Kapitel 73: Katerkopf

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An dem Samstag nach der Hausparty bei Tom war ich definitiv an meinem bisherigen Tiefpunkt angelangt und das war nun wirklich fast unmöglich gewesen, wenn man bedachte, wie ich mehrere Tage lang mein Bett nicht verlassen hatte, bis Lina und Greta gekommen waren und mir einen bitternötigen Arschtritt verpasst hatten und ich schließlich, als Jonas gegangen war, endlich aus meinem Loch gekrochen kam.

Mein Magen fühlte sich an wie umgedreht und ich konnte den ganzen Tag nichts essen, alleine bei dem Gedanken daran wurde mir schon schlecht. Furchtbaren Hunger hatte ich allerdings trotzdem, sodass mein Magen sich fast noch schlimmer anfühlte.

Ich hatte mich bei Greta gar nicht mehr umgezogen, weil meine Sachen von gestern noch immer voller Kotze waren. Als ich nach meinem Fußmarsch durch die halbe Stadt zuhause angekommen war, lief ich geradewegs unter die Dusche und stopfte Gretas Klamotten, die ebenso wie ich selbst auch, furchtbar nach Alkohol stanken, zusammen mit meinen von gestern Nacht in die Waschmaschine.

Felix hatte mich nicht abholen wollen, was vielleicht auch ganz gut war, da mir ein wenig frische Luft bestimmt gut tat. Und das, obwohl mir im ersten Moment, als ich Gretas Haus verlassen hatte, sogar eher noch schlechter wurde. „Nie wieder, Mia. Nie wieder.", versprach ich mir selbst, nachdem Gretas Haustür hinter mir ins Schloss gefallen war und ich mir an die plötzlich noch mehr vor Schmerz pochende Stirn fasste. Viel schlimmer könnte es jetzt auch nicht mehr werden.

Dass das mit dem nie wieder Alkohol sowieso nicht lange anhalten würde und eine glatte Lüge war, war mir schon ziemlich klar. Trotzdem nahm ich mir vor, es beim nächsten Mal wenigstens nicht wieder so zu übertreiben, wie ich es gestern getan hatte.

Die Dusche half wenigstens einigermaßen und ich fühlte mich wenigstens halbwegs wieder wie ein Mensch. Ich kuschelte mich in meine gemütlichste Jogginghose und ein übergroßes Shirt, das ich eventuell von Felix geklaut hatte. Ups. Aber wozu hätte man schließlich einen großen Bruder? Wenn er einen schon nicht abholte.

Obwohl mir wirklich nach allem anderen als nach essen zu Mute war, machte ich mich mit schwerem Kopf auf den Weg nach unten in die Küche. Immerhin stank ich nicht mehr wie eine Schnapsleiche, sondern roch nur noch nach Apfelshampoo und Mangoduschgel. Für meinen Katerkopf nicht gerade die beste Kombination, ich fühlte mich fast so, als würde ich gleich nochmal kotzen müssen. Aber immerhin würden alle anderen Menschen in diesem Haushalt, die sich gestern nicht die Nacht kotzend in einem Busch vor Toms Haus um die Ohren geschlagen hatten, mich nicht auf den ersten Blick als Schnapsleiche identifizieren können. Obwohl meine leichenblasse Gesichtsfärbung mich nach wenigstens ein paar Minuten verraten dürfte.

Jede Stufe, die ich die Treppe nach unten stieg, spürte ich in meinem Kopf. Genauso wie ich meinen mittlerweile schon sicherlich nicht mehr vorhandenen Mageninhalt in mir aufsteigen spürte. Als ich nach gefühlten Stunden dann unten in der Küche ankam, hatte ich das Gefühl, mein Magen hätte sich noch einmal umgedreht. Alles drehte sich und ich musste mich kurz am Geländer festhalten, damit ich nicht gleich umkippte.

Wie auf Kommando grummelte mein Bauch, sodass meine Mutter, die wie immer in der Küche saß und arbeitete, sogar kurz von ihrem Laptop aufsah.

„Hallo Miamaus. Hattest du Spaß gestern?", fragte sie mich und lächelte mir müde entgegen, während sie sich ihre Brille, die sie zum Arbeiten trug in die zerzausten Haare schob und begann sich nach hinten zu lehnen und ihre Armen nach vorne zu recken, um sich zu strecken.

„Ja, war ganz lustig.", erklärte ich kurzangebunden und wie auf Kommando knurrte mein Magen. Oh nein, ich hatte doch eigentlich nichts essen wollen. Was wenn ich beim ersten Bissen hier und jetzt die gesamte Küche vollkotzte?

„Soll ich dir was zu essen machen, Miamaus? Du scheinst Hunger zu haben.", fragte meine Mutter mich nun und mutmaßte das wohl nach meinem letzten Magenknurren. Natürlich musste sie das tun.

„Ach ne, Danke Mama. Ich wollte eigentlich nur ein bisschen was trinken.", lehnte ich ab und griff nach einem Glas im Küchenschrank, das ich reflexartig mit Wasser füllte.

Doch meine Mutter wäre wohl nicht meine Mutter, wenn sie da nicht schon längst aufgesprungen wäre und eingegriffen hätte. „Spinn doch nicht rum, Mia. Du bist doch bestimmt hungrig. Was willst du? Soll ich dir ein Brot machen? Oder lieber Cornflakes? Ich würde dir ja auch was kochen, aber ich hatte eigentlich gedacht wir bestellen einfach Pizza.", verkündete sie. Na toll, da bestellte meine Mutter einmal Pizza, was sie sonst wirklich fast nie tat, und ich musste gerade heute den Kater meines Lebens sein. Alleine beim Gedanken an Pizza hatte ich das Gefühl mein nicht vorhandenes Frühstück würde mir hochkommen.

Aber, dass meine Mutter eh nicht abkommen würde, wusste ich auch ohne es großartig auszutesten. Deshalb gab ich lieber gleich nach und ließ sie mir Cornflakes machen, denn um mich großartig mit ihr anzulegen fehlte mir heute definitiv die Motivation und ganz klar auch der klare Kopf, denn meiner pochte heute jedes Mal, wenn ich auch nur versuchte zu denken und das tat schließlich jeder quasi durchgängig den ganzen Tag.

Erschöpft von meinem schweren Kopf, ließ ich mich lustlos auf einen Stuhl am Küchentisch fallen und wollte mich eigentlich wieder zu meiner Mutter drehen, die schon längst damit angefangen hatte, in der Küche herumzuwühlen. Doch auf einmal fiel die Zeitung, die wie jeden Morgen auf dem Küchentisch lag, in mein Blickfeld. Und was ich darauf lesen konnte, verschlug mir kurz die Sprache. Ich begann zu zittern und konnte fast nicht glauben, was ich da las.

Der letzte SommerGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt