12.01.2015

18 5 0
                                        

Brett


"So, meine Lieben.", verkündete Frau Meier und setzte mit dem dazu gehörigen Stift an unserer Smart Board Tafel an, mit dem sie in geschwungenen Buchstaben die Überschrift unseres Projektes schrieb. Die wohl wahrscheinlich schon dem Großteil der Klasse bekannt sein dürfte, da dies auch auf Plakaten geschrieben waren, und diese überall im Schulhaus herumflattern. Projekt „Selbstbewusstsein und Integration" Doch heute war Montag, das hieß, das Projekt würde übermorgen beginnen und das wiederum hieß, dass wir heute endlich näheres darüber erfahren durften. Beziehungsweise direkt hier und jetzt.

"Lange musstet ihr warten, doch heute werdet ihr alles erfahren, was ihr wissen müsst.", begann sie. Ich verdrehte die Augen. Mach es nicht so spannend.., dachte ich und kritzelte mit Kugelschreiber etwas an den Rand meines linierten Blocks. Als ich mich darauf wieder auf die Tafel konzentrierte, sah ich, wie unsere Lehrerin gerade dabei war einige Stichpunkte aufzuschreiben. Wörter wie Schüchternheit, Mobbing, Ausgrenzung und Depression prangten nun die einst ziemlich leere Tafel. Wörter, die sicher erneut Fragen in den Raum warfen. Angestrengt schaute ich vor zur Tafel und versuchte aus diesen vier Begriffen samt der Überschrift irgendwie schlau zu werden. Ich merkte, wie David das Gleiche tat. Okay. Offensichtlich ging es in diesem Projekt um mangelndes Selbstbewusstsein darauf folgte Mobbing anschließend die Ausgrenzung und letztendlich führte es zu Depressionen. Komisch, das kannte ich doch von irgendwo her..

Jedoch was genau in diesem Projekt hatte das mit uns zutun? Was würden wir machen? Was mussten wir machen? Sag es endlich!

"Um das mal zu erklären: Das Projekt „Selbstbewusstsein und Integration" ist ein ganz spezielles Projekt. Das gab es so noch nie auf unserer Schule. Und es handelt davon, Leuten zu helfen, die nicht ganz so viel Selbstbewusstsein oder Selbstvertrauen zu sich besitzen. Auch genannt Schüchternheit. Ihr kennt doch sicher Leute, bei denen das zutrifft, die sich selbst nicht besonders gut verkaufen können. Und die Wörter.." Sie deutete auf die vier ausschlaggebenden Wörter auf der Tafel. "Schüchternheit, Mobbing, Ausgrenzung und Depression. Das ist nur ein Fall mit seinen jeweiligen Folgen, der bei Betroffenen auftreten kann. Jedoch gibt es noch einige mehr. Und diese müsst ihr herausfinden. Herausfinden und anschließend helfen. Den Menschen helfen selbstbewusster zu werden. Genau das ist der springende Punkt bei dem Projekt. Und wenn ihr das gut macht, dann werdet ihr belohnt. Und ihr habt einen Mitmenschen weitergeholfen und das ist kostbar. Das einzig schwierige dabei ist, dass ihr das innerhalb drei Tagen hinbekommen müsst. Schafft ihr es nicht, so seid ihr durchgefallen. Jedoch ist das in dem Fall nicht sonderlich schlimm, da dieses Projekt sowieso nicht benotet wird. Es dient eher.. der Gesellschaft, versteht ihr?" Justin hob die Hand. Frau Meier nahm ihn dran. "Ja, verstehen wir, aber welchen Personen müssen wir denn jetzt helfen?" Das hatte sich bestimmt schon jeder in diesem Raum hier gefragt.

"Zu dem Punkt wäre ich gleich gekommen. Es ist eine Klasse hier auf dieser Schule. Die 5b. Unsere Parallelklasse hat die 5a. Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, sind ziemlich viele Schüler in diesem Jahrgang eher schüchtern und zurückhaltend. Diejenigen, die ein ziemlich gesundes Selbstbewusstsein aufweisen können, helfen in diesem Fall mit. Man sorgt sogar dafür, dass sich die Kinder untereinander gut verstehen. Die Klassen an sich haben nämlich ein ziemlich schlechtes Klassenklima. Dort gibt es bereits sehr viele Ausgrenzung von anderen Schülern. Wie dem auch sei.. Auf jeden Fall werden verschiedene Gruppen gebildet, die so und so viele Kinder zugeteilt bekommen. Jedoch wird es auch einige treffen, die alleine sind. Die bekommen dann verständlicherweise auch nur ein Kind zugeteilt." Ein Raunen ging durch die Klasse. Die 5b? Stimmt.. Dort gab es wirklich viele Kinder, die von der eigenen Klasse ausgegrenzt wurden. Bei manchen war das sogar besonders schlimm. Doch, dass manche das teilweise alleine machen musste.. Irgendwie war mir bei diesem Gedanken nicht ganz wohl.

Kurz darauf meldete sich Michelle aus der hinteren Reihe. "Erfahren wir gleich mit wem wir zugeteilt sind?" Frau Meier nickte, während sie sich wieder zu ihrem Pult begab, auf dem irgendein weißer Zettel lag. Vermutlich die Liste mit unseren Namen und die der 5. Klässler drauf. Und ich hatte recht.

"Ja, natürlich. Ich gehe euch jetzt alle nach der Reihe durch.."

Die Zeit verging und immer mehrere Schüler wurden drangenommen, manche wurden sogar gleich in irgendwelche Gruppen getan und ich dachte, dass die, die alleine waren, erst zum Schluss kamen, doch da sollte ich mich täuschen. Zudem erfuhren wir, dass das Projekt am Mittwoch erst nach der ersten Pause, sprich in der 3. Stunde beginnen würde, da wir davor noch einige Tipps bekommen würden. Und dass sich jede Gruppe oder jeder Einzelgänger mit seinen „Schützlingen" oder seinem „Schützling" an einem anderen Ort traf. Wie zum Beispiel die Gruppe von Justin, Tobias, Michelle und Markus würden sich mit ihren im Gemeinschaftsraum direkt neben unserem Klassenzimmer treffen.
Als sie kurz darauf endlich meinen Namen sagte, horchte ich auf. "Du bist alleine und dein Kind, das dir zugeteilt wird, heißt Bastian Krüger. Und ihr seid im ersten Handarbeitsraum." Ich nickte und notierte mir darauf den Namen des Kindes. Oh Mann. Ich hoffte, ich bekam das alleine hin.. Doch Gott sei Dank war ich nicht der einzige. Kurz nach mir wurde auch schon David aufgerufen. "Dein Kind heißt Isabelle Bauer und du bist auch alleine. Du triffst dich mit ihr im Musikraum." David seufzte und notierte sich ebenfalls den Namen seines Schützlings. "Ein Mädchen also.", murmelte er dabei. Ich musste grinsen.

Letztendlich wurden drei vierer und zwei zweier Gruppen gebildet. Die restlichen sechs waren alleine. Sprich David und ich, noch drei Mädchen und Max. Na, mal schauen, was das werden würde. Ich war auf jeden Fall schon sehr gespannt darauf.

Später in der Pause unterhielt ich mich noch mit David über das Thema. "Oh Mann. Ich hoffe echt, dass ich das hinbekomme.", murmelte David. "Ich auch, glaub mir.", stimmte ich ihm zu, bevor ich einen Schluck aus meiner Wasserflasche nahm. "Aber du hast wenigstens einen Jungen! Ich hab ein Mädchen und bei denen wird das schwieriger. Die sind komplizierter." Ich musste lachen, worauf ich meine Flasche absetzen musste, da ich sonst im schlimmsten Fall das gesamte Wasser wieder ausgespuckt hätte. "Ach wirklich?", fragte ich belustigt. Er nickte. "Dann sei froh, dass wir nicht die 6. bekommen haben. Besser gesagt die 6b. Tess und Mikayla, du verstehst? Mit denen wäre das vielleicht ein Spaß geworden. So zickig wie die manchmal sein können." David musste grinsen. "Die haben das doch gar nicht nötig. Erst recht nicht Mikayla." Ich musste lachen. "Oh ja, das stimmt. Tess aber auch nicht." David stimmte in mein Lachen mit ein.

Als wir damit fertig waren, seufzte er und drehte sich zum Fenster, um hinauszuschauen. Die Sonne schien und es war überhaupt heute ziemlich warm für den Winter. "Das wird mal ne' aufregende Woche.", meinte er. Ich folgte seinem Blick. "Du sagst es."

Aus dem Leben eines Mädchens..~♥Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt