immer die perfekte Show spielen. Jeder kennt sie als die sympathischen, liebevollen Eltern, die auch gerne mal einen Spaß verstehen. Aber Zuhause sieht es oft ganz anders aus. Zumindest für mich. Ich zog scharf die Luft ein. Das hatte er damals im Park zu mir gesagt, nachdem ich es nicht glauben konnte. Und es machte Sinn. Es machte absolut Sinn.

Aus dem Leben eines Mädchens..~♥Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt