05.06.2015

10 3 0
                                        

Max
       

"Bist du soweit?", fragte mich mein Vater, nachdem ich nur schnell in die nächsten Sneakers geschlüpft war. Eine Jacke würde ich nicht unbedingt brauchen, immerhin fuhren wir nur zu meinem Bruder nach Hause und außerdem betrug die Temperatur locker über zwanzig Grad. Und wow… es regnete nicht einmal. Also ja, ich denke, ich bekam das auch ganz gut ohne hin. Es sei denn, das Wetter würde mir wieder einmal einen Strich durch die Rechnung machen, genauso wie letztes Mal. Aber so viel Pech hintereinander konnte man doch wohl nicht haben, oder? Nachdem ich mir, nur zur Sicherheit, eine alte graue Sweatshirtjacke vom Haken genommen hatte, nickte ich. "Ja, bin ich."

       
Wir stiegen ins Auto, schlugen die Türen hinter uns zu, ehe Papa auch schon den Motor startete. "Hast du an alles gedacht? Kuchen, Kaffee und die Kekse, die Marina wollte?", fragte Mama, nachdem mein Vater auch schon aus der Garage fuhr. "Jaa, habe ich. Jetzt schon zum vierten Mal. Keine Sorge. Alles hinten im Kofferraum.", beschwichtigte Papa, mittlerweile etwas genervt, und verdrehte die Augen. Kein Wunder… Mama konnte so ein Kontrollfreak sein. Es reichte nicht, ihr einmal zu versichern, dass die Sachen dort waren, wo sie auch sein sollten. Sie musste immer und immer wieder nachhaken, erst dann konnte sie sich tatsächlich sicher sein. Oder sie schaute gleich selbst nach. Nur meistens vergaß sie das, da sie sonst alle Hände voll zu tun hatte. Genauso wie heute.

Es dauerte nicht lange, bis wir die Heilwigstraße verließen und Richtung Speicherstadt abbogen. Dabei sah ich aus dem Fenster in den Himmel. Hm… Ja, es sah tatsächlich nicht so aus, als würde mir das Wetter heute einen Strich durch die Rechnung machen wollen. Der Himmel war strahlend blau und Regenwolken waren auch keine zu sehen. Höchstens ein paar weiße Pufferwolken, aber dass daraus noch richtig dunkle Wolken werden könnten, bezweifelte ich stark. Aber man konnte nie wissen… Am Ende lag alles unter Wasser, wenn wir wieder nach Hause fahren wollten und somit Mühe hatten, unser Auto überhaupt wieder zu finden. Ich musste grinsen, als ich mir dieses Szenario bildlich vorstellte. Ich sah schon die nächste Suchanzeige in der Tageszeitung… Eltern plus Sohn finden ihr Auto nicht mehr, aufgrund Hochwassers… bitte helfen sie. Oh Mann. Einfach zu witzig…

Das Radio wurde lauter gestellt, nachdem das Lied, das gerade kam, in dem Fall eins von Katy Perry, vorbei war und die Wettermitteilungen der nächsten Tage verkündet wurden. "… heute ist es mild und die Temperaturen halten sich… es wird wärmer. Der Sommer kann kommen. Voraussichtlich wenig Regen in den nächsten Tagen." Überrascht sah ich auf. Oh, echt jetzt? Das hörte sich aber mal gut an… Nur wenig Regen in den nächsten Tagen… Und offensichtlich freute sich Papa über diese Erkenntnis mindestens genauso wie ich, da er darauf freudig in die Hände klatschte. "Endlich mal positive Aussichten… Mit dem ganzen Regen wäre ich hier noch verrückt geworden. Und es wird wärmer? Das ist spitze! Endlich kann der Sommer kommen…" Ich musste seufzen. Was er nicht sagte…

Spätestens nachdem zu den aktuellen Verkehrslagen gewechselt wurde, hörte ich nicht mehr zu, da mich das nicht interessierte. Stattdessen drehte ich mich wieder Richtung Fenster und sah hinaus. Zwar dauerte es eine Weile, doch dann erkannte ich auch schon, wo wir waren. Wir fuhren gerade die Feldstraße entlang, welche auf direktem Weg in die Speicherstadt führen würde und unteranderem in der Nähe von dort auch, wo mein Bruder und seine Freundin wohnten. Außerdem dauerte es von unserer Straße knapp fünfzehn Minuten bis dorthin, was jetzt schon über die Hälfte des Weges ausmachte. Mittlerweile nur noch knapp sieben Minuten und schon würden wir da sein. Immerhin sah ich meinen Bruder, seitdem er ausgezogen war, nur noch sehr selten… da war einfach jeder Besuch besonders.

Vollkommen in Gedanken versunken blickte ich nach draußen auf die Straße und beobachtete, wie sämtliche Autos ein und aus fuhren. Wie mir auffiel, war heute nicht so viel los, weshalb die Straßen auch hauptsächlich leer waren und auch nur kaum eine Chance bestand, in einen Stau zu geraten. Nachdenklich blickte ich auf ein Schild, das nah einer Hauswand stand, wohl an einer Firma, und Werbung für irgendeine neue Attraktion am Hafen machen sollte. So wie es aussah, handelte es sich dabei um ein Restaurant, das erst vor kurzem geöffnet und noch nicht sehr viele Besucher hatte. Und als ich noch einen Blick auf die Adresse werfen konnte, ehe Papa wieder weiterfuhr, fiel mir auf, dass das wohl ganz in der Nähe von dem Eiscafé liegen musste, in das ich mit meinen Freunden meistens ging. In dem ich auch gestern mit Bella gewesen war… Schlagartig musste ich seufzen, als ich daran dachte, wie dieser Tag überhaupt geendet hatte. Wie sie einfach mir nichts dir nichts beschlossen hatte zu gehen, gleich nachdem ich vorgeschlagen hatte, noch etwas rauszugehen, da es aufgehört hatte zu regnen. Da sie anscheinend vergessen hatte, dass sie noch etwas tun musste. Aber hatte ich ihr das geglaubt? Nein. Denn warum zur Hölle fiel ihr das gerade da ein, wenn ich vorschlug etwas rauszugehen? Warum? Das konnte doch kein Zufall sein. Sie hatte schlichtweg einfach keine Lust gehabt noch länger Zeit mit mir zu verbringen. Aber warum? Ich verstand das nicht… Ich verstand Bella schon seit Wochen nicht mehr. Und das Schlimme war, sie redete nicht einmal mit mir. Langsam wusste ich echt nicht mehr, was ich tun sollte… Ich fühlte mich hilflos, was diese Sache anging, wusste nicht, wen ich um Rat fragen konnte. David und Mikayla fielen schon einmal raus, da sie das Ganze sicher wieder anders sehen würden als ich. Zumindest Mikayla… Die tickte in vielen Sachen sowieso ganz anders als ich und es fiel mir dabei oft schwer, sie zu verstehen. Deswegen gerieten wir ja überhaupt immer wieder in so viel Streit. Aber die eine Sache, die sie einmal gesagt hatte, als wir zusammen mit David am Hafen gewesen waren… Die hatte mich nachdenklich gemacht. Was war das noch mal gleich gewesen? Sie war sich nicht sicher, ob Bellas und meine Beziehung noch das ist, was sie noch war? Jedenfalls nicht für Bella? Aber… was sollte denn jetzt anders sein, verdammt? Die Sache mit Markus war doch sicherlich schon längst vergessen… oder? Ach, ich hatte keine Ahnung… Langsam begann ich echt an so ziemlich allem zu zweifeln.

Aus dem Leben eines Mädchens..~♥Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt