Kapitel 7: Shopping

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"Er kommt schon nächste Woche Mittwoch?", fragte ich verblüfft, als ich die E-Mail gelesen hatte.

Meine Mutter nickte stumm.

Schon entstand wieder diese unangenehme Stille zwischen uns, die seit gestern Abend über unserer ganzen Familie lag. Ich hasste es.

"Wollen wir?", fragte Mama, nachdem wir einige Sekunden gedankenverloren unsere Blicke durch die Küche hatten schweifen lassen.

"Ja, lass uns los.", antwortete ich ihr.

Die Autofahrt verlief so, wie ich es erwartet hatte. Schweigend. Ich war wirklich froh, als wir endlich vor dem Einkaufszentrum angekommen waren.

"Such' dir was Nettes aus.", rief meine Mutter mir nach, bevor ich die Autotür zuschlug und sie davonfuhr.

Bevor ich zu meinen Freundinnen ging, atmete ich einmal tief durch. Ich wollte wenigstens für diesen Nachmittag meine Gedanken vergessen.

Und es gelang mir besser, als ich gedacht hätte.
In diesem Shopping-Center gab es, neben einigen anderen Läden, ein Geschäft für Abendkleidung, bei dem Lina, Greta und ich uns treffen wollten, um passende Kleider für den Ball zu finden.

Meine Freundinnen warteten schon vor dem Eingang auf mich. Mit einem strahlenden Lächeln wurde ich von Lina begrüßt.

"Ich freue mich ja schon so auf nächsten Samstag. Wir werden so viel Tanzen, Spaß haben und ihr werdet endlich Alex kennen lernen. Hach, das wird so toll.", schwärmte sie.

"Warum müssen wir da eigentlich hin?", fragte Greta wenig angetan von Linas Vorstellungen des anscheinend perfekt werdenden Abends.

Lina und ich sahen sie ungefähr so an, wie ein Katzenliebhaber es tun würde, dem sie gerade erzählt hatte, dass sie Hunde bevorzugte.

"Was ist das denn für eine bescheuerte Frage? Natürlich müssen wir zum Abiball meines Bruders gehen. Wieso sollten wir so ein großartiges Ereignis verpassen?", fragte ich vollkommen fassungslos.

"Ist irgendwas passiert? Oder warum willst du nicht hingehen?", Lina zog eine Augenbraue hoch.

"Naja, das Kleid ist doch eh viel zu teuer für einen Abend und so toll ist das da doch eh nicht. Bestimmt sind wieder alle total betrunken, Leo vorneweg und dann lässt er sich wieder irgendeine neue Dummheit einfallen. Wer weiß, was es diesmal ist. Vielleicht beschließt er, uns alle in den Schulteich zu werfen, oder er steckt die Sporthalle in Brand. Betrunken würde ich ihm alles zutrauen. Okay, vielleicht nicht alles, aber doch schon einiges. Und stellt euch nur mal vor wie es wäre wenn...", begann sie ihren Redefluss, bevor sie von Lina unterbrochen wurde: "Und jetzt die Wahrheit, bitte. Wir kennen dich gut und lange genug, Greta, um zu wissen, dass das alles billige Ausreden sind. Wenn du dreimal die Woche babysittest, wirst du wohl genug Geld haben, um dir ein Ballkleid zu kaufen. Außerdem ist Leo nicht immer so, wenn er betrunken ist. Das war letztens nur... eine besondere Situation für ihn, oder wie auch immer man das ausdrücken soll."

Leos Eskalation auf einer der letzten Partys war wirklich eine Spur zu hart gewesen. Es war soweit gekommen, dass er Hausverbot in dem Club erteilt bekommen hatte. Wenn Jonas und Tom ihn am Ende nicht zurückgehalten hätten, wäre sicherlich noch Schlimmeres passiert. Am besten erwähnte man nicht, was genau er getan hatte, um niemanden zu verschrecken. Der Grund, der für seinen Wutausbruch verantwortlich gewesen war, hätte Anderen wahrscheinlich nur ein Schulterzucken entlockt, doch Leo musste sich gleich in seiner "Männlichkeit" gekränkt fühlen. Ziemlich nervig, um ehrlich zu sein.

"Naja... also", fing Greta nun zögernd an zu erzählen.

Wir standen mit verschränkten Armen vor ihr und musterten sie abwartend. Lina zog wieder eine Augenbraue hoch. Könnte ich es, hätte ich es wahrscheinlich auch getan. Doch ich wusste, dass es zu lustig ausgesehen hätte, wenn ich es probiert hätte und Greta uns so niemals den Grund für ihren plötzlichen Sinneswandel gebeichtet hätte. Also ließ ich es sein.

"Es geht doch eh keiner mit mir hin.", brachte Greta nun hervor und starrte Sekunden später leicht beschämt auf den hellbeigen Marmorboden des Einkaufszentrums.

"Wenn es weiter nichts ist. Mia geht doch auch allein hin. Letztes Jahr sind wir doch auch alle ohne Begleitung gegangen und da hat es dich auch nicht gekümmert.", besänftigte Lina sie.

"Letztes Jahr. Letztes Jahr waren wir auch noch jünger und da ist auch noch niemand mit irgendwem hingegangen, aber ich habe mich mal ein bisschen umgehört. Die Meisten gehen dort nicht allein hin und Mia... Mia ist nunmal Mia. Es ist ihr doch eh egal was alle Anderen über sie denken. Und weil jeder das weiß, wird es niemanden interessieren, ob und wie sie zum Abschlussball kommt. Aber ich bin nunmal nicht so wie du, Mia.", berichtete Greta.

"Warte doch ab. Vielleicht fragt dich ja doch noch jemand. Der Ball ist doch erst in einer Woche.", versuchte ich ihr Mut zu machen. Ich beschloß, Felix am Abend auf jeden Fall noch einmal daran zu erinnern, Greta als seine Begleitung zu wählen. Ich würde ihn schon überredet kriegen.

"Ja eben. Nur noch eine Woche. Alle Anderen haben ihre Dates schon vor einem Monat oder so ausgemacht.", Greta klang nun aufgebrachter und ein wenig verzweifelter.

"Wen kümmern denn die anderen? Dann ist es bei dir halt anders. Normal ist doch langweilig.", versuchte ich ihrer Verzweiflung entgegenzuwirken.

Greta nickte nur stumm und ich nahm dies als Zeichen dafür, dass das Gespräch nun beendet war und sie nicht weiter darüber sprechen wollte.

Sie war die Sorte Mensch, die am liebsten von allen gemocht wurde und überall dazugehören wollte. Außerdem war Greta der harmoniebedürfstigste Mensch, den ich kannte. Bei Streit dauerte es höchstens zwei Stunden, bis sie sich entschuldigte. Ob sie im Recht war oder nicht, war egal. Es ging ihr nur darum, dass der Ärger aus der Welt war.

Zusammen betraten wir drei nun das Abendmodengeschäft und es dauerte nicht lange, bis wir fündig wurden.

Lina verliebte sich in ein hellblaues Kleid, das einen ziemlich tiefen Ausschnitt zeigte mit weißen Stickereien am unteren Teil des Rockes.

Greta hatte sich schnell für ein trägerloses dunkelblaues, bodenlanges Kleid entschieden, das am Oberkörper etwas heller gehalten war und dort durch königsblaue Spitze verziert wurde.

Mein Kleid war ebenfalls trägerlos und bodenlang. Die Einfachheit des schlichten, zartrosanen Designs faszinierte mich, was am Ende schließlich der Grund war, warum ich mich für dieses Kleid entschied.

Nach unserer erfolgreichen Shoppingausbeute kauften wir uns Smoothies an einem Stand, der im Einkaufszentrum untergebracht war. Greta entschied sich für Mango, Lina für Ananas und ich wählte Erdbeere. Wie immer.

Es war so ein schöner Nachmittag gewesen, das ich ganz vergessen hatte, an meinen Vater und meinen Bruder zu denken.

Moin:)
Da bin ich wieder mit dem nächsten Kapitel.
Auf die nächsten Teile freue ich mich besonders. Am liebsten würde ich sofort anfangen, sie zu schreiben (werde ich wahrscheinlich auch gleich machen😂)
Ich bin nun wieder zurück im guten alten Deutschland und vermisse die Zeit mit meinen Freunden zwar, aber bin trotzdem glücklich zuhause zu sein.

Es würde mich freuen, wenn ihr Kommentare mit eurer Meinung und Kritik schreiben würdet :).

Bis zum nächsten Kapitel.

Der letzte SommerGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt